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Testbericht

24. November 2015
Wir könnten es uns nun einfach machen, so wie Nick Carraway, der Ich-Erzähler in F. Scott Fitzgeralds wunderbarem Roman "Der große Gatsby", der seinen Beruf als Wertpapierhändler hauptsächlich deswegen ergreift, weil es bereits so viele davon gibt, dass es auf einen mehr nun wirklich nicht mehr ankommt. Oder anders gesagt: Die Golf-Gegner sind so zahlreich, dass man ruhig auch den Mini Clubman dazuzählen kann.Dabei haben nicht wir uns das ausgedacht. Mit seinen deutlich gestiegenen Abmessungen und dem besseren Raumangebot sei der Mini Clubman nun bereit zur Eroberung des Premium-Kompaktsegments, vermeldet etwa der Pressetext zum neuen Mini. Also her mit dem GTI. Der Clubman Cooper S ist nur eineinhalb Zentimeter kürzer als ein handelsüblicher VW Golf, mit dem neuen BMW-Vierzylinder-Turbo wuchtet er 192PS auf die Vorderräder, und der Grundpreis bleibt mit 27.500 Euro südlich der 30.000er-Marke. Dazu passt ein Golf besonders gut: der GTI, 220PS stark und als Viertürer 30.125 Euro teuer.

Agiler Mini, schneller Golf
Agiles Handling zählt ja zu den Basistugenden eines jeden Mini, der Clubman sollte da keine Ausnahme sein. Er basiert, wie die zwei- und viertürigen Versionen, auf der neuen BMW-Frontantriebsplattform, teilt sich diese mit BMWs Zweier-Tourern und dem neuen X1. Von daher sind also keine unangenehmen Überraschungen zu erwarten. So lenkt der Mini Clubman denn auch sehr willig ein, reagiert zackig auf Lenkbefehle und bleibt bei schneller Kurvenfahrt lange neutral, bevor er zum Lastwechselschwänzeln neigt. Das passt also. Doch es passt nur so lange, bis du in den Golf GTI umgestiegen bist. So geht's also auch, denkst du, während du den GTI durch Kurven zirkelst. Die Lenkung spricht harmonisch an, die Karosseriebewegungen bleiben gering, die Vorderräder werden mit den 350Nm des Zweiliter-Turbos spielend fertig, auch ohne die Differenzialsperre des zehn PS stärkeren Performance-GTI. Der Testwagen ist mit dem optionalen DCC-Fahrwerk (1.035 Euro) ausgerüstet, die Normalstellung funktioniert bei zügiger Landstraßenfahrt am besten. Also noch mal in den Mini Clubman. Der kommt mit der Dynamischen Dämpfer Control und dem Driving-Mode-Paket (zusammen 780 Euro), die Fahrmodi werden mittels Drehring am Schalthebel angewählt. Der sportlichste davon verspricht wörtlich im Display Gokart-Feeling.Neben dem Ansprechverhalten von Lenkung und Gaspedal animiert der Gokart-Modus zudem die Ambiente-Beleuchtung zu lustigen Farbenspielen im LED-Ring um das mittlere Großinstrument. Nun ja, kann man mögen. Abgesehen von den unerbetenen Lichtspielen im Interieur verschärft er das Handling, vom Gokart Ähnlichen bleibt der Mini Clubman dennoch weiter entfernt als der GTI. Und im Übrigen auch als sein kürzerer Vorgänger auf der alten Plattform.

Golf GTI als Sechsgang-Schalter
Dass der Unterschied zum Golf nicht nur ein gefühlter ist, zeigt ein Blick auf die Zeitmesssysteme der Tester: Sowohl beim Slalom als auch beim Ausweichtest bleibt der Mini Clubman deutlich langsamer als der Golf, und das liegt nicht nur an den 28 Minus-PS.Womit wir bei den Antrieben wären. Der GTI-Motor ist ein ziemlicher Musterknabe, drehfreudig, leistungsbereit und kultiviert, keine wirklich neue Erkenntnis. Überraschender dagegen die eher blasse Vorstellung, die das Mini-Triebwerk hier gibt. Ja, der Zweiliter-Turbo kann alles, ohne in irgendeiner Disziplin zu brillieren. Im Falle des Testwagens arbeitet er mit der neuen Achtstufen-Steptronic zusammen, eine gelungene Kooperation. Der Wandlerautomat arbeit aufmerksam, wechselt Gänge fix und passend, nur das manchmal zu hektische Zurückschalten beim Gasgeben trübt die Harmonie.

Der GTI: Die gute alte Zeit
Der Golf GTI war zum Testzeitpunkt nur mit Schaltgetriebe verfügbar, das DSG hätte den Grundpreis um 1.950 Euro erhöht, ohne dem VW entscheidend zu helfen. Denn die manuelle Sechsgangbox passt hervorragend zu diesem Auto, lässt sich leicht und exakt auf kurzen Wegen schalten. Und sie erinnert uns ein wenig daran, wie es früher war, als Sitze im Karomuster noch als sportlich galten und das zwischengasintensive Betätigen eines Getriebes mit Sperrsynchronisation als besonderer Beleg feiner Autofahrkunst galt.Doch eigentlich wollten Sie ja noch etwas zum BMW-Motor im Mini Clubman lesen. Man kann ihm wirklich nichts vorwerfen, er steht so gut im Futter, dass er trotz seines Leistungsmankos den rund 50 Kilogramm schwereren Clubman gut beschleunigt, sodass dieser mit dem GTI einigermaßen mithält. Und er ist sparsam, verbraucht auf 100 Kilometer 0,3 Liter weniger als der VW-Motor. Was ihm fehlt, ist das Begeisterungspotenzial. Das ist freilich nur ein Gefühl, das in der Punktewertung am Ende des Tests keinerlei Niederschlag findet.Dort kommen unter anderem die Komfortqualitäten des Mini Clubman zum Tragen. Und das ist diesmal gar nicht ironisch gemeint. Zwar kann auch der Neue eine gewisse Grundhoppeligkeit nicht verleugnen, doch gerade bei größeren Wellen und stärkeren Anregungen zeigt er sich sogar leicht nachgiebiger als der in dieser Hinsicht etwas enttäuschende Golf. Dessen Adaptivfahrwerk spricht auf den alltäglichen Fugen und Holpereien etwas verbindlicher an. Den wahren Komfort-Vorsprung erzielt er jedoch mit den besseren Sitzen. Die sind größer, bequemer gepolstert und bieten mehr Seitenhalt als die etwas klein geratenen Sessel im Mini Clubman. Das gilt auch für die hinteren Sitzgelegenheiten. Dort geht es im Clubman übrigens kaum enger zu als im Golf, eine kleine Überraschung.

Gutes Raumangebot im Mini Clubman
Ebenso bemerkenswert, dass das Raumangebot insgesamt im Mini Clubman kaum schlechter ist, bei der Laderaumgröße gibt es keine relevanten Unterschiede. Hier zeigt sich der Golf alltagstauglicher, weil sein Abteil günstiger geformt ist und die Öffnung großzügiger aufklappt.Ach ja, klappen, da war was: Der Clubman rettet mit den beiden Hecktüren zumindest ein charakteristisches Detail von der einen Plattform zur nächsten. Die Türen sind sehr unpraktisch, versperren die Sicht nach hinten, benötigen beim Öffnen viel Platz und reduzieren die Ladeluke auf ein ziemlich unpraktisches Maß. Die Türen flapsen übrigens gasdruckfederbelastet selbsttätig auf, wollen dann mit kräftiger Hand zurück ins Schloss gedrückt werden.Unpraktische Details hat der Mini Clubman noch ein paar andere, doch dass die Bedienung zum Teil von der konzerntypischen Klarheit abweicht, hat die Kunden noch nie gestört, das wird wohl auch beim neuen Clubman so bleiben. Ebenso wenig wie das einfache Head-up-Display auf grauem Glas - der Aufpreis von 600 Euro gehört zu denjenigen Posten in der Optionsliste, die man sich sparen kann.Ausstattungsbereinigt ist der Mini Clubman sogar etwas teurer als der Golf, auch das ist kein Kriterium bei einem Lifestyle- Auto. Doch es führt ebenfalls dazu, dass dieser Test so endet wie viele andere auch: Der Nikolaus ist kein Osterhase, am Ende liegt immer der Golf vorn. Und das ist jetzt nicht von F. Scott Fitzgerald, sondern von Uli Hoeneß, der statt "Golf" allerdings "FC Bayern" sagte.
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Testwertung
4.0 von 5

Quelle: auto-motor-und-sport, 2015-11-24

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