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Testbericht

22. September 2015
An dieser Stelle begrüßen wir diejenigen sehr herzlich, die unter www.bundespraesident.de den Antrag auf die Ehrenpatenschaft des Präsidenten heruntergeladen haben. Das können laut letzter Volkszählung nur 10.000 reichlich beschäftigte Mütter oder Väter von sieben Kindern. Für die wäre die V-Klasse mit maximal acht Sitzgelegenheiten schon aus dem Rennen, der Vivaro mit neun serienmäßigen Plätzen Sieger. Aber es gibt noch 352.000 Familien mit vier bis sechs Kindern. Und auch mit drei Kindern – glauben Sie einem, der es weiß – ist ein Groß-Van die entspannteste Möglichkeit, herumzufahren. Gerade zur Urlaubszeit, wenn Packen nicht bedeutet, auszusuchen, was mitmuss. Sondern darin, das Wenige, was dableiben kann, aus dem Gesamthaushalt herauszusortieren.

Mercedes V 220 d verschenkt Raum durch den Heckantrieb
Vor der Begehung der Ladehallen erwähnen wir, dass der Mercedes den Motor längs unter der Haube trägt und die Hinterräder antreibt. Das erklärt, warum er trotz 14 Zentimeter mehr Außenlänge drinnen nicht mehr Platz bietet als der Vivaro mit Quermotor und Frontantrieb. Die V-Klasse ist zudem zehn Zentimeter länger als in der letzten Modellgeneration, braucht aber den ganzen Zuwachs an der Front für den Fußgängerschutz auf. Der Vivaro legte beim letzten Modellwechsel um 21,7 Zentimeter zu, wovon ebenfalls zehn Zentimeter für den Crashschutz draufgehen. Mit dem Rest steigert er hingegen den Standardladeraum auf 1.000 Liter (V-Klasse 1.030) und schafft mehr Knieraum in der dritten Reihe. Ja, das mit den Reihen nimmt der Opel sehr genau, mag sich da nicht in die Raumaufteilung reinvariieren lassen. So kann die dritte Bank nur umgeklappt, hochgestellt oder herausgewuchtet werden. Reihe zwei klappt nicht, kann nur seitlich rausgeschoben werden. Wobei das einschränkender klingt, als es ist. Denn Platz ist eh immer genug da, für alles. Und so richtig oft schiebt man im Alltag auch das hoch mobile Mobiliar im Fond der V-Klasse nicht herum. Hier gleiten Sitze und Dreierbank auf Schienen, lassen sich stufenlos arretieren. Die 19 Kilo schweren Einzelsitze gruppieren sich zudem zu einem kleinen Kaffeekränzchen um, stehen dann entgegen der Fahrrichtung. Aber liebe Mitväter, wir ahnen doch, was dann passiert: Einem Kind wird so schlecht oder alle drei/vier/fünf Kinder streiten sich, welche zwei zuerst rückwärts fahren dürfen, bis ihnen schlecht wird. Passt also schon im Vivaro. Wichtiger im Alltag ist die Schiebetür (bei beiden kostet die an sich unnötige linke Schiebetür Aufpreis), die Isofix-Anker (im Vivaro gibt es nur zwei, im Mercedes hat jeder Rücksitz einen) oder, dass man die Kinder im Auto anzuschnallen und dann nach vorn ins Cockpit durchsteigen kann. Das geht beim Vivaro nur, wenn er für 202 Euro extra als Achtsitzer bestellt wird.

Opel Vivaro mit sehr spartanischer Serienausstattung
Überhaupt kostet eigentlich alles im Vivaro extra, selbst der Beifahrer-Airbag. Wir müssen nicht mal mit der Klimaanlage anfangen, die Aufpreis kostet, das gilt schon für Ausstellfenster, Heckwischer, Heckscheibenheizung und die Gepäckraumabdeckung. Für ein Familienauto inakzeptabel: Es gibt keine durchgehenden Windowbags, keine Assistenzsysteme, kein Xenon-/LED-Licht oder Seitenwindassistenten wie im Mercedes. So relativiert sich der Preisvorteil des Vivaro. Ihn nur annähernd auf das Grundausstattungsniveau des V 220 d zu bringen, kostet rund 7.500 Euro, und dann fehlen noch Automatikgetriebe, Parklenkfunktion und die schon serienmäßig recht umfassende Assistenzarmada.Zudem bremst die V-Klasse besser und kurvt sicherer. Zwar regelt auch beim Mercedes das ESP im Grenzbereich früh und so hart, dass sich der Van mitunter nur noch schwer lenken lässt. Doch das ESP im Opel regelt noch früher und noch härter. Voran geht es im Vivaro dann umso vehementer. Die Fahrleistungen spiegeln es nicht ganz wider, aber sein 145PS starker 1,6-Liter-Biturbodiesel legt energischer, homogener los als der nagelige 2,1-Liter-Biturbo mit 163PS im Mercedes.

Müder Mercedes-Diesel in der V-Klasse
Der wirkt schon beim Anfahren so ermattet, dass ihn die auch nicht gerade von Übereifer ergriffene Siebenstufenautomatik über die Anfahrschwäche hinüberwandlern muss. Danach rumort der Diesel unter dem Bug mal herber, mal sachter – je nach dem, wie intensiv er sich bemüht, eilig voranzukommen. Vor allem mit Zuladung gelingt das aber nie so locker und sparsam wie im 348 Kilo leichteren Opel.Weil beide zum Thema Handling ohnehin wenig Erhebendes beizutragen haben – der Mercedes kurvt etwas neutraler und mit mehr Rückmeldung in der Lenkung, der Vivaro stampft in schnellen Kurven mit der Vorderachse –, gehen wir lieber darauf ein, dass die V-Klasse auch wegen ihrer zweistufigen Dämpfer komfortabler federt. Allerdings wird von den Passagieren in Reihe drei bei langen Wellen eine gewisse Seefestigkeit erwartet. Der straffer abgestimmte Vivaro überhoppelt Unebenheiten leer, die 796 Kilo Zuladung steckt seine Federung aber souveräner weg. Souverän holt sich der Mercedes am Ende den Sieg. Er ist das bessere, der Opel dagegen das deutlich erreichbarere Auto für Familien, über die man sagen kann: An ihren Paten sollt ihr sie erkennen.
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Testwertung
3.0 von 5

Quelle: auto-motor-und-sport, 2015-09-22

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