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Testbericht

25. August 2016
Zu einer ordentlichen Teststrecke gehören Kurven, natürlich holperige Wegstrecken, ein Autobahnabschnitt kann dabei sein, manchmal auch Stadtverkehr. Was jedoch immer dazugehört, obwohl man kaum darüber spricht, ist ein ordentliches kulinarisches Angebot. So mag es also mehr als nur eine wundersame Fügung sein, dass jene Teststrecke, auf der die Versuchsfahrer der Daimler Benz AG in den 70er- und 80er-Jahren ihre Fahrzeuge im Straßenverkehr erprobten, rund um das Wald- und Schlosshotel Friedrichsruhe im Hohenlohischen führt.

Mercedes S 500 Cabrio zum Verwöhnen und Genießen
Auch heute stehen viele Limousinen mit Stuttgarter und Ingolstädter Kennzeichen auf dem Parkplatz, die beiden Cabrios der Baureihen W 111 (1970) und W 217 (2016) pirschen vorbei, nur ein kurzer Fotostopp, dann geht es weiter. Die Junisonne taucht die Wald-, Feld- und Wiesenlandschaft in warmes Sommerlicht. Im Sessel des S 500 lässt es sich dennoch gut aushalten, kühle Luft fächelt aus dem Leder, die Klimaanlage erkennt selbsttätig das geöffnete Dach, aus dem Burmester-Surround-System perlt Easy-Listening-Jazz, und unter der Motorhaube schweigt ein 455 PS starker Turbo-V8, weil er per Start-Stopp-System stillgelegt ist. Das Versenken des Verdecks ist eine Handreichung, die außer dem Öffnen der Abdeckung in der Mittelkonsole und dem Betätigen des entsprechenden Knopfes weder besondere Mühe noch Fertigkeit erfordert. Das Dach summt elektrohydraulisch nach hinten, die Abdeckung klackt zu, fertig. Beim 280 SE 3.5 der Baureihe W 111 ist das ungleich schwieriger. Dort müssen die Kniehebel aus dem Handschuhfach gefischt, die Arretierungen am Scheibenrahmen rausgedrückt werden, anschließend muss der Fahrer aussteigen, das Dach hochheben, zusammenklappen, aufpassen, dass die Kunststoff-Heckscheibe nicht knickt und zuletzt die Persenning mit schätzungsweise 56 Druckknöpfen draufmontieren.

Mercedes 280 SE 3.5 – viel Komfort und viel Wert
So steigt der Autor vom neuen ins alte Cabrio um, denn zu einer richtigen Testfahrt gehört ebenso wie gutes Essen auch häufiger Fahrzeugwechsel. Anders als etwa bei einer Weinprobe ist ein Zwischendurch-Auto zum Neutralisieren dabei nicht nötig. Der 280 SE bietet den Sensoren auch so mehr als genug zum Fühlen, Spüren, Riechen. Zum Glück fehlt in den Unterlagen, die das Mercedes Museum zur Testfahrt mitliefert, die Wertangabe: So um die 350.000 Euro kostet ein gutes W 111 Cabrio mit dem 3,5-Liter-V8 in gutem Zustand.Da kann einem beim Testfahren schon ein wenig die Unbekümmertheit ausgehen. Der V8 hat bereits eine elektronische Saugrohreinspritzung, 200 PS stehen auf dem Datenblatt, nicht eben viel für den Hubraum, Viergangautomatik und eine Behr-Klimaanlage, in derem Bedienteil vermutlich mehr echtes Holz verarbeitet ist als in jedem aktuellen Mercedes. Darüber steckt ein Becker-Radio, das sogar heutige UKW-Sender spielt, und zwar jeden beliebigen, solange er SWR 2 heißt. Wir fahren die Teststrecke gegen den Uhrzeigersinn, von Friedrichsruhe in Richtung Zweiflingen. Links führt ein viel älterer Verbindungsweg nach Norden, der obergermanische Limes. Später überqueren wir die Grenze nach Germania Superior. Wenn man genau hinschaute, wäre die 2.000 Jahre alte Schneise im hohenlohischen Wald zu sehen. Dafür haben wir keine Zeit, alle Konzentration gilt dem alten Mercedes.Der schaukelt über einige Landstraßen-Holpereien, die dicken 70er-Reifen bügeln kleine Unebenheiten weg. Da muss das S 500 Cabrio schon viel größeren Aufwand betreiben, um besseren Fahrkomfort zu erreichen. Die serienmäßige Airmatic-Federung müht sich, Unebenheiten von den Insassen fernzuhalten, ganz gelingt es ihnen nicht, da die 20-Zöller doch leicht holzig im Abgang sind.

Kein Charme-Paket im Angebot
Wie viele Jahre seit 1970 vergangen sind, zeigt sich ebenso in der zielsicheren, direkteren Lenkung des neuen Mercedes, dem aberwitzig hohen Grenzbereich, dem überlegenen Wind- und Wetterschutz samt Airscarf-Föhn und elektrischem Windschott. Gar nicht zu reden von den Informations- und Assistenzsystemen des Neuen, die den W 111 erst so richtig gestrig erscheinen lassen. Allein der subtile Charme des alten Benz, da müssen Sie jetzt stark sein, fehlt dem neuen etwas. Zu den 139.000 Euro kommen Extras für weitere 30.000 hinzu, vielleicht fehlt ein Charme-Paket in der Optionsliste. Bei Öhringen erreichen wir die Autobahn, es sind knapp 70 Kilometer zurück nach Stuttgart. Den kulinarischen Stopp verlegen wir zum Burger King kurz vor der Auffahrt. Den gab es damals nicht, als die Testfahrer mit den neuen Heckflossen hier vorbeirauschten. Auf der A 6 stauen sich die Lastwagen, der Sommerwind weht in den 111er. Am 217er fahren Scheiben und Dach in Stellung. Vielleicht nehme ich doch den S 500 für die Rückfahrt.
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Testwertung
4.5 von 5

Quelle: auto-motor-und-sport, 2016-08-25

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