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Testbericht

31. Januar 2016
Ein Volvo altert nicht, er wird einfach zum Klassiker. Das war schon bei 444/544 und Amazon so, erst recht beim 240, der es auf eine Laufzeit von 19 Jahren brachte. Und selbst der kürzlich abgelöste XC90 blieb immerhin zwölf Jahre im Programm. Bei ähnlicher Halbwertszeit hätte der 2008 gestartete Volvo XC60 also gerade seinen Zenit überschritten und noch fünf Jahre in Produktion vor sich - nicht zu vergessen eine überdurchschnittliche Lebenserwartung von 19 Jahren und gut 300.000 Kilometern.Vergleichbar Solides aus deutschen Landen trägt meist einen Stern an der Front, muss aber in der Regel bereits nach sieben Jahren einem Nachfolger weichen. So wie der kantige GLK, der soeben vom rundlichen GLC abgelöst wurde und sich nicht nur optisch als Ableger der C-Klasse zu erkennen gibt. Denn auch die Technik stammt weitgehend von der Mittelklasse-Baureihe, wobei der Mercedes GLC 250 d 4Matic mit seinem kompetenten Offroad-Paket inklusive Bergabfahrhilfe, fünf Gelände-Fahrprogrammen und Unterfahrschutz (702 Euro) durchaus für höhere Aufgaben taugt - falls es seinen Fahrer doch mal auf Abwege jenseits asphaltierter Pisten zieht.Apropos ziehen: Als Zugwagen hat der Mercedes GLC 250 d 4Matic in dieser Runde die besseren Karten, weil er 500 Kilo schwerere Anhänger als der Volvo XC60 D5 (2.000 kg) ins Schlepptau nehmen darf und diese für 1.000 Euro extra mit einem elektrisch schwenkbaren Kugelkopf samt elektronischer Stabilisierung verkuppelt. Praktischerweise sollte man gleich noch die adaptive Luftfederung Air Body Control (2.261 Euro) einschließlich Niveau-Ausgleich bestellen, mit der sich der Wagen im Gelände anheben und das Heck zum leichteren Beladen per Knopfdruck absenken lässt.

Vier- gegen Fünfzylinder
Dabei hält der Mercedes GLC 250 d 4Matic sich akustisch so zurück, dass man ihn unterwegs kaum noch als Selbstzünder wahrnimmt, während das kernige Fünfzylinder-Grummeln im Volvo XC60 D5 auf eine durchaus sympathische Weise stets präsent bleibt. Allerdings dauert es hier etwas länger, bis der Ladedruck aufgebaut und der passende Gang eingelegt ist, und die Schaltvorgänge sind deutlich stärker spürbar. Noch mehr zeigen jedoch Temperament und Verbrauch, dass dieser Antrieb seine besten Zeiten hinter sich hat.Denn trotz größeren Hubraums, 16 PS Mehrleistung und 68 kg weniger Leergewicht wirkt der Volvo XC60 D5 nicht so kräftig wie der mit wuchtigen 500 Nm aufspielende Mercedes GLC 250 d 4Matic, erreicht weder in der Antrittsbeschleunigung noch bei der Höchstgeschwindigkeit die Werte des GLC. Keine große Sache, schon wahr, aber das Bessere ist nun mal des Guten Feind, und das gilt besonders beim Thema Effizienz. Im Klartext: Unter allen Bedingungen schluckt der Volvo XC60 D5 mehr Sprit, im Testmittel beträgt der Zuschlag immerhin 0,8 l/100 km.

Luftpolster vs. Adaptivdämpfer
Beim Federungskomfort ist der Mercedes GLC 250 d 4Matic ohnehin eine Klasse für sich, was er bereits im Vergleich mit Audi Q5 und BMW X3 unter Beweis gestellt hat. Speziell mit den optionalen Luftpolstern absorbiert er hohe Zuladung und gröbere Verwerfungen viel entspannter als der mit Adaptivdämpfern (1.250 Euro) ausgerüstete Volvo XC60 D5, der seinen Insassen bisweilen selbst im Comfort-Modus herbe Stöße zumutet. Wem auch die wiegende Sanftmut des Mercedes auf den Magen schlägt, der kann in das straffer abgestimmte Sportprogramm wechseln. Zum Sportler wird der Mercedes GLC 250 d 4Matic dadurch jedoch nicht, zumal die bequemen, gut integrierenden Vordersitze, das hochwertige Interieur und der Wählhebel am Lenkrad den komfortbetonten Charakter des GLC unterstreichen. Reichlich Platz gibt es obendrein, weil beim Modellwechsel neben der Länge auch der Radstand um zwölf Zentimeter wuchs. Wie beim Rivalen lässt sich der Kofferraum dank der dreiteilig vorklappbaren Rücksitzlehne flexibel erweitern, wobei ein ebener Ladeboden entsteht. Neben der Fernentriegelung vom Heck aus bietet der Mercedes GLC 250 d 4Matic übrigens bis zu 145 Liter mehr Volumen und ein gutes Raumgefühl, weil man für einen SUV relativ niedrig sitzt. Tastenflut contra ControllerSo fehlen dem Schweden neben Knie- und Seitenairbags hinten auch ein Aufmerksamkeitswarner sowie ein Head-up-Display, und die Bremsen verzögern nicht so vehement wie die des Konkurrenten. Im Gegenzug beeindruckt die Opulenz des Inscription-Pakets, das von der Einparkhilfe mit Rückfahrkamera über das Panorama-Schiebedach bis hin zu elektrisch verstell- und heizbaren Komfortsitzen mit Softlederbezügen viele Annehmlichkeiten beinhaltet, die beim Mercedes GLC 250 d 4Matic extra hinzugekauft werden müssen. Allerdings verteuert es den Volvo XC60 D5 gleich um 10.040 Euro, sodass die Kostenbilanz am Ende recht ausgewogen ausfällt.Im Ganzen gesehen leistet sich der Volvo XC60 D5 jedoch zu viele Schwächen, um dem sehr harmonischen Mercedes ernsthaft Paroli bieten zu können. Während die Unterschiede bei Komfort und Fahreigenschaften noch im Rahmen liegen, der knurrige Fünfzylinder vielleicht sogar als Charakterdarsteller durchgeht, sind die Defizite speziell in der Paradedisziplin Sicherheit ernüchternd. Im Vergleich zum eine Generation jüngeren Mercedes GLC 250 d 4Matic zeigt sich eben, dass selbst ein Volvo altert, bevor er zum Klassiker wird.
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Testwertung
4.0 von 5

Quelle: auto-motor-und-sport, 2016-01-31

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