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Testbericht

1. Mai 2014
Zum Glück ist es ja nicht immer so, dass das Leben die Zuspätkommenden bestraft. Vielleicht halten Nachzügler es ja nur mit dem Philosophen Schopenhauer, der meinte, eine Sache brauche je mehr Zeit zur Reife, desto edler und vollkommener sie sei. Dass er in seiner verschrobenen Art damit nicht an Autos, sondern an das Verhältnis von Männern und Frauen dachte, braucht uns hier nicht zu kümmern. Denn oft ist es ja so, dass der Spätere die Fehler der Frühstarter erkennen und vermeiden kann. Der Mercedes GLA jedenfalls kommt erst fünf Jahre nach dem BMW X1, vier Jahre nach dem Mini Countryman und drei Jahre nach dem Audi Q3 auf den Markt, vielleicht weil die MFA-Plattform (Modulare Frontantriebs-Architektur) besonders viel Zeit benötigte, um zum SUV zu reifen. Und vielleicht, um einiges besser zu machen als die Wettbewerber. Nun ist er also da, der Kompakt-SUV mit Stern, und muss sich der Premium-Konkurrenz stellen. In diesem Vergleichstest tritt er als Mercedes GLA 200 mit 156PS, Frontantrieb und Schaltgetriebe an. Der Audi Q3 hat als 1.4 TFSI 150PS und ebenfalls nur Frontantrieb. Mit 184PS kommt der hinterradgetriebene BMW X1 20i zum Test, für seine Mehrleistung werden ein höherer Preis und deutliche Punktverluste im Kostenkapitel fällig. Doch dazu später mehr. Ebenfalls 184PS hat der Countryman, bei dem allein die Vorderräder für Vortrieb sorgen. Zudem ist der Mini mit Abstand der günstigste SUV in diesem Vergleichsfeld.

Mercedes GLA 200 ist ein sehr agiles Auto Die Marke ist ja unter anderem dafür bekannt, dass sie für ihre Produkte eher unbescheidene Preise aufruft. Doch ganz so schlimm wie befürchtet ist es beim GLA nicht. Mit dem 156PS starken Turbobenziner kostet der Mercedes GLA knapp unter 30.000 Euro. Sehr knapp allerdings, denn mit der am Testwagen montierten 18-Zoll-Bereifung liegt er schon deutlich darüber. Es soll auch nicht verschwiegen werden, dass der Gesamtpreis mit einigen Feinheiten wie Comand-Navigation, dem Abstandsregel-Tempomaten Distronic oder dem Exklusiv-Paket samt beheizbarer Sportsitze sehr stramm Richtung 40.000 Euro marschiert. Und da sind Allradantrieb sowie Doppelkupplungsgetriebe noch außen vor, denn die 4Matic gibt es bei den Benzinern erst für den Mercedes GLA 250 (211PS). Was bietet er nun für das viele Geld? Nun, wer die A-Klasse kennt und schätzt, wird beim Mercedes GLA keine großen Überraschungen erleben. Wie sein kompakter Plattform-Bruder ist der kleine SUV ein sehr agiles, direktes Auto, bei dessen Fahrwerksabstimmung der Federungskomfort offenbar nicht höchste Priorität hatte. So holpert er etwas über Unebenheiten, bei beladenem Auto sprechen die Federelemente dann besser an. Überhaupt ist der Komfort nicht so die Stärke des Mercedes GLA. Die Sitze sind nur mäßig bequem, hinten beeinträchtigen das niedrige Dach und die kleinen Türen das Wohlbefinden. Seine Stärken liegen woanders – etwa im sehr neutralen, agilen Fahrwerk, das ihn auf dem Testgelände sehr schnell um die Pylonen huschen lässt. Doch der gute Eindruck bestätigt sich im wahren Leben nicht uneingeschränkt.

Mercedes GLA mit nervöser Lenkung Dafür vermittelt die sehr zackig ansprechende, fast schon nervöse Lenkung des Mercedes GLA zu wenig Rückmeldung. "Du biegst wie auf Schienen ab, und mitten in der Kurve lässt er dich etwas im Regen stehen", bringt es ein Tester-Kollege auf den Punkt. Was jedoch nichts am grundsätzlich sehr sicheren, unerschütterlichen Fahrverhalten ändert. Ein aufmerksames, feinfühliges ESP, sehr gut dosierbare, standfeste Bremsen und die beste Sicherheitsausstattung im Vergleich unterstreichen den Anspruch der Marke, sehr sichere Autos zu bauen. Zu den positiven Seiten des Mercedes GLA zählt auch der kultivierte, leise und sehr sparsame Antrieb. Wobei hier anzumerken ist, dass Motor und Getriebe nicht immer harmonisch zusammenarbeiten. Der kleine Turbo hat eine ausgeprägte Drehmomentschwäche im unteren Drehzahlbereich, was ihn mitunter fahrschulhaft loshoppeln lässt. Und das Getriebe ist viel zu lang übersetzt, die Schaltung zudem etwas unpräzise. Dass es in diesem ersten Vergleichstest nicht ganz zum Sieg gereicht hat, liegt jedoch vor allem am Q3.

Audi Q3 1.4 TFSI leistet sich kaum Schwächen Der Audi, seit Ende 2011 auf dem Markt, überzeugt in diesem Test mit seiner Ausgewogenheit. Er leistet sich in kaum einer Disziplin eine richtige Schwäche, hat zudem ausgesprochene Stärken – wie den ausgewogenen Federungskomfort, den kein Konkurrent in diesem Vergleich so hinkriegt. Auch in Sachen Raumangebot und Verarbeitungsqualität liegt der Audi mit an der Spitze. Trotz seiner recht kompakten Maße bietet er mehr Platz für Insassen und Ladegut als der längere, aber deutlich flachere Mercedes. Der Gepäckraum ist üppiger, die Passagiere vorn wie hinten genießen ein großzügigeres Raumgefühl und können zudem auf bequemerem Mobiliar sitzen. In dieser Disziplin kommt ihm bei unserem Test nur der BMW X1 nahe. Der Audi sammelt auch deshalb so viele Punkte, weil sein kleiner Vierzylinder-Direkteinspritzer ein sehr gelungenes Triebwerk ist. Es leistet 150PS, fühlt sich beim Fahren jedoch deutlich kräftiger an. Zwar geht es nicht ganz so gut vorwärts wie die 34PS stärkeren Motoren in BMW und Mini, doch hängt es deutlich besser am Gas als der etwas müde Mercedes-Antrieb. Zudem ist der TFSI-Motor sehr laufruhig, leise und sparsam – und darüber hinaus mit einem passend gestuften, gut schaltbaren Sechsganggetriebe verbunden. Wer nicht selbst schalten mag, erhält den Q3 für 1.950 Euro Aufpreis mit Sechsgang-S-Tronic (Doppelkupplungsgetriebe). Nur den Allradantrieb gibt es in dieser Leistungsstufe nicht, der ist nur mit dem 2.0 TFSI und dem Diesel verfügbar. Als Quattro hat der Q3 170PS und kostet mindestens 32.150 Euro. Doch unter uns gesagt: Vermisst haben wir den Allradantrieb im harmonischen, ausgewogenen Audi nicht.

BMW X1 sDrive 20i bietet das beste Raumangebot Auch im BMW fehlt er nicht wirklich. xDrive 20i hieße er mit diesem Extra und kostete genau 34.000 Euro. Dabei ist der X1 ohnehin das teuerste Auto im Vergleich. Was aber nicht an uns liegt, sondern an BMW. Denn zum Test-Zeitpunkt war der X1 nur als 20i mit 184 statt wie gewünscht als 18i mit 150PS verfügbar. Das bringt dem heckgetriebenen Kompakt-SUV zwar ein paar Zähler bei den Fahrleistungen und im Handling, kostet ihn jedoch auch einige, etwa beim Verbrauch und im Kostenkapitel. Doch von Anfang an: Erneut überführt BMW all jene der maßlosen Übertreibung, die meinen, Autos mit Hinterradantrieb seien schon aus Gründen der Raumökonomie abzulehnen. Es kommt wie immer darauf an, was man daraus macht. Der X1 ist nur wenige Zentimeter länger und höher als der Mercedes GLA, in Sachen Raumangebot spielt er jedoch gefühlt in einer anderen Liga. Die Insassen sitzen luftig im hellen, großzügig verglasten Innenraum und haben zudem mehr als ausreichend Platz für Gepäck übrig. Die paar Zentimeter, die der längs eingebaute Motor kostet, holt der BMW durch intelligente Raumausnutzung und kastiges Design locker wieder rein. Zudem fühlen sich die Insassen ausgesprochen wohl. Was auch an den bequemen Sportsitzen vorn (490 Euro), aber hauptsächlich am recht komfortablen Fahrwerk liegt. Mit hoher Zuladung verliert es jedoch etwas an Geschmeidigkeit, geht sogar bei derben Wellen auf Block. Überhaupt fährt sich der BMW am ehesten wie ein großer SUV: Der hohe Aufbau schaukelt etwas in Kurven, größere Unebenheiten quittiert er mit deutlichen Karosseriebewegungen. Dennoch ist er mustergültig fahrsicher und bleibt stets gut beherrschbar.

X1 verbraucht genau einen Liter mehr als der GLA Gegenüber dem Q3 büßt der X1 auch in Sachen Verarbeitungsqualität den einen oder anderen Punkt ein. Die Kunststoffe wirken etwas billiger, im Detail nicht ganz so sorgfältig eingepasst. Eine Klasse für sich ist der schon etwas betagte, jüngst geliftete SUV dagegen bei der Bedienung, obwohl er nicht die neueste Evolutionsstufe des iDrive-Menüs aufbietet. Es ist immer noch besser und klarer als das MMI im Q3, das Comand-System im Mercedes GLA und erst recht als der wirre Krieg der Knöpfe im Countryman. Dass der BMW im Test hinter dem Mercedes landet, liegt auch am etwas unentschlossen auftretenden Motor. Der Zweiliter-Turbo ist zwar kräftig, aber weder besonders fein ansprechend und laufruhig noch sonderlich sparsam. Nicht zuletzt wegen des hohen Gewichts verbraucht er mit Abstand am meisten Benzin, im Testmittel genau einen Liter mehr als der schwächere Mercedes GLA – kein Ruhmesblatt für eine Marke, die den Motor im Namen trägt.

Mini Countryman Cooper S - keiner ist flinker Mit ebenfalls 184PS kommt der Countryman zum Test. Bei ihm ist die Sache jedoch klar: Die nächstniedrigere Leistungsstufe (Cooper, 122PS) kommt aus Kosten- und Fairnessgründen nicht in Frage. So fährt der Mini mit seinem kraftvoll pustenden und röhrenden 1,6-Liter-Turbo der Konkurrenz munter um die Ohren, gefühlt und real. Denn auf der Landstraße gibt es keinen SUV, der so flink wie der Countryman durch die Biegungen wedelt, mit nur geringer Seitenneigung und mit den manchmal überforderten Antriebsrädern kräftig am Lenkrad zerrend. Klar, so wird man kein Vergleichstest-Sieger, aber Spaß macht das! Übertriebenen Federungskomfort hat dem Mini-SUV noch keiner vorgeworfen, völlig zu Recht. Denn auf unebener Fahrbahn hoppelt er derart dahin, dass man geneigt ist auszusteigen und nachzuschauen, ob nicht etwa jemand aus Bosheit die Gummi-Federelemente des Ur-Mini von 1959 unters Auto geschraubt hat. Eigentlich müßig, darauf hinzuweisen, denn wer einen Mini will, weiß das und nimmt es in Kauf. Im Gegenzug erhält er neben dem Freude spendenden Fahrverhalten und dem lebhaften Antrieb eine übersichtliche Karosserie und viel Gegenwert fürs Geld. Denn selbst mit optionalem Allradantrieb wäre der Mini immer noch günstiger als die Premium-Konkurrenz. Was ihm dennoch nicht mehr als Platz vier einbringt.
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Quelle: auto-motor-und-sport, 2014-05-01

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