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Testbericht

23. Februar 2013
Wären wir hier ganz pingelig mit den Definitionen, müssten wir feststellen, dass wir mit BMW 520d GT und Mercedes CLS 250 CDI Shooting Brake hier keinen GT gegen keinen Shooting Brake vergleichen. Denn ein GT ist eigentlich ein maximal 2 2-sitziger Sportwagen und ein Shooting Brake ein zweitüriger Kombi (also eher Volvo P 1800 ES, Fiat 130 Maremma oder MGB GT als Polo II Steilheck). Aber die ermüdende Diskussion, wie sich ein Auto nennen darf, hatten wir schon beim normalen CLS - weil der mit vier Türen kein Coupé ist, erscheint es folgerichtig, dass auch der Shooting Brake freizügiger mit Definitionen umgeht. Das hat er mit dem 5er GT gemein. Der startete ursprünglich als RFK - als Raumfunktionales Konzept. Und ja, da wäre selbst "Manfred" ein flotterer Name gewesen, GT sowieso. Viel Komfort und Kofferraum im Mercedes CLS 250 CDI Shooting Brake Lassen wir Namen Schall und Rauch sein und erfreuen uns lieber an zwei einzigartigen Autos, die sich als Lieblingsgegner gefunden haben. Und bei denen die formale Eigensinnigkeit nicht auf Kosten der Alltagstalente geht. So packt sich der Mercedes CLS 250 CDI Shooting Brake hinter seine Klappe stattliche 590 Liter; liegt die geteilte Rücksitzlehne fernentriegelt und federvorgespannt flach, passen sogar 1.550 Liter ins Heck - in beiden Fällen mehr als beim kaum kürzeren Opel Insignia Sports Tourer und nur aus Sicht eines E-Klasse T-Modell-Besitzers etwas knapp. Im BMW lässt sich das Volumen umfassend, wenn auch wegen einer Trennwand zwischen Rücksitzen und Kofferraum recht umständlich von 440 bis 1.700 Liter variieren - ein 5er Touring schafft maximal nicht mehr. Für Raum für Gepäck ist also gesorgt, und dessen Wohlbefinden lässt sich im Fall des Shooting Brake für 4.700 Euro und 50 Cent noch durch die Vertäfelung des Ladeabteils mit ein paar Klafter vom Kirschbaum steigern. Nicht weniger stilvoll beherbergt der Mercedes CLS 250 CDI Shooting Brake seine Passagiere. Den Fond möbliert ein Ledersofa, etwas knapp an Sitzfläche, aber kuschelig und Halt gebend gepolstert. Dank der längeren Dachlinie genügt der Kopfraum für Erwachsene. Pilot & Co. reisen auf den bekannt weitstreckenbequemen Multikontursitzen (619 Euro), tief integriert in den CLS, der in seiner geduckten Karosse - auch wegen des geringeren Raumangebots - mit fein verarbeitetem Holz, Leder und hochflorigem Teppich eine solch heimelige, leicht schummrige Atmosphäre schafft, wie sie sonst nur britischen Limousinen oder Herrenzimmern zu eigen ist. BMW 520d GT verwöhnt Passagiere mit Platzangebot Dagegen wirkt der BMW 5er GT mit seiner hohen Dachlinie und den großen Fensterflächen fast wie ein Papamobil. Und tatsächlich beherbergt er vor allem die Fondpassagiere erheblich ungedrängter als der Mercedes CLS 250 CDI Shooting Brake. Die - auch hier nur ernsthaft für zwei taugliche - Rückbank lässt sich asymmetrisch geteilt längs verschieben, die Lehnenneigung variieren. Mit erheblich mehr Knie- und genügend Kopffreiheit beweist der GT sein Talent zur Chauffeurslimousine. Wobei auch der Fahrer auf optionalen Komfortsitzen (2.260 Euro) hervorragend untergebracht ist für die große Reise, für die sich der GT seinem Namen nach ja besonders befähigt fühlt. Woran er keinen Zweifel lässt. Sanft, ja in der Comfort-Stellung der Adaptivdämpfer fast ein wenig schunkelig abgestimmt (für den BMW 520d GT gibt es optional keinen Wankausgleich), steckt er selbst fiese Unebenheiten sauber weg. Der Wind weht zart um die hohe Karosse, der Zweiliter-Diesel grummelt leise - obwohl er sich heftig anstrengen muss. Trotz eifriger Arbeit des treffsicheren, sacht schaltenden Achtstufenautomaten reicht die Kraft des Vierzylinders im über zwei Tonnen schweren GT nur für milderes Temperament; er fällt in den Fahrleistungen hinter den Mercedes CLS 250 CDI Shooting Brake zurück. Vehemente Dynamik zählt ohnehin nicht zu den Prioritäten des - auch wegen des langen Radstands etwas sperrigen - BMW, der früher untersteuert, gemächlicher um Kurven wie Pylonen biegt. Mercedes CLS 250 CDI Shooting Brake ist fahrdynamisch top Dagegen kurvt der Mercedes CLS 250 CDI Shooting Brake so energisch über verwinkelte Sträßchen, wie man das eigentlich von einem BMW erwartet. Mit seiner weniger zappeligen, dennoch präzisen und rückmeldungsintensiven Lenkung und dem neutraleren Eigenlenkverhalten punktet er bei Handling, Fahrdynamik und -sicherheit gleichermaßen hoch, ohne dabei den Komfort zu vernachlässigen. Zwar spricht seine Luftfederung (hinten Serie, vorn in Verbindung mit Adaptivfahrwerk 1.345 Euro) auf kurze Unebenheiten etwas harsch an, dafür lässt er jedoch das Schunkeln sein. Für die fröhliche Landpartie oder eilige Autobahnreisen mangelt es dem 2,1-Liter-Vierzylinder-Diesel des Mercedes CLS 250 CDI Shooting Brake mit 500Nm nicht an Kraft. Doch für diese anspruchsvolle Klasse wirken seine Manieren etwas unterentwickelt. Obwohl die fein abgestimmte Siebengang-Automatik früh in hohe Gänge schaltet, nagelt der Diesel, als wolle er sich für den Taxischein bewerben. Schon deshalb dürften die 3.867,50 Euro Aufpreis zum V6 im CLS 350 CDI lohnen. Auf die kommt es auch nicht mehr an, denn bereits als 250 CDI ist er stolze 13.000 Euro teurer als der 520d GT. Trotzdem liegt der Mercedes CLS 250 CDI Shooting Brake am Ende eine feine Wenigkeit vorn.
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Testwertung
4.0 von 5

Quelle: auto-motor-und-sport, 2013-02-23

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