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Testbericht

7. November 2014
Nein, dass sie bei Mazda jedem Trend hinterherrennen, kann man nicht behaupten. Nicht nur dass man sich mit den Skyactiv-Saugern weiterhin eisern gegen die Turboaufladung von Benzinern widersetzt. Auch den ganzen Lifestyle-Tamtam mit Lack-Tattoos und Bicolor-Kostümchen schenkt sich der komplett neu entwickelte Mazda 2.Gänzlich entkommen lässt sich dem Zeitgeist dann aber doch nicht. Zumindest nicht auf Dauer. Denn im Gegensatz zum Vorgänger, der den Begriff Kleinwagen noch beim Wort nahm, streckt sich der Neue nun ein ganzes Stück in Richtung Kompakt-Segment. Um stolze 14 Zentimeter wächst er in der Länge, was unterm Strich 4,06 Meter ergibt - etwas mehr als beim VW Polo.

Mazda 2 mit Wachstum – aber nur außen
Obwohl er sein im Klassenvergleich bemerkenswert geringes Leergewicht dabei annähernd halten kann, stellt sich die Frage nach dem Warum. Antwort: Zum einen wegen der gestiegenen Anforderungen an die passive Sicherheit im Bugbereich, zum anderen tatsächlich wegen des Designs. Wie seine Markenkollegen soll der 2er den aktuellen Marken-Look auftragen. Und der braucht – so sagt Mazda – Platz um seine muskulösen Linien auszuleben. Ob man sich für Äußerlichkeiten wirklich verrenken sollte, sei mal dahingestellt. Fest steht jedoch: Es gibt weitaus drögeres Design im Segment.Schade nur, dass sich das Karosseriewachstum im Innen- und Kofferraum nur marginal bemerkbar macht. Durch den um acht Zentimeter verlängerten Radstand entspannt sich zwar die Fahrposition, größere Fondpassagiere drücken ihre Knie jedoch nach wie vor als Lordosenstütze in die Lehnen der Vordersitze.

Mazda 2 optional mit Head-Up-Display und LED-Scheinwerfern
Ansonsten lässt es sich an Bord durchaus aushalten. Sehenswertes Mobiliar, sauber rastende Regler, filigrane Details, ansprechende Materialien, weitreichende Connectivity-Möglichkeiten inklusive Webradio-, Twitter- oder Facebook-Streaming, und eine gute Ergonomie, die auch von der neuerdings axial verstellbaren Lenksäule und den reformierten Sitzen profitiert. Man orientiere sich in Richtung der Premium-Mitbewerber, heißt es. Und auch wenn man deren Standards hier und da noch nicht ganz erreicht: Die eingeschlagene Richtung stimmt.Auch wegen der teils hochklassigen Ausstattungsdetails. Als erster Kleinwagen überhaupt lässt sich der Mazda 2 mit Head-Up-Display, schlüssig zentralisierter Bedienlogik und Voll-LED-Scheinwerfern ausstaffieren. Dazu kommen überzeugend funktionierende Assistenzsysteme wie Totwinkelscanner, Ausparkhilfe und Fernlichtautomatik (Paketpreis 900 Euro), die allerdings ebenso der Topversion vorbehalten sind wie der dort serienmäßige Notbremsassistent. In vier Ausstattungslinien unterteilt sich der Fünftürer insgesamt. Schweinsgaloppieren wir kurz mal durch: Als Basis die schlichte Prime-Fassung mit Klimaoption ab 12.790 Euro; darüber die Center-Line für Minimum 14.960 Euro, die neben der manuellen Klimaanlage auch ein dreispeichiges Lederlenkrad, geteilt klappbare Rücksitze und einen Tempomat mitbringt; dann Exclusive (ab 15.690 Euro) mit Nettigkeiten à la Spurhalteassi und Navi-Option; sowie – einmal Durchatmen, gleich haben wir‘s – die 17.390 Euro teure, ab Werk parkpiepsende und klimaautomatisierte Sportsline. Wermutstropfen: die meisten Aufpreis-Goodies sind strikt an Linien gebunden.

Turbolose Benziner und Sahne-Diesel
Auch das Motorenmenü gestaltet sich recht standardisiert. Das jedoch ist insofern verschmerzbar, da man die beiden Filetstücke fast durch die Bank serviert. Alles in allem stehen drei Benziner und ein Diesel zur Wahl – allesamt Vierzylinder, allesamt 1,5 Liter klein, allesamt mit Start-Stopp. Der 75-PS-Einsteiger empfiehlt sich nur innerstädtisch, sein technisch aufwändigeres Gegenüber dank 115PS, breitem Drehmomentband und kürzerer Gesamtübersetzung vor allem für Eilige, sodass die meisten wohl zur 90-PS-Mitte greifen. Zur goldenen Mitte. Der Vierzylinder stuft sich wie der Basismotor zwar nur in fünf Gänge, übernimmt in Form des hohen Verdichtungsverhältnisses von 14,5:1 aber das Herzstück der Skyactiv-Technologie vom Topmodell. Trotz des überschaubaren Drehmoments von 148 Newtonmetern maximal zieht er die gut tausend Kilo Mazda entschlossen vom Fleck, quirlt danach weitaus energischer hoch als der einstige Fünfzehnhunderter und fällt in den lichteren Drehzahlregionen nicht mehr so sehr ab.Ob man das Fehlen des Turboladers spürt? Auf jeden Fall, vermissen wird man ihn jedoch nicht – zumal sich auch der Normverbrauch mit 4,5 l/100 km durchaus im Dunstkreis der TSIs und TCes bewegt. Dennoch: Highlight der Palette ist der flammneue, aber teure Diesel mit 105PS und 220 Newtonmetern, der in Kraftentfaltung, Laufkultur und Klang fast als Benziner durchgehen könnte. Kein Einknicken beim Anfahren, keine unwirschen Kraftspitzen, kein Geratter, kein Schütteln beim Anlassen. Vorbildlich.

Agil mit jedem Motor
Im Endeffekt spielt die Wahl des Motors aber gar nicht die ganz große Rolle. Einfach weil der Mazda 2 ein extrem wendiges, leichtfüßiges Auto geworden – nein - geblieben ist. Mag ja sein, dass er mit seiner Verbundlenkerhinterachse nicht ganz so samtig in Verwerfungen ditscht wie die anvisierte Premium-Konkurrenz, fahremotional jedoch ist er in seiner Leistungsklasse ganz vorn dabei. Die Lenkung zackt ihn pfiffig ums Eck, das Fahrwerk klammert sich lange am Radius fest, während sich die neuen Schaltgetriebe – ob fünf oder sechs Gänge ist ganz egal – derart cross durch die Gassen hauen lassen, dass man über die neue Sechsstufen-Automatik nicht nachdenken muss. Noch so ein Beispiel, dass Mazda nicht jedem Trend hinterherrennt.
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Quelle: auto-motor-und-sport, 2014-11-07

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