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Testbericht

Wolfgang Gomoll, 1. April 2015
Cadillac und Fords Edelableger Lincoln wollen das Heimat-Feld nicht kampflos vor der Mercedes S-Klasse räumen. Mit dem Lincoln Continental und dem Cadillac CT6 wollen die beiden amerikanischen Autobauer in der Luxusklasse punkten. Wir haben die beiden Luxusliner unter die Lupe genommen.

Luxus und amerikanische Straßenkreuzer, diese Begriffe waren bis in die 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts fast deckungsgleich. Über zwei Tonnen schwere Dickschiffe, wie der Lincoln Towncar beförderten nicht nur den amerikanischen Präsidenten, sondern auch wohlsituierte Amerikaner von A nach B. Doch die Zeiten haben sich gewandelt. Obama fährt mittlerweile ein GM-Modell und der archaische Luxus eines Lincoln Continental, der mit dem ebenso euphemistischen, wie ob der fehlenden Fahrdynamik passenden Zusatz "Town Car" die Spitze der Modellreihe der edlen Ford-Tochter markierte, scheint momentan mehr, wie ein Relikt aus längst vergangenen Zeiten.

Jetzt nimmt Lincoln mit dem Continental einen neuen Anlauf, um verblichenen Ruhm wieder aufzufrischen. Auf der New York Autoshow glänzt eine seriennahe Studie der Luxus-Limousine im Scheinwerferlicht, die schon sehr detailliert zeigt, wie Fords Premiumableger die Kunden wieder in die Verkaufsräume locken will. Bei der Technik bemüht sich Lincoln, auf der Höhe der Zeit zu sein und so Sünden der Vergangenheit nicht noch einmal zu begehen: LED beziehungsweise optionalen LED-Scheinwerfer, ein abdunkelbares Glas-Panoramadach und ein 3.0-Liter-Motor der neuesten EcoBoost-Generation und einige Assistenzsysteme sind Teil des Pakets.

Die Passagiere machen es sich auch im Fond auf Einzelsitzen bequem, die auf 30 Arten angepasst werden können. Äußerlich unterstreicht ein mächtiger Chrom-Kühlergrill und deutlich sichtbare Kanten in der Motorhaube die Alphatier-Präsenz des Lincoln Continental. Die mächtigen 21-Zoll-Räder tun das Übrige und Platz ist dem mehr als Fünf Meter langen Auto mehr als genug. "Beim Luxus geht es nicht darum, auf den Putz zu hauen, sondern um elegante Schlichtheit, die die Erwartungen der Kunden übertrifft", sagt Ford-Chef Mark Fields. Die 30fach elektrisch einstellbaren Sitze erfüllen diesen Anspruch, sind sehr bequem und auch die Materialen fühlen sich gut und hochwertig an. Ob sich aber Alcantara-Sitze im Luxus-Segment durchsetzen werden, darf durchaus mal angezweifelt werden. Auch bei der Technologie angeht, ist die S-Klasse, der BMW 7er und der Audi A8 den Amerikanern voraus. Zumal Audi und BMW bald mit neuen, deutlich leichteren Flaggschiffen auftrumpfen werden.

Cadillac kontert die Ambitionen des einheimischen Konkurrenten mit dem CT6. Einem Luxus-Dampfer, der der S-Klasse, dem BMW 7er und dem Audi A8 den Garaus machen will. Damit sich die Multimedia-Fans im Über-Cadillac auch wohlfühlen hat Bose sein neues Panaray-Soundsystem auf das Auto angepasst und 34 Lautsprecher im Innenraum installiert. Der Sound klingt wahrlich beeindruckend. Damit der Cadillac auch fahrdynamisch mit der deutschen Konkurrenz mithalten kann, hat der Ami deutlich abgespeckt und ist dank einer Mischbauweise aus Aluminium und hochfesten Stählen 90 Kilogramm leichter als bisher. Die Technologie-Offensive ist Teil des Zwölf-Milliarden-Dollar-Investitionsprogramm, das Cadillac unlängst gestartet hat. Demnach sollen in den nächsten fünf Jahren insgesamt acht neue Modelle auf den Markt kommen.

Den Anfang macht der Cadillac CT6. "Der CT6 stellt einen ganz neuen Ansatz im Luxus-Segment dar. Einen, den nur Cadillac anbieten kann", legt der unlängst ernannte Chef der GM-Tochter Johan de Nysschen die Messlatte hoch. De Nysschen weiß, wovon er redet. Schließlich arbeitete der Südafrikaner vorher für Nissans-Premium-Ableger Infiniti und Audi. Die Mühen der Ingenieure haben sich ausgezahlt. Der Cadillac steht auf der neuen Omega-Architektur, die soll steifer und dank Aluminium-Leichtbauweise deutlich sein, als die bisherigen Plattformen. Damit ist der Ami zwar so groß, wie ein BMW 7er, wiegt aber lediglich 1.700 Kilogramm, was auch eine Fahrzeug-Klasse tiefer noch opportun ist.

Unter der Motorhaube wummert der neu entwickelte Dreiliter-V6-Biturbo-Benziner, der zusammen mit der Achtgang-Automatik den Durst des 5,17 Meter langen Dickschiffs mäßigen soll. Das Triebwerk hat 400 PS und ein maximales Drehmoment von 543 Newtonmeter. Ergänzt wird die Motorenpalette von einem 3.6-Liter-Saugmotor (335 PS) und einem Zweiliter-Turbo-Vierzylinder (265PS). Wer mehr Traktion will, als der Hecktriebler anbietet, kann zum Allradantrieb greifen.

Bei der Konnektivität kann GM mit dem OnStar-System mit den deutschen Premium-Konkurrenten mithalten. Bei den Assistenzsystemen ziehen die Amerikaner jetzt langsam nach. Der Cadillac CT6 bietet solche Errungenschaften, wie Surround View, Nachtsicht-Assistent und einen Notbremsassistenten. Doch, um mit der Mercedes S-Klasse mitzuhalten, fehlt noch ein Stück. Entspannende Features, wie den Stauassistenten, der beim Stop-and-Go-Verkehr den Fahrer deutlich entlastet oder das präaktive Fahrwerk der S-Klasse sucht man beim GM-Luxus-Modell vergebens. Das Design des neuen Cadillac CT ist kantig und vorne sorgen die Säbelzahntiger-LED-Leuchten, die senkrecht an den Seiten der Front blitzen. Mit rund 70.000 Dollar kann man im Konzern der Großen mitspielen. Damit ist der CT6 deutlich billiger als eine Mercedes S-Klasse, die nicht unter 94.400 Dollar zu haben ist.
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Quelle: Autoplenum, 2015-04-01

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