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Testbericht

14. Juli 2017
Erst Pride, dann Rio: Die Geschichte der Kleinwagen-Baureihe von Kia ist kaum länger als jene des Euro. Die hervorragendste Eigenschaft des ersten Rio aus dem Jahr 2000 war es, der billigste Neuwagen auf dem US-Markt zu sein. Und nun, drei Generationen später, ist er bereit, es mit den Klassenkonkurrenten aus Europa und Japan aufzunehmen. Schauen wir mal. In diesem Vergleichstest trifft der Kia auf die ebenfalls noch ziemlich frischen Nissan Micra und Suzuki Swift sowie den bestens bekannten Skoda Fabia.Benziner mit 90 bis 100 PS sind in dieser Kategorie fast schon Standard, inzwischen meist als Downsizing-Dreizylinder mit Turbo wie bei Kia und Nissan, doch auch als Vierzylinder mit (Skoda) oder ohne Aufladung (Suzuki). Wobei im Falle des Fabia anzumerken ist, dass er hier mit dem 1.2 TSI antritt. Dieser Antrieb wird im Lauf des Modelljahres durch den Einliter-Dreizylinder mit 95 PS ersetzt (ab 17.530 Euro). Da das neue Triebwerk zum Testzeitpunkt noch nicht verfügbar war, darf hier noch mal der Vierzylinder ran.

Sparsamer Suzuki Swift
Das muss jedoch keineswegs ein Nachteil sein, wie der Swift beweist. Er wird hier sogar von einem Vierzylinder ohne Turboaufladung angetrieben, damit gehört man in Zeiten des Downsizing ja zu den Exoten. Natürlich ist dem 90 PS starken Suzuki-Motor seine scheinbar etwas antiquierte Technik anzumerken. So stemmt er ziemlich müde 120 Nm Drehmoment erst bei 4.400 Umdrehungen auf die Welle, wirkt subjektiv angestrengt und etwas polterig. Doch in Wahrheit zählt ja das, was am Ende rauskommt.Und das sind beim Swift mit dem Dualjet-Vierzylinder akzeptable Fahrleistungen sowie – tata! – der niedrigste Benzinverbrauch im Test. Zugegeben, die Unterschiede sind nicht sonderlich groß, doch 0,4 bis 0,5 Liter im Alltagsbetrieb sind in dieser Klasse durchaus ein Argument. Bei einer jährlichen Fahrleistung von 10.000 Kilometern lassen sich so bei heutigen Treibstoffpreisen um die 70 Euro einsparen. Oder anders gerechnet 117 kg CO2, auch das kann ja wichtig sein.Womit jedoch die Talente des Suzuki beinahe schon vollständig beschrieben wären. Trotz der kompletten Neukonstruktion auf anderer Plattform besitzt der Swift wenig herausragende Eigenschaften. Er ist sehr leicht, was ihm jedoch beim Handling kaum anzumerken ist. Richtungswechsel geht er unwillig an, und die seltsam taube Lenkung schmälert den Fahrspaß weiter. Auch in Sachen Raumangebot zählt er nicht zu den Top-Performern im Konkurrenzumfeld, obgleich er sich hier verbessert hat.Bleiben Ausstattung und Preis, denn der Suzuki ist das billigste Auto in diesem Test. Mit dem Basismotor gibt es ihn bereits ab 13.790 Euro, die hier gezeigte Comfort-Variante steht für 15.740 Euro in der Preisliste. Als Extra kann eine Metallic-Lackierung dazu geordert werden, Radio und Klima sind Serie. Ein Navi etwa oder Spurassistenten gibt es allein in der teureren Comfort-Plus-Ausführung, die nur für den Dreizylinder-Turbo verfügbar ist. Das ist dann doch etwas wenig in diesem Konkurrenzumfeld.

Extrovertierter Micra
Dazu zählt der Nissan Micra bereits seit 1982. Sieben Millionen Exemplare wurden gebaut, die ersten davon hießen sogar noch Datsun. Seit diesem Jahr ist die fünfte Modellgeneration am Start, und die fällt auf den ersten Blick mit recht extrovertiertem Design auf. Vor allem die Heckpartie mit steil ansteigender Fensterlinie sowie schrägem Dachabschluss und skulpturalen Heckleuchten zeigt, dass hier die Form nicht immer der Funktion folgt.Kritteleien am Design gehören eigentlich nicht in einen Vergleichstest, doch das des Micra hat echte funktionale Nachteile – etwa die schlechte Übersichtlichkeit sowie der knappe Fond- und Kofferraum. Ansonsten gefällt das Interieur mit ordentlicher Qualität, guter Ausstattung und freundlichem Ambiente. Vor allem, wenn er, wie unser Testwagen, in der sehr umfangreichen N-Connecta-Ausstattung vorfährt. 16-Zoll-Aluräder, Navigationsgerät, schlüsselloser Motorstart sowie Lederlenkrad und Regensensor gehören dann bereits ab Werk dazu, da ist der Grundpreis von 18.590 Euro sehr fair kalkuliert.Für Vortrieb sorgt dann ein 0,9- Liter-Dreizylinder von Renault, der hier einen durchwachsenen Eindruck hinterlässt. Er wirkt vergleichsweise schlapp, läuft rau und geräuschintensiv, verbraucht zudem den meisten Kraftstoff – wenngleich da die Unterschiede zum Fabia- und Rio-Triebwerk minimal sind. Das Fahrwerk tut sich ebenso schwer, es ist eher polterig-straff abgestimmt, ohne dass der Micra dadurch zum Handling-Talent würde. Das wird schon durch die mitteilungsarme und schwammig ansprechende Lenkung verhindert. So kann der Nissan sich nicht richtig positiv profilieren.

Solider Skoda
Irgendwie hatten wir uns daran gewöhnt, dass bei Vergleichstests im B-Segment der Fabia ganz oben auf dem Treppchen steht. Diesmal nicht. Und das nicht etwa, weil der Testwagen vieles schlechter macht oder mit einem Triebwerk kommt, das – wie bereits erwähnt – im Laufe des Modelljahres ersetzt wird.Doch der Reihe nach: Der 90-PS-Vierzylinder entstammt der modularen Motorenfamilie EA 211, genauso wie der Dreizylinder mit 95 PS, der ihn demnächst ablöst. Er gefällt in diesem Test mit guten Manieren, geschmeidigem Lauf und zurückhaltender Geräuschentwicklung. Ein Sprinter ist er nicht, der Fabia zählt zu den müderen Kandidaten, nur der Nissan geht noch verhaltener zur Sache. Auch im Verbrauch zeigt der 1.2 TSI Durchschnittliches: Er ist auf Augenhöhe mit der Konkurrenz.Immer noch top ist er hingegen beim Fahrkomfort und Raumangebot. Zudem lässt er sich am einfachsten und intuitivsten bedienen und bietet das beste Qualitätsniveau. Ein paar kleine Schwächen erlaubt er sich bei der Sicherheitsausstattung, da verliert er einige Punkte auf Rio und Micra. Die fahren hier beispielsweise kamerabasierte Spur- und Notbremsassistenten auf. Da merkt man dem 2014 präsentierten Fabia die paar Jährchen schon an. Auch ein Sonderangebot ist er nicht. Rio und Micra sind zwar teurer, doch bieten sie erheblich mehr Ausstattung fürs Geld. Bisher hat es dennoch immer gereicht, diesmal nicht: Der Skoda kommt ein paar Punkte hinter dem Kia ins Ziel.

Harmonischer Kia
Nicht etwa, weil der neue Rio einzelne Glanzpunkte setzt. An ihm beeindruckt vielmehr das harmonische Gesamtpaket und vor allem die Zielstrebigkeit, mit der die Kia-Entwickler Schwachpunkte früherer Modelle abarbeiten. Unkomplizierte Bedienung und ein schlichtes, ordentlich verarbeitetes Interieur zählte jedoch schon bei der Vorgängergeneration zu den Stärken.Nicht so die Lenkung, die sich bis zuletzt eher unpräzise und rückmeldungsscheu zeigte.Im aktuellen Rio gefällt sie dagegen mit direkter Ansprache und ordentlichem Feedback. Ähnliches gilt für den Federungskomfort. Der ist zwar nicht ganz auf Skoda-Niveau, vor allem im Ansprechverhalten gibt es noch Entwicklungspotenzial, doch auch hier ist der Abstand zu den Besten in dieser Klasse ziemlich zusammengeschrumpft. Da der Rio nun auch über recht bequeme, wenngleich etwas seitenhaltarme Sitze verfügt, landet er in der Komfortwertung nah am Fabia.Zu diesem Test kommt der Kia mit dem neuen Dreizylinder-Turbo, 100 PS stark und mit einem Fünfgang-Schaltgetriebe gekoppelt. Der neue Motor macht seine Sache sehr ordentlich, er bietet die besten Fahrleistungen und das souveränste Fahrgefühl. Beim Verbrauch liegt er auf dem Niveau der Konkurrenz, was auch daran liegen mag, dass der Rio etwas pummelig geraten ist – knapp über vier Meter lang und fast 50 kg schwerer als der Fabia. Die Konkurrenz packt er dennoch, dieser Kia, der heute zu Recht wieder Pride heißen könnte.
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Testwertung
4.0 von 5

Quelle: auto-motor-und-sport, 2017-07-14

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