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Testbericht

17. November 2015
Die Anspannung steigt, als der Kindersitz Multi-Tech II von Britax Römer an der Reihe ist. Nicht der bevorstehende Crashtest bereitet Sorgen, sondern der Einbau in die Crash-Karosserie. Schon beim Auspacken fallen die vielen Gurte und Schnallen ins Auge, die einen komplizierten Umgang verheißen. Immerhin ist der Sitz aber ein kleines Multitalent. Denn er befördert Kinder zwischen 9 und 25 Kilogramm, also bis etwa sechs Jahre – und zwar vorwärts- und rückwärtsgerichtet. Obwohl er damit auch für die Sitzgruppe II zugelassen ist, beschränkt sich der Test jedoch auf die Gruppe-I-Anforderungen.

Crashschlitten simuliert Unfall mit 50km/h
Für die Crashversuche wartet deshalb ein Q3-Dummy auf seine Einsätze, der einem dreijährigen Kind entspricht. Als Erstes stellt der Multi-Tech II als Reboarder seine Sicherheit unter Beweis. Bevor der Crashschlitten mit rund 50km/h auf das Hindernis knallt, nimmt jedoch der Einbau über eine Stunde Zeit in Anspruch. Nur mit Hilfe von Anleitung und Online- Video gelingt es, alle Gurte sicher zu verspannen und den richtigen Winkel des Stützfußes zu finden. Vor dem Kauf sollte unbedingt ein Probe-Einbau klären, ob der Sitz auch ins eigene Auto passt. Ein Blick in die Typenliste klärt zudem, auf welchen Sitzplätzen der Einbau erlaubt ist. Rückwärtsgerichtet überzeugt der Britax Römer beim Crash, alle Messwerte liegen im grünen Bereich. Beim zweiten Versuch, vorwärts eingebaut, sieht das jedoch anders aus. Die nicht ganz plausibel erscheinende Gurtführung hält den Sitz nur im Beckenbereich, Kopf und Oberkörper klappen beim Aufprall weit nach vorne. Die große Vorverlagerung zeigt ein erhöhtes Verletzungsrisiko. In dieser Einbaulage lautet das Urteil daher: Nur bedingt empfehlenswert.Ebenso ergeht es dem Oasys 1 Isofix von Chicco, wobei das Ergebnis andere Gründe hat. Da die Sitzschale nur in Verbindung mit Isofix-Haken und Top-Tether-Gurt eingebaut werden darf, ist sie sehr straff mit dem Fahrzeug verbunden und lässt wenig Vorverlagerung zu. Die starke Rückhaltewirkung führt aber zu erhöhten Messwerten im Kopfbereich, die auf ein ebenfalls erhöhtes Verletzungsrisiko schließen lassen. Zwar erfüllt der Sitz die Anforderungen der Norm ECE R 44, doch verschiebt man die Anforderungen etwas nach oben, zeigt der Chicco Schwächen. Die von automotorundsport sowie dem TÜV Süd gewählten Einstellungen liegen nur knapp über der Norm und entsprechen einem Unfallszenario, das häufig in der Realität eintritt.

Kindersitz Phoenixfix pro 2 mit Fangtisch
Dass die Anforderungen durchaus erfüllbar sind, beweist der Phoenixfix pro 2 von Kiddy – alle Messwerte liegen im grünen Bereich. Seine Besonderheit ist der Fangtisch, der das Kind im Bereich des Oberkörpers großflächig und sicher zurückhält. Zwar bewegt sich der Kopf beim Aufprall weit nach vorn und berührt den Fangtisch leicht, jedoch ohne messbaren Aufschlag. Problematisch kann dieses System dennoch sein.Nicht alle Kinder akzeptieren den voluminösen Vorderbau vor ihrem Bauch. Wenn Sie den kleinen Mitfahrer aber von dem Sitz überzeugen können, ist er eine Empfehlung. Der Umgang lässt kaum Wünsche offen. Der leichte und angenehm gepolsterte Kindersitz ist schnell und problemlos in jedes Auto eingebaut, denn er darf sowohl mit als auch ohne Isofix-Haken verwendet werden. An die Größe des Kindes passt er sich dank herausnehmbarem Sitzkissen und höhenverstellbarer Kopfstütze schnell an. Und noch etwas spricht für den Sitz: Er ist der günstigste Vertreter im Test.

Welcher Sitz passt zu meinem Kind?
Für Kinder bis zwölf Jahre und 1,50 Meter Körpergröße ist in Deutschland ein Kindersitz vorgeschrieben. Die Zulassungsnorm ECE R 44 unterteilt die Rückhaltesysteme nach dem Gewicht des Kindes in fünf Gruppen: Gruppe 0 für Babys bis zehn Kilogramm (Alter: rund neun Monate), Gruppe 0 für Babys bis 13 kg (rund 18 Monate), Gruppe I für Kinder zwischen 9 und 18 kg (neun Monate bis vier Jahre), Gruppe II für Kinder zwischen 15 und 25 kg (drei bis sieben Jahre) und Gruppe III für Kinder zwischen 22 und 36 kg (sechs bis zwölf Jahre). Seit 2013 gilt parallel die UNECE R 129, auch i-Size genannt, bei der die Körpergröße entscheidend ist. Wichtig ist zudem, dass der Hersteller den gewünschten Sitz für das jeweilige Auto freigegeben hat. Vor allem bei Isofix-Systemen kann es Einschränkungen geben.

Testparameter
Seit über 20 Jahren testet automotorundsport zusammen mit dem TÜV Süd Kindersitze. Um einen Frontalaufprall zu simulieren, wird die Crash -Karosserie eines Golf V aus über 50km/h mit dem bis zu 31-Fachen der Erd beschleunigung abgebremst. Zum Vergleich: Die Zulassungsnorm ECE R 44 verlangt nur Werte bis maximal 28 g. Zum Praxistest standen Mazda 2, Opel Zafira Tourer und Renault Grand Kangoo für den Einbau bereit. Bewertet wurden dabei Handling, Komfort für das Kind und wie verständlich die Anleitung ist.
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Quelle: auto-motor-und-sport, 2015-11-17

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