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Testbericht

9. Oktober 2014
Kundenwünsche überfahren schon mal lange gepflegte Herstellertraditionen. Wenn SUV-Fahrer also fast ausschließlich auf befestigten Pfaden unterwegs sind und kaum im Gelände, kann es sich auch ein alteingesessener Allrad-Hersteller wie Jeep leisten, den kompakten Sports-Utility-Fünfsitzer in seinen Basisversionen nur mit Frontantrieb auszurüsten.

Nissan X-Trail basiert auf Qashqai
2014 tritt der Jeep Cherokee in der vierten Generation an. Im Vergleich mit dem ebenfalls neuen Nissan X-Trail, der auf dem Qashqai basiert, muss er sich vor allem in den Kriterien Platz, Komfort, Verbrauch, Ausstattung und Preis messen lassen. Der harte Geländetest blieb den Konkurrenten erspart: Die spektakuläre Wasserdurchfahrt fürs Foto meisterten beide anstandslos.Da der Nissan X-Trail immerhin 27 Zentimeter länger ist als sein Basismodell Qashqai, nimmt es nicht wunder, dass der Laderaum wirklich großzügig ist – schon im Normalzustand bietet er 550 Liter Volumen. Durch intelligent verteilte doppelte Böden und Abtrennwände macht es den Eindruck, dass alle Dinge des täglichen Bedarfs klapperfrei transportiert werden können, von der Pillenschachtel über den Schiffskoffer bis hin zum vollwertigen Ersatzrad oder zwei weiteren Passagieren auf den optional lieferbaren Zusatzsitzen. Werden die Lehnen der Rücksitze umgelegt, stehen bis zu 1.982 Liter Stauraum zur Verfügung.Der Jeep Cherokee kommt trotz nahezu identischen Radstands deutlich begrenzter daher. Sein Kofferraum umfasst gerade einmal 412 Liter, und mit der Laderaum-Erweiterung ist bei 1.267 Litern Schluss. Auch für die Passagiere geht es im Fond enger zu, denn sie genießen deutlich weniger Beinfreiheit als im geräumigen Nissan X-Trail.

Motoren machen den Unterschied
Einzig die Kopffreiheit nach oben ist beim Jeep Cherokee in der zweiten Reihe größer; im Nissan X-Trail kosten die hoch positionierten Rücksitze in Kombination mit dem Panoramadach einige Zentimeter. Fahrer und Beifahrer sitzen im Nissan auf straffer gepolsterten Sitzen als im Jeep. Zwar bieten die Lehnen keinen ausgeprägten Seitenhalt, aber insgesamt machen sie für mögliche Langstreckenfahrten den vertrauenerweckenderen Eindruck. Das stoffbespannte Jeep-Gestühl hält durch mangelnde Kontur und zu weiche Polsterung da eine kleine Enttäuschung bereit.Im direkten Fahrvergleich scheinen sich der Jeep Cherokee und Nissan X-Trail kaum etwas zu nehmen, und doch treten im Test zwei ganz unterschiedliche Charaktere zutage. Dies ist in erster Linie den Motoren geschuldet.Die Japaner bieten den Nissan X-Trail ausschließlich mit dem 1,6-Liter-Turbodiesel von Renault an, der bei 4.000/min 130PS leistet und ein maximales Drehmoment von 320 Newtonmetern bei 1.750/min aufbringt. Der Zweiliter-Turbodiesel des Jeep Cherokee aus dem Fiat-Regal gibt 140PS bei 4.500/min ab und stellt bei ebenfalls 1.750/min als Spitzenwert 350 Newtonmeter Drehmoment bereit. Zwar ähneln sich beide SUV auch in Beschleunigung und Höchstgeschwindigkeit, jedoch kehrt der X-Trail-Motor im Fahrbetrieb den hörbar gröberen Naturburschen heraus. Er will gedreht werden, fühlt sich erst jenseits der 2.000/min wohl, meldet sich dann aber auch kräftig zu Wort. Ab Tempo 160 wird er auf langen Autobahnstrecken von nervigem Nageln begleitet. Der etwas größere Fiat-Motor gibt sich da als kultivierterer Reisebegleiter.

Jeep Cherokee punktet beim Komfort
Was den Komfort betrifft, kann der Jeep ohnehin Punkte gutmachen. Sein Fahrwerk erscheint etwas weicher als das des Nissan, was auch mit der Bereifung zu tun hat. Während der Jeep Cherokee auf 17-Zoll-Rädern rollt, steht der Nissan X-Trail auf strammen 19-Zöllern, die auf Rüttelstrecken wie etwa den Fahrbahnen Nummer fünf und sechs im Testgelände Boxberg poltriger und lauter wirken.Zügiges Umrunden von Kurven quittiert der hier als 4x4 antretende X-Trail mit etwas mehr Querneigung als der neutraler liegende Jeep Cherokee. Beide Lenkungen sind zwar bestückt mit elektrischer Servohilfe, arbeiten jedoch präzise genug, um ein mulmiges Gefühl auch in zügig genommenen Wechselkurven gar nicht erst aufkommen zu lassen. Durch seine geringere Karosserieneigung und den etwas tieferen Schwerpunkt absolviert der Jeep die fahrdynamischen Prüfungen hurtiger als der Nissan X-Trail, gibt sich aber auch im normalen Fahrbetrieb als der agilere SUV von beiden, was nicht unbedingt zu erwarten gewesen wäre. Schließlich verzeichnet das Messprotokoll ein um rund zwei Zentner höheres Leergewicht für den Jeep.Dies überrascht, da dem Test-Cherokee im Vergleich zum Nissan X-Trail ja auch noch der Allradantrieb (gibt es für 2.100 Euro Aufpreis) fehlt. Der Nissan ist da mit 1.686 Kilogramm Leergewicht ein echter Leichtfuß, der zusätzlich auch noch zwei Tonnen Anhängelast ziehen darf. Beim Cherokee ist hier bei 1,8 Tonnen Schluss.

Jeep Cherokee kann bei der Ausstattung nicht mithalten
Auch die zulässigen Gesamtlasten bei Gespannbetrieb werfen die Frage nach den Bremsen auf: Während der Nissan X-Trail mit kalten Bremsen zwar mehr als 39 Meter benötigt, um aus Tempo 100 zum Stehen zu kommen, kehrt sich dieser Vorteil des Jeep Cherokee vom halben Meter kürzeren Bremswert bei warm gefahrenen Bremsen jedoch wieder um. Letztendlich liegt bei den Bremsen der Nissan vorn.Noch ein Wort zu den Kosten: Nominell ist der Jeep Cherokee in diesem Vergleich rund 2.000 Euro günstiger, jedoch bietet der in der sehr umfangreichen Tekna-Version getestete Nissan X-Trail (ohne Allradantrieb ab 34.850 Euro) viel Zusatzausstattung und Assistenzsysteme, etwa den beim Jeep nicht erhältlichen Parkassistenten für Längs- und Querparken. Nach Punkten gewinnt diesen Vergleich der Nissan X-Trail, doch Sympathien mobilisiert auch der Vizekönig. Der Cherokee in der Frontantriebs-Variante ist der richtige SUV für trendbewusste Pärchen, die im Soundsystem auch mal eine Opernarie oder Caro Emerald genießen und nur ab zu ein anderes Paar zum In-Italiener mitnehmen. Der X-Trail ist der ideale SUV für die Familie, die auf dem Weg zum Abenteuerspielplatz für die Kinder mitunter die zweite Antriebsachse zuschalten muss.

Guldes Connectivity-Check - Uconnect im Jeep
Wow, geht das schnell: Kaum ist die Zündung an, hat das Jeep-Infotainment seinen Handy-Partner Samsung Galaxy S5 wiedergefunden und per Bluetooth gekoppelt. Bevor der Diesel mit dem Vorglühen fertig ist, spielt Musik vom Smartphone. Auch mit dem iPhone 5s versteht sich das von Harman entwickelte Uconnect (1.700 Euro) auf Anhieb und unterstützt viele Telefon-Funktionen wie Wahlwiederholung oder die Anzeige von Anruflisten. Große Bedienfelder machen die Eingaben auf dem mit 8,4 Zoll üppigen Monitor während der Fahrt einfach. Der etwas milchige Touchscreen dürfte bei Adresseingaben im Navigationsmodus jedoch gern schneller reagieren, zudem wirkt die Kartendarstellung antiquiert.Flotter klappen Zieleingaben über die sehr gute Sprachbedienung, die komplette Adressen in einem Rutsch entgegennimmt. Ebenso positiv: Zum empfangsstarken UKW-Tuner gesellt sich ohne weiteren Aufpreis gleich noch ein Digitalradio-Empfänger, zudem Schnittstellen für USB- und SD-Speicher sowie ein klangstarkes Soundsystem vom japanischen HiFi-Profi Alpine. Internet-Funktionen oder tiefere App-Anbindungen gibt es jedoch nicht, Staudaten muss sich das Navi daher noch über die antiquierte TMC-Technik holen. Deshalb gibt es nur vier von fünf Antennen.Das umfangreich ausgestattete Jeep- Infotainment lässt sich leicht bedienen und begeistert mit seinem tollen Sound. Für 1.700 Euro Aufpreis sollten jedoch Echtzeit-Staudienste drin sein.
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Testwertung
4.5 von 5

Quelle: auto-motor-und-sport, 2014-10-09

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