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Testbericht

28. Juli 2016
Heimlich, still und leise hat sich Infiniti im ersten Halbjahr 2016 mit einer für die Marke beachtlichen Absatz-Explosion in der Verkaufsstatistik nach vorne katapultiert. Vor allem dank des gemeinsam mit Mercedes entwickelten A-Klasse-Äquivalents Infiniti Q30 stiegen die Infiniti-Zulassungszahlen im ersten Halbjahr 2016 auf 1.120 Einheiten – mehr als im gesamten letzten Jahr.Für die in Europa noch mit Exotenstatus behaftete Marke Infiniti ist der Q30 damit ein gewaltiger Erfolg und könnte, gemeinsam mit dem nun im Akkord ausgebauten Händler- und Werkstattnetz sowie dem jetzt startenden Infiniti QX30 nochmals stark Fahrt aufnehmen. Denn der QX30 tritt bei den Kompakt-SUV mit Premium-Anspruch an, konkurriert so mit den Hochpreis-Europäern wie Audi Q3 oder Range Rover Evoque, sortiert sich beim Preis (ab 38.600 Euro) aber ausstattungsbereinigt spürbar unter diesen ein.

Infiniti QX30 immer mit Allrad
Eigentlich kann man sich die ellenlange Typbezeichnung schenken. Infiniti QX30 2.2d 7DCT AWD – das suggeriert ja, dass es noch andere Varianten gäbe. Doch dem ist nicht so, in Deutschland wird das neue Kompakt-SUV von Nissans Nobeltochter Infiniti ausschließlich in dieser Variante auf den Markt kommen. 2,2-Liter-Diesel, automatisches Siebengang-DSG, Allradantrieb. Einzig zwei Varianten in der Ausstattung (Premium und Premium Tech) stehen zur Wahl.Der Hochbein-Ableger des Infiniti Q30 wurde wie dieser gemeinsam mit Mercedes entwickelt, die aktuelle A/GLA-Klasse liefert Plattform und Antrieb. Allerdings macht der Infiniti QX30 von Anfang an klar, dass er weit mehr als nur ein umgelabelter GLA ist. Nicht nur beim Design, auch bei der Technik. Das Fahrwerk, die gesamte Abstimmung, auch das Interieur ist recht eigenständig. Abgesehen von einigen Schaltern und Tastern, die man von den Stuttgartern kennt, auch das Lenkrad oder Eigenheiten wie die Tempomatbedienung stammen von Mercedes. Letzteres ist aber kein Manko, im Gegenteil.Speziell wenn der neue Infiniti QX30 neben seinem Straßenbrüderchen Q30 steht, darf "Such das SUV“ gespielt werden. Denn wirklich offroadig sieht am QX30 eher gar nichts aus. Mit Ausnahme der Front- und Heckschürzen fällt es selbst Eingeweihten schwer, echte Unterscheidungsmerkmale zu entdecken. Das gilt genauso für den Innenraum des QX30, der sich in keinem Detail von dem des Q30 mit entsprechender Ausstattung unterscheidet.

Mehr Crossover als SUV
Die 30 Millimeter Bodenfreiheit extra, die dem QX30 über ein höheres Fahrwerk spendiert wurden, gehen damit eher als Einstiegshilfe denn als Geländetauglichkeitsmerkmal durch. Der QX30 besitzt einen automatischen Allradantrieb ohne manuelle Eingriffsmöglichkeiten oder Fahrprogramme, das und die erwähnten 30 Millimeter sind die ganze Geschichte zum Thema Offroad. Was nicht sichtbar ist: Sowohl die mit 16:1 statt 14,4:1 übersetzte Lenkung als auch das mit sogenannten Rebound-Federn (sollen die Wankneigung reduzieren) überarbeitete Fahrwerk unterscheidet den QX30 durchaus vom Modell ohne X. Und speziell die Fahrwerksabstimmung vermag auf der ersten Testfahrt durchaus zu gefallen. Der Infiniti QX30 fährt sich im besten Sinne satt wie eine große Limousine, egalisiert Wellen und Grobheiten souverän. Lediglich kleine Knuffe von Kanaldeckeln oder Querfugen lassen das Fahrwerk mit den Wimpern zucken.Von ähnlicher Sanftmut sind die Vordersitze beseelt. Auf Seitenhalt hofft man zwar vergebens, dafür sind die bequemen Sessel breit, angenehm gepolstert und auch auf längeren Strecken sehr komfortabel. Ein Cruiser ist er, der QX30, obwohl er sich auch mit lange neutraler Reaktion sicher durch Kurven zwiebeln lässt.

Der QX30 ist ein Cruiser
Dem steht der Vierzylinder-Diesel nicht nach, der zwar nachhaltigen Druck, aber keinen brutalen Punch bereithält. Flotte Beuschleunigung und rasche Überholmanöver sind zwar ohne weiteres drin, doch seine wahre Bestimmung findet der Antrieb des Infiniti QX30 beim drehzahlarmen und leisen Gleiten. Um den Schatten zum Licht zu addieren: Der Infiniti QX30 leistet sich auch einige nicht so gut gelöste Eigenheiten. Zuvorderst gehört dazu die Übersichtlichkeit. Die gewaltige C-Säule und das winzige Heckfenster machen die Rundumsichtkamera (im Paket ab 1.170 Euro) zum unverzichtbaren Extra. Auch Familien mit größeren Kindern werden mit dem QX30 eher nicht glücklich. Zur knappen Beinfreiheit auf den Rücksitzen gesellt sich die mäßige Kopffreiheit, selbst das Einsteigen in die zweite Reihe ist wegen der niedrigen Dachkante und dem engen Türausschnitt kein großes Vergnügen. Und einmal Platz genommen, sitzt man in einer schwarzen Höhle ohne Ausblick.

Schlechte Übersicht
Ebenfalls für eine kommende Modellpflege überarbeitenswert: Die Klimasteuerung mit dem weit unten in der Mittelkonsole versteckten Bedienfeld und die Bedienlogik für das Multimediasystem. Das kommt überdies mit einem für heutige Premium-Fahrzeuge eher kleinen Monitor daher, was wie der in dieser Preisklasse fast schon antiquierte Zündschlüssel nicht so recht zum sonstigen Charakter des Infiniti QX30 passen mag.Denn mit der blitzsauberen Verabeitung und dem hochwertigen Materialmix bis hin zu Nappaleder und Echtholz (Serie beim "Premium Tech“) kann sich der Neuzugang ansonsten auch im Kreis der teuren Edel-SUV absolut sehen lassen.
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Testwertung
4.0 von 5

Quelle: auto-motor-und-sport, 2016-07-28

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