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Testbericht

16. April 2009

Ein bisschen Blue geht immer. Noch hält Volkswagen im Golf-Portfolio kein mit dem Siegel Blue Motion versehenes Öko-Modell bereit. Das kommt erst Mitte des Jahres und wird von einem neuen 1,6-Liter-Turbodiesel angetrieben. Aber die Preisliste zeigt eine Alternative. Neben dem regulären VW Golf 2.0 TDI steht da, zu exakt dem gleichen Preis, eine weitere Variante mit reduziertem Verbrauch und damit CO2-Ausstoß.

Ford Focus Econetic mit geringerem CO2-Ausstoß Der nach dem gesetzlichen Fahrzyklus ermittelte Wert unterschreitet mit 119 Gramm pro Kilometer knapp jene 120 Gramm, die als CO2-Fernziel für die europäische Automobilindustrie definiert sind. 128 Gramm schickt die normale Ausführung in die Luft - der Fortschritt sieht also recht stattlich aus. Im gängigen Verbrauchsmaßstab entspricht das einer Reduzierung um 0,4 auf 4,5 Liter pro 100 Kilometer. Ford ist mit dem Ford Focus da schon weiter. Nur 115 Gramm Kohlendioxid werden für das Modell Econetic genannt - entsprechend 4,3 Liter/100 km. Hauptverantwortlich dafür ist ein nur 1,6 Liter großer Diesel-Vierzylinder mit einem speziell auf Knausrigkeit abgestimmten Motorsteuergerät. Dazu kommen eine Verbesserung der Aerodynamik durch eine um einen Zentimeter tiefergelegte Karosserie sowie Reifen mit reduziertem Rollwiderstand. VW muss, gehandikapt durch den größeren Hubraum, etwas tiefer in die Öko-Kiste greifen. Das modifizierte Steuergerät und die Tieferlegung (um 1,5 Zentimeter) gibt es auch hier, außerdem noch abgedeckte Öffnungen an der Frontpartie zur Optimierung des cW-Werts sowie ein Schaltgetriebe mit längeren, die Drehzahl reduzierenden Übersetzungen der Gänge drei, vier und fünf. Leichtlaufreifen gehören natürlich ebenso zum VW-Sparpaket. Sie stammen wie beim Ford Focus von der französischen Firma Michelin, die beim Rollwiderstand derzeit Marktführer ist. Allerdings sind die Reifen der Version Comfortline etwas üppiger bemessen als beim Ford. Dessen schmalen 195/65 R 15 steht die Standardgröße 205/55 R 16 gegenüber. Entscheidend dabei ist, das wissen wir seit den Zeiten des Kanzlers Helmut Kohl, was am Schluss herauskommt. Um das herauszufinden, absolvieren die beiden Kandidaten ausgedehnte Testfahrten, wobei die Fahrer in regelmäßigen Abständen die Autos wechseln, um den Einfluss unterschiedlich temperamentvoller Gasfüße zu eliminieren. Schaltanzeige im VW Golf-Cockpit Denn die sorgen in der Praxis für deutlich größere Verbrauchsdifferenzen als die paar Zehntelliter, um die es hier letztlich geht. Eines vorweg: Auf das Niveau der Normverbrauchswerte kommt man nur, wenn das rechte Pedal so vorsichtig behandelt wird wie ein rohes Ei. Auch nur annäherndes Ausschöpfen der Motorleistung ist tabu. Stattdessen gilt es, beim Beschleunigen möglichst schnell in die höheren Gänge zu kommen, was der VW Golf dadurch unterstützt, dass er im Gegensatz zum Focus eine entsprechende Schaltanzeige im Cockpit besitzt. Das Ergebnis der Sparfahrt überrascht: Der VW ist mit 4,2 Liter/100 km sogar noch eine Spur genügsamer als der Ford Focus, der 4,5 Liter verbraucht. Beide Werte zeigen auch, wie unrealistisch das vorgeschriebene und mit dem Kürzel RL 80/1268/EWG versehene Messverfahren zur Ermittlung des Normverbrauchs ist.

Real-Verbrauch bei VW Golf und Ford Focus höher Die in den Prospekten herausgestellten Werte können allenfalls als Anhaltspunkte für den Vergleich unterschiedlicher Autotypen dienen - mit dem, was im Alltag verbraucht wird, haben sie herzlich wenig zu tun. Das zeigt zuverlässig der von auto motor und sport ermittelte Verbrauch während des Doppeltest, der sich aus einer Vielfalt von Fahrbedingungen zusammensetzt: Geruhsame Fahrt auf der Landstraße gehört ebenso dazu wie Stadtverkehr oder forciertes Tempo auf der Autobahn - kurz, es wird möglichst realitätsnah das abgebildet, was der Fahrer im Alltag erlebt. Und auch da liegt der VW Golf wieder vorn. 5,8 stehen 6,1 Litern beim Ford Focus gegenüber. Beides kann sich sehen lassen für vollwertige, geräumige Automobile mit ordentlichen Fahrleistungen. Die ermittelte Differenz kann also nicht die Entscheidung bringen, denn hochgerechnet auf 100.000 Kilometer reden wir hier gerade mal über 300 Liter Kraftstoff oder, beim gegenwärtigen Preisniveau, über die gleiche Zahl von Euro.

Der VW Golf bietet bessere Material- und Verarbeitungsqualität Was der Volkswagenkäufer mehr ausgibt für sein Auto - nach Preislisten-Theorie sind das immerhin 1.525 Euro -, wird er auch in einem langen Autoleben über den Verbrauch nicht wieder einsparen können. Es sind andere Werte, die den Mehrpreis rechtfertigen: die bessere Material- und Verarbeitungsqualität beispielsweise oder die ausgefeiltere Bedienungsergonomie. Höchste Fahrsicherheit und ein Fahrvergnügen förderndes Handling bieten beide; die besseren Werte, die der VW Golf bei den Bremsmessungen und den Fahrdynamik-Prüfungen erzielt, dürfen dem Konto seiner großzügiger dimensionierten Bereifung gutgeschrieben werden. Den wichtigsten Unterschied macht letztlich der Federungskomfort: Da ist der ungewöhnlich ausgewogene VW Golf eine Klasse besser als der speziell auf kurzen Unebenheiten steifbeinig und holprig wirkende Ford Focus . Der neue VW Golf bildet wieder einmal den Maßstab seiner Klasse. Alles andere wäre auch zu wenig gewesen.

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Quelle: auto-motor-und-sport, 2009-04-16

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