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Testbericht

16. September 2012

Du wirst ihn gleich erkennen, er parkt vor der fetten Yacht, stand in seinen Zeilen. Er funkelt wie alle schönen Ferrari in Liebesrot, hatte er geschrieben. Und die schwarzen Tierchen in seinen Logos tanzen auf gelbem Grund, hatte er in Großbuchstaben gesetzt. Er ist ein alter Schulfreund, der auf Mallorca lebt und von Zeit zu Zeit verlockende E-Mails sendet, meist spontane Einladungen wie diese: Wer will heute Nacht mit meinem Ferrari verbringen? Blöde Frage: Wer will das nicht? Die Nachricht kam an einem Donnerstagmorgen, der endlos wie eine neblige Allee in Brandenburg schien. Ein starker Bürokaffee und eine schnelle Flugsuchmaschine im Internet brachten Klarheit, kurz darauf spuckte der Drucker zwei Tickets aus. Flucht nach Süden für 150 Euro. Um Punkt 19:30 Uhr geht der Flieger Stuttgart–Palma; elfeinhalb Stunden später wieder retour. Eine Sommernacht im Schalensitz eines Ferrari ist zum Greifen nahe. Sonnenbrille, Landkarte, Badehose und Zahnbürste reichen als Gepäck. Vielleicht noch ein Strandtuch – stilecht mit dem Ferrari-Wappen. Am Flughafen ist die Vorfreude so groß, dass selbst der Mittelplatz in einer Bingo-Damenrunde nicht schmerzt. Und wo ist unser Hengst? "Er steht da drüben", sagt Dave, als er einen weißen Briefumschlag reicht und mit einer Kopfbewegung zu einer besonders fetten Yacht zeigt.

"Dein Freund musste nach Barcelona, eine Bank macht Probleme." Dave gehört eine Bar im luxuriösen Yachthafen nahe Andratx, die gut besucht ist. Zu Café Del Mar-Beats werden Cocktails zurechtgeschüttelt, Männer mit dicken Goldketten schwitzen, gepflegte Damen tragen glitzernde Sonnenbrillen. Ein russisches Pärchen führt einen aufgeregten Chihuahua an der Leine, der in einem blauweißen Strampler steckt. Die Stimmung wirkt wie aus einem Ferienkatalog mit garantierter Sonnenbräune. Passend dazu taucht die Sonne die Bucht von Port d‘Andratx in liebliches Rot. Könnte das Rendezvous mit dem Sportwagen besser beginnen? Wo ist er eigentlich? Kleiner Liebesroter auf großem Ferrari-Parkplatz Zwischen einem geschniegelten Porsche 911 und einem vernarbten Ford Mustang hängt zwar ein "Ferrari Parking Only"- Schild, ein italienischer Hengst ist aber weit und breit nicht zu entdecken. Stattdessen duckt sich ein kleiner Marienkäfer in die Lücke, ein Fiat Abarth 695 Tributo Ferrari. Knallrot ist er, fast so, als würde er sich schämen. Das wird doch nicht etwa ... Enttäuschung macht sich breit. Ein Fiat gegen einen Ferrari? Schlechter Deal, auch wenn er dicke Endrohre, breite 17-Zöller und Außenspiegelhüllen aus Kohlefaser besitzt. Selbst die seitlichen Logos mit den Abarth-Skorpionen können nicht trösten. Dave wirft ein breites Grinsen herüber, vermutlich ist er auch schon mal auf den Witz hereingefallen. Und nun? Zurück geht nicht, also drehen wir eine Runde mit der Knutschkugel. Unter den strengen Augen der Hafensecurity brummt sich der Tributo warm, es ist ein dumpfes Grollen, was die Anlage mit dem schönen Namen Record Monza von sich gibt, ganz so, als zöge ein Gewitter auf. Ein Sommergewitter. Beruhigend wird‘s, als sich der Fiat Abarth 695 Tributo Ferrari mit seinen 180 PS vom Hafen verabschiedet und der Küste Richtung Norden folgt.

Fiat Abarth 695 Tributo Ferrari fährt uns schwindlig Sein aufgeblasener 1.400er-Benziner scheint die Enttäuschung mitbekommen zu haben und hängt sich so richtig rein. Er schiebt den kurzen Zweitürer an bewachsenen Mauern und kleinen Höfen vorbei, rauf auf eine kurvenreiche Küstenstraße, die dem Lauf eines getriebenen Hasen nachempfunden scheint. Doch wie stark sie sich auch windet, der Fiat Abarth 695 Tributo Ferrari nimmt sie talentiert und schnell und feuert mit seinem automatisierten Schaltgetriebe gekonnt Gasstöße beim Runterschalten. Der potente Fiat scheint im Super-Plus-Rausch – wir auch. Rechts, links, kurze Gerade, langes Glück. Und die Enttäuschung? Längst verweht. Kein Ferrari wäre so wendig, keiner könnte uns auf den engen Wegen Mallorcas derart schwindlig fahren. Da nicken selbst die abgebrühtesten Scooter-Fahrer anerkennend mit ihren bunten Helmen. Entlang der Steilküste nach Banyalbufar gibt‘s die erste Pause. Auf einem Felsvorsprung parkend, gleicht das Meer vor dem kleinen Kühlergrill einem faltigen, dunkelblauen Teppich. Kurz nach elf sind die Reifen nach den vielen schnellen Serpentinen bei Sa Calobra warm wie die anschließend servierten Tapas in Sóller. Um zwei in der Früh gluckst der Fiat Abarth 695 Tributo Ferrari in Alcúdia bei der ersten Tankfüllung. Die Insel und ihre Gäste werden jetzt ruhiger. Eine junge Polin ist vom Fiat entzückt, sie kritzelt ihre Telefonnummer auf ihre Handfläche, presst sie gegen die Frontscheibe. Reizend.

Fiat Abarth 695 Tributo Ferrari - bester Ferrari für Malle Viertel nach vier haben wir zwei wichtige Dinge gelernt. Erstens: Müdigkeit ist ein seltener Gast hinter dem Steuer eines Fiat Abarth 695 Tributo Ferrari. Zweitens: Mit diesem Auto braucht man auf Mallorca keine Karte – über kurz oder lang erreicht man jedes Ziel. Auch den Sonnenaufgang in Cala Estellencs. Der Tributo parkt am Strand, das Wasser perlt so erfrischend wie der Fahrtwind im dritten Gang, und die Tropfen werden anschließend von den jungen Sonnenstrahlen verputzt. Beim ersten Kaffee des neuen Tages sieht der Baristo die Abarth-Logos und schwärmt, er habe auch einen der kleinen Skorpione gehabt – schön und wild. So wie wir, was der Blitzkasten auf dem Weg zum Flughafen ungewollt dokumentiert. Dort erwartet uns Dave. Er scheint den Abschiedsschmerz, den der kleine Wagen verursacht, zu kennen. Einige hätten den Fiat Abarth 695 Tributo Ferrari schon mitnehmen wollen. Kein Wunder, er ist ein großartiger Flitzer – schnell, wendig, lebendig. Unbestritten: der perfekte Ferrari für Mallorca.

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Quelle: auto-motor-und-sport, 2012-09-16

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