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Testbericht

31. Oktober 2014
Das kann nicht gut gehen. So wenig Gummi auf der Felge und dann auch noch Tieferlegung? Das Hirn spielt wie von selbst Szenarien von Bandscheibenvorfällen und lebenslangen Rückenproblemen .

Techart-Porsche Boxster S mit extremen Schmiederädern
Der Techart-Porsche Boxster S steht auf schwarzen 21-Zoll-Schmiederädern mit silbernem Felgenhorn. Sie stehen ihm gut, und das sollten sie für den Preis von fast 6.000 Euro (ohne Steuern!) auch. Hinter den tiefschwarzen Rädern blitzt die rote Porsche-Sportbremsanlage hervor. Sie scheint trotz ihrer Größe unterdimensioniert, soviel Luft ist zwischen ihr und der Felge. Die neue, tief heruntergezogene Frontschürze (ca. 1.800 Euro) scheint den Asphalt verschlingen zu wollen.

Schreckenerregender als jedes Halloweenkostüm
Im von Techart veredelten Interieur des Boxster S wandert der eigenwillig geformte Schlüssel ins Zündschloss links des Lenkrads. Klick, Zündung aktiviert. Bei der nächsten Vierteldrehung ein kurzes Anlasser-Jodeln. Mit einem herzhaften Rülpser erwacht der 3,4-Liter-Saugmotor zum Leben. Der kurze Gasstoß klingt wie das Knurren eines Tyrannosaurus Rex aus Jurassic Park - böse und deutlich furchteinflößender als die albernen Halloweenkostüme der Nachbarskinder. Zumindest für den Radfahrer, der beim Anspringen des Motors vor Schreck fast ins Gebüsch gehechtet wäre. Ups - sorry! Einen Teil zum noch gelungeneren Boxer-Sound trägt der neue Endschalldämpfer (um 1.800 Euro) von Techart bei. Er verstärkt das Porsche-typische Sägen bei hohen Drehzahlen und klingt niedertourig brodelnd-bassig. Wir verlassen das Stuttgarter Verkehrschaos Richtung Norden. Die Nacht führt uns durch winzige Dörfer, wo es schon um kurz nach acht zappenduster ist, über Hügel und Senken nach Cröffelbach. Der Ort liegt in einem dunklen Tal, das im Winter nur wenig Sonnenlicht abkriegen dürfte. Die breite L2218 führt uns durch das Nest, bis zum durchgestrichenen Ortsschild. Was folgt, ist spektakulär.

Der Techart-Porsche Boxster S verschlingt Spitzkehren, Steilkurven und Serpentinen
Denn dort liegt eine Kopie des berühmten Stelvio-Passes in Miniaturausgabe. Serpentinen schlängeln sich hoch bis nach Wolpertshausen. Der Weg nach Cröffelbach dient dem Techart Boxster S als straffes Aufwärmprogramm. Die lang gezogene Kurven, Bergauf- und Bergabpassagen, kilometerlange Geraden - das war gut, um den modifiziert gut 100.000 Euro teuren Sportler etwas besser kennenzulernen. Jetzt muss er sich beweisen, der Sport-Plus-Modus scheint dafür passend. Er schärft das PASM-Fahrwerk, lässt den 3,4-Liter-Sauger noch direkter ansprechen, und beschleunigt die Schaltzeiten des Doppelkupplungsgetriebes.Lieber ein manuelles Getriebe? wer weiß - auch das 7-Gang-PDK macht eine Mordsgaudi, schaltet im Sport-Plus-Modus zackiger als jeder schwäbische Gebirgsjäger und garantiert eine Sprintzeit von 4,8 Sekunden auf 100km/h. Dass dieser Wert höchstens Stammtisch-Relevanz hat, wird dann klar, als wir vor der ersten Haarnadel von ungefähr 100 auf unter 40km/h abbremsen müssen. Bremsen, gerade jetzt viel wichtiger als von Null auf 100 zu beschleunigen.

Tiefe Verbundenheit zwischen Fußspitze, Gaspedal und Motor
Der Techart-Porsche Boxster S bleibt auch bei voller Verzögerung stabil, kein Schlingern, kein nervöses Zucken des Hecks. Dass die Sportwagen aus Zuffenhaus dauerhaft gut bremsen, das wussten wir. Hier offenbart sich einer der größten Unterschiede zu den Wettbewerbern aus Bayern. Die Michelin Pilot Super Sport beißen sich in den Asphalt. Einlenken und - hoppla - der Boxster S dreht sich am Scheitelpunkt ein, das bespoilerte Heck schert leicht aus und lenkt mit. Sanftes Gegenlenken, und der Techart-Porsche zieht sich unter Vollgas zur nächsten Spitzkehre. Apropos Gas: Nach einer Fahrt im Boxster S zeigt sich mal wieder, dass ein Turbomotor wohl nie mit dem feinnervigen Ansprechverhalten eines Saugmotors mithalten kann. Niemals! Und mit diesem herrlich kreischenden Boxer-Sound hinter den Sitzen. Eine Verbrennungs-Arie, die manches Orchester dumpf und inspirationslos klingen lässt.Da schadet’s nicht, dass der kleine Mittelmotor-Roadster aus engen Kehren ein Momentchen länger braucht, um auf Touren zu kommen. Was soll’s? Gefühlt erreicht der um 30 mm vorne und 20 mm hinten tiefergelegte Techart-Porsche Boxster S auch etwas früher sein Limit als die Serien-Version. Vielleicht lag das aber auch an den sieben Grad Außentemperatur und schmierigem Asphalt, fernab jeglicher Rennstreckenqualität.

Techart-Porsche Boxster S erstaunlicherweise fast alltagstauglich
Der Himmel am nächsten Morgen hat seinen Namen eigentlich nicht verdient. In den Vororten von Nürnberg hängt eine graue Suppe über den rotbraunen Dächern, von wegen sommerlicher Herbst. Echte Cabrio-Fahrer stört das natürlich wenig. Also Dach runter (dauert übrigens nur 9 Sekunden) und weiter geht die Suche nach dem schönen Herbst, wie man ihn immer im Fernsehen sieht. Einen Touri-Zwischenstopp legen wir an der Nürnberger Burg ein. Sofort scharen sich fotowütige Asiaten und Passanten um den schneidigen Sportler. "Was ist das für ein Auto? Ein Porsche?“, fragt eine junge Dame aus Spanien. In der Tat trägt dieser Porsche kein Stuttgarter Städtewappen, sondern das Techart-Logo auf der Motor...äh, Kofferraum-Haube. Das kann schon mal kurz verwirren – wir sehen es der brünetten Frau nach. Auf dem Kopfsteinpflaster holpert der Boxster S die steile Gasse von der Burg zur Nürnberger Innenstadt hinab. Das macht er trotz 21-Zöllern gut, es würde ihn fast alltagstauglich machen – wäre da nicht die kratzbürstige Frontschürze, die jede Unebenheit herzen mag.

Ein Ort namens Boxdorf - Zufall?
Es tröpfelt, aber das Verdeck bleibt offen - vorerst. Am altehrwürdigen Norisring vorbei geht es in den Nürnberger Norden, hier muss es doch irgendwo grelles, warmes Sonnenlicht geben. Die Bäume am Wegesrand haben ihre Blätter entweder bereits an die Schwerkraft verloren oder lassen sie ein letztes Mal blass-schimmernd im Wind wehen. Die Straßen winden sich durch die Landschaft, zwischen den einzelnen Regentropfen blinzelt gelegentlich etwas hindurch, das wie Sonnenlicht aussieht. Hoffnung keimt auf. Aber nur kurz, dann öffnet der Himmel seine Schleusen - Pech gehabt. An einem FKK-Club, einer Hot-Rod-Schmiede und einem Discounter mit rot-weißem Logo fahren wir mit geschlossenem Dach vorbei. Beim Vorbeifahren erspähen wir ein kleines Schild, auf dem ein klangvoller Name steht.Wir sind in Boxdorf. Mit einem Boxster, mit Boxermotor. Kann das Zufall sein? Schönes Cabrio-Wetter haben wir hier in Franken nicht gefunden, dafür aber die passende Heimat für den Techart-Porsche. Wer hätte gedacht, dass sie im Nürnberger Hinterland liegen würde? Und wer hätte gedacht, dass wir dort ohne Rückenprobleme ankommen könnten? Ein paar Schockmomente gab’s trotzdem. Das lag weniger am miesepetrigen Wetter. Sondern an der Angst, an jeder Bordsteinkante die Frontschürze zu verlieren.In der Bildergalerie finden Sie die besten Bilder des kleinen Roadtrips - pünktlich zum Saison-Abschluss. Plus eine Überraschung, die wir auf der Rückreise erlebt haben, frei nach dem Motto: "Das Beste immer zum Schluss". Wortwörtlich.
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Testwertung
4.5 von 5

Quelle: auto-motor-und-sport, 2014-10-31

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