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Testbericht

17. Dezember 2014
Die alljährlich wiederkehrende Diskussion, ob im Winter nun Front- oder doch Heckantrieb die entscheidenden Meter bringt, kann man nun auch bei der neuen Mercedes V-Klasse trocken mit einem "weder, noch" kontern. Denn ab sofort darf der geneigte Kunde auch mit Erfolg sein Kreuz beim Sonderausstattungs-Code ZG2, Allradantrieb 4-MATIC, machen. Im Dezember lief die Auslieferung der ersten Allradversionen der neuen Mercedes V-Klasse an. Eine gute Reise muss man V-Klasse-Kunden mit der im Frühjahr vorgestellten Baureihe 447 nicht wünschen, das Thema ist inzwischen gesetzt. Über alte Zeiten, speziell die Ur-Version der V-Klasse aus den späten 1990er Jahren, möchte heute niemand aus dem Konzern mehr gerne sprechen. Generation drei der V-Klasse liftet sich auf Augenhöhe mit den edlen Pkw-Ausführungen des VW T5, bis heute Maßstab in diesem Segment.Das gilt leider auch für den Preis, denn bereits der überschaubar motorisierte Mercedes V 200 CDI als Einstiegsmodell verlangt nach der Investition von wenigstens 42.030 Euro - dafür übergibt einem der freundliche Mercedeshändler wahlweise auch die Schlüssel einer neuen E-Klasse. Immerhin aber korrespondiert der erste und auch der zweite Eindruck mit diesem Preisschild, wenn man die V-Klasse betritt. Letzteres ist wörtlich zu nehmen – es hat eine gewisse Erhabenheit, sich beim Einsteigen nicht vor dem Auto verbeugen zu müssen.Dennoch kommt nach dem Entern keine Trucker-Romantik auf, die Transportern dieser Größe oft mit auf den Weg gegeben wird. Wer sich stur auf die Cockpit-Landschaft konzentriert, ohne einen Blick in den Ballsaal hinter dem Fahrersitz zu werfen, könnte sich auch in einer klassischen Limousine des Hauses verortet fühlen. Dazu tragen die ausgezeichneten Möbel nicht unwesentlich bei, lediglich die ergonomisch günstig weit oben integrierte Bedieninsel mit Touchpad und Dreh-Drück-Regler kündet vom wenig Pkw-affinen Abstand zwischen Fahrzeugboden und Armaturenbord. Da transportert es dann eben doch ein wenig.

Mercedes V-Klasse 4-Matic nur im 250 BlueTEC
Um in den Genuss des überlegenen Antriebssystems zu gelangen, bedarf es bei der Mercedes V-Klasse allerdings einer gewissen finanziellen Leistungsbereitschaft. Derzeit ist nur die Top-Motorisierung V 250 BlueTec mit dem Aufpreis-Extra 4-Matic zu bestücken, bei dem aber immerhin die siebenstufige 7G-Tronic an Bord ist. So stehen ohne jedes andere Extra rund 52.400 Euro auf dem Bestellzettel.Die neue V-Klasse entschädigt dafür mit einem Fahrgefühl, dem so gar nichts paketbotiges anhaftet. Den Verzicht auf die hintere Luftfederung merkt man dem neuen Fahrwerk nicht wirklich an, auch auf rüpelhaftem Untergrund bleibt die V-Klasse gelassen. Wer von den 190PS des 2,1-Liter-Diesel hochvergnügliche Fahrleistungen erwartet, hat allerdings noch keinen Blick auf das Leergewicht der V-Klasse mit 4-Matic geworfen. Beim von uns gefahrenen V 250 in der Langausführung versammeln sich samt der üppigen Ausstattung rund 2.500 wohlgenährte Kilo. Da hilft es auch wenig, dass die Motor-Elektronik beim beherzten Beschleunigen einen kurzfristigen Leistungs- und Drehmoment-Boost (14PS/40Nm) freisetzt. Es geht zwar durchaus zügig, aber keinesfalls überwältigend voran.

Ausreichend flott unterwegs
Das muss allerdings nicht bedauert werden, denn objektiv betrachtet sind die Fahrleistungen völlig ausreichend, für einen Maxi-Van dieser Größenkategorie sogar fast schon frivol. Viel interessanter ist, wie die relativ homogene Kraftentfaltung des Vierzylinders mit den Fahrdynamik-Hilfen und dem Allradantrieb korrespondiert. Auf der (abgesperrten) Teststrecke am Timmelsjoch, bedeckt mit Neuschnee, Harsch und Eis, bewegt sich die hoch aufragende Fuhre mit einer Lässigkeit, die verblüfft. Bemerkenswert neutral lassen sich Biegungen und enge Serpentinenkurven in Angriff nehmen, selbst bei Volldampf voraus kündet kein trampeln oder übermäßiges Radbrems-Gestotter der Traktionskontrolle vom wenig haftstarken Untergrund. Wie ausgezeichnet die Abstimmung des 4-Matic-Allrad in der neuen V-Klasse geraten ist, offenbart eine anschließende Vergleichsfahrt mit einem C 400 4-Matic. Mit den prallen 333PS des dort verbauten Sechszylinders, die zudem recht erruptiv erzeugt werden, hat die Elektronik bedeutend größere Rechenaufgaben zu bewältigen, was in entsprechend vorsorglicher und wenig fahrdynamischer Bremsarbeit mündet. So ist der beschwingte Ritt von der Hochgurgler Mautstation hinauf zum Timmelsjoch in der gar nicht so behäbigen V-Klasse tatsächlich schneller und entspannter abgearbeitet als in der hektischen Sportlimousine.
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Testwertung
4.0 von 5

Quelle: auto-motor-und-sport, 2014-12-17

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