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Testbericht

24. Juni 2016
Der Pokal hat seine eigenen Gesetze, raunen Fußballkenner jedes Jahr aufs Neue, wenn sich die Größen der Bundesliga gegen No Names aus den unteren Spielklassen beweisen müssen. Da gab es ja oft schon peinliche Überraschungen. Pokalzeit quasi auch hier und heute mit der kecken Frage, ob ein profilierter Vertreter aus der ambitionierten Mittelklasse in Summe nicht vielleicht besser ist als anerkannte Größen aus der Premium-Liga. Schließlich kosten der Zweihunderter von Mercedes und der BMW 520i einige Tausend Euro mehr als der Skoda Superb 2.0 TSI, dessen Status als Raum- und Variabilitätswunder ja hinreichend bekannt ist. Und dass der Große aus Tschechien mit 36 PS Mehrleistung antritt, kann ja auch kein Fehler sein.

BMW 5er mit ultimativem Reifegrad
Im BMW 5er trifft der Skoda auf einen Konkurrenten, der traditionell mit einer Extraportion Agilität vom Band läuft. Romantiker werden zwar das Sechszylindersäuseln vermissen, doch was vom Motor zu hören ist, klingt manierlich – und was zu spüren ist, macht Spaß. Trotz relativ wenig Drehmoment legt der BMW 520i vehement los, beschleunigt den Mercedes zum Beispiel klar aus und erfreut mit wachem Wesen und moderatem Verbrauch (9,6 Liter). Hinzu kommt sein perfektes Doppelpassspiel mit der ZF-Achtgangautomatik, die, ohne lange zu fackeln, stets die richtige Übersetzung bereithält und sich nicht in den Vordergrund spielt mit überflüssigen Gangwechseln. Dass der 5er nach und nach zu einem Muster an Bedienkomfort gereift ist mit seinem sehr logisch aufgebauten iDrive-System, mit einem klar gezeichneten Head-up-Display (1.390 Euro) und sehr guter Kartendarstellung, ist ja mittlerweile bekannt. Einsteigen, die vorzüglichen Sportsitze (490 Euro) justieren und Spaß haben – so geht dasDazu tragen sowohl die adaptiven Dämpfer (1.300 Euro) als auch die Integral-Aktivlenkung (1.750 Euro) bei. Es ist immer wieder beglückend, wie präzise und willig der BMW mit kleinen Lenkradbewegungen um die Ecken zu werfen ist. Ist’s genug, untersteuert er leicht, fertig. Bei Bedarf lässt er den Fahrer und auch die Passagiere auf der sehr bequemen Rückbank ebenfalls in Ruhe. Im Comfort-Modus federt der 520i ausgewogen und harmonisch, irritiert allerdings hin und wieder mit leichtem Fahrwerkspoltern. Obwohl BMW statt der 245er-Reifen der 4.200 Euro teuren Luxury Line 225er mit höherer Flanke montiert hat (was der Kunde auch tun kann, ohne dafür aber Geld zurückzubekommen), zeigt der 520i auch bei den Fahrdynamiktests keine Schwächen; lediglich beim Bremsen fällt er eindeutig hinter den Mercedes zurück.

Mercedes E 200 mit viel Hightech und Komfort
Doch der trat ja auch mit 18-Zoll-Mischbereifung (1.309 Euro) an, was für 245er vorn und gewaltige 275er hinten steht. Prollig wirken diese Formate nicht – vielmehr fügen sie sich harmonisch ins Gesamtbild dieses Autos, das vollgestopft ist mit Innovationen und Technologien. Und beim Blick auf die Messwerte kann man sagen: Die breiten Reifen wirken. Aus jeder Geschwindigkeit realisiert der E 200 beeindruckende Bremswege, was natürlich auch an dem sehr gut abgestimmten ABS liegt. Darüber hinaus macht die mit einem Luftfederfahrwerk (2.261 Euro) aufgerüstete E-Klasse auch beim Kurvenfahren Freude. Der vom ultrabreiten Cockpit unterstrichene Eindruck des sehr großen Autos verflüchtigt sich schon nach wenigen Metern. Denn leicht und zielgenau lässt sich der Mercedes E 200 durch Kurven jeder Art treiben, mit viel Feedback in der Lenkung und dem steten Gefühl bester Sicherheit.Dieses Gefühl ist durchaus berechtigt, denn wer auf den entscheidenden Seiten der dicken Preisliste die richtigen Kreuze gesetzt hat, kann auf eine zurzeit konkurrenzlose Sicherheits- und Komfortassistenz bis hin zum teilautonomen Fahren vertrauen. Auch bei den Anzeigeoptionen setzt Mercedes Maßstäbe. Das Head-up-Display (1.178 Euro) präsentiert viele Informationen, und mittels Lenkradtasten im Blackberry-Stil lassen sich zum Beispiel Navigationsinformationen zwischen die großen Hauptinstrumente oder in den Drehzahlmesser bugsieren, falls die Karte im Kingsize-Screen rechts nicht genügt. Was manch einer für den Overkill hält, weil das haptische Feedback der Tasten dürftig ausfällt, kickt andere, wenn die nicht unkomplexe Bedienung erst mal gelernt ist.Bei so viel Elektronik, Fahrdynamik und Federungsgüte, die nur bei kleinen Stößen schwächelt, gerät der Antrieb fast aus dem Fokus. Doch zu dem Vierzylinder, der standardmäßig der Neunstufen-Wandlerautomatik zuarbeitet, ist einiges zu sagen. Zu loben ist sein Verbrauch von nur 9,6 Litern und sein diskretes Nuscheln bei konstantem Tempo mit wenig Last. Da bietet der E 200 – auch wegen des 1.309 Euro teuren Akustik-Komfort-Pakets mit Isolierglas – unerreichten Reisekomfort. Doch beim Hochdrehen erhebt der Vierzylinder seine knurrige Stimme über Gebühr, und das Getriebe scheint so stolz auf seine vielen Gänge zu sein, dass es die möglichst oft wechseln will, wenn volle Beschleunigung gefragt ist. Dann geht es – nicht immer geschmeidig – gleich um drei oder gar vier Gänge abwärts, ohne dass der große Aufwand durch auffälliges Temperament gerechtfertigt würde.

Skoda Superb 2.0 TSI mit dem besten Antrieb
Im Superb sieht das schon ganz anders aus. Neben dem immensen Raumangebot in der zweiten Reihe und dem durch die Heckklappe bestens zugänglichen, dabei kombimäßig großen Kofferraum ist der Zweiliter-TSI die größte Stärke des Skoda. Gut klingend, bissig am Gas hängend und frei drehend, legt er auf Wunsch mit niedrigstem Verbrauch (9,0 Liter) ein Tempo vor, das die Konkurrenz nicht mitgehen kann.Dabei unterstützt ihn ein schnell und treffsicher agierendes Doppelkupplungsgetriebe, das allerdings nur bis sechs zählen kann und im Sport-Modus übertrieben hektisch arbeitet. Geradezu ein Volltreffer ist der Superb mit der Ausstattungslinie Laurin & Klement für knapp 41.000 Euro. Sie enthält so viel an Ausstattung, dass sich bei vergleichbarer Konfiguration gegenüber der Konkurrenz eine Ersparnis ergibt, die locker für einen Kleinwagen reicht. In anderer Beziehung zeigt sich der Skoda nicht ganz so superb: Die Federung etwa arbeitet trotz serienmäßiger Verstelldämpfer vergleichsweise holprig, der Fahrersitz ist eigentümlich hoch positioniert und bietet relativ wenig Seitenhalt. Die leichtgängige Lenkung wiederum meldet etwas diffus zurück, und die Fahrgeräusche sind gut, aber nicht bestens gedämmt.

BMW und Mercedes spielen eine Klasse höher
Doch ehe nun ein falscher Eindruck aufkommt: Für sich betrachtet bietet der einwandfrei bedienbare Skoda eine ganze Menge. Der BMW und der Mercedes spielen ihn allerdings bei vielen Details aus, die zu perfektionieren wohl jenen Aufwand erfordert, der ihre höheren Preise erklären kann. Mit dem Relativieren hat es jedoch ein Ende bei der Leistungfähigkeit der Bremsen.In diesem Punkt fällt der Superb deutlich ab ins Mittelmaß, benötigt zum Beispiel aus 170 km/h zehn Meter mehr als der Mercedes und vier Meter mehr als der BMW. In der Eigenschaftswertung kann der Skoda das Premium-Duo letztendlich nicht knacken, über den Preis reicht es aber am Ende für einen guten zweiten Platz. Eine kleine Überraschung also, immerhin.
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Testwertung
4.5 von 5

Quelle: auto-motor-und-sport, 2016-06-24

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