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Testbericht

20. Januar 2017

Infinitis Chefdesigner Alfonso Albaisa hat beim Q60 einen guten Job gemacht: Das Coupé wirkt kräftig und sprungbereit. Das muss es auch. Schließlich ist bereits das Einstiegsmodell mit 211 PS unterwegs. Besonders auffällig ist beim Q60 die C-Säule, die sich auf einen breiten Sockel zu stützen scheint.

Innen beweist Infiniti, dass man die Luxus-Tochter von Nissan ist: Sauber vernähtes Leder, Aluminium und wahlweise Karbon oder Edelholz wechseln sich ab. Kein Plastik stört das suchende Auge und die Lederausstattung gehört zum Serienumfang. Nur die Schaltpaddles hätten gerne aus Metall statt aus Plastik sein können. Egal, sie liegen auch so gut in der Hand.

Platz ist vorne auch für große Menschen genug – selbst bei Ausstattung mit dem Schiebedach (eine der ganz wenigen Optionen, 1.100 Euro). Die langstreckentauglichen Sitze gefallen mit ihren kräftigen Seitenwangen und machen somit Lust auf die nächste Kurve. Auch die Sitze im Fond sind oberklassig verarbeitet – aber die Kopffreiheit hier hinten reicht eher für kleinere Zeitgenossen.

Neuer Infiniti Q60 hat 2 Bildschirme übereinander
Üppig ist die Mittelkonsole des Q60 ausgestattet: Zwei Bildschirme direkt übereinander bedeutet, dass Du beispielsweise den Navi-Bildschirm oben weiterlaufen lassen kannst, während Du im unteren Bildschirm die Lenkungs-Einstellungen vornimmst oder den Spurhalte-Assistenten aktivierst. Schließlich lässt sich Infiniti auch in Sachen technischer Ausstattung nicht lumpen: Surround-View, Verkehrszeichen-Erkennung, aktiver Abstandsregel-Tempomat und eben auch ein Spurhalte-Assistent sind mit an Bord.

Irre Lenkungs-Einstellmöglichkeiten
Startknopf gedrückt und los. Der 2.0t ist immer mit Hinterrad-Antrieb, der 3.0t immer mit Allradantrieb unterwegs. Zudem bekommt das Einstiegsmodell ein Standard-Fahrwerk, die sportliche Top-Variante darf mit elektronisch verstellbaren Dämpfern arbeiten. Die Lenkung arbeitet bei beiden Varianten "steer by wire“ – es gibt also keine mechanische Verbindung zwischen dem Lenkrad und den gelenkten Rädern mehr. Laut Infiniti geht diese Entwicklung bereits in Richtung autonomes Fahren. Im Q60 lässt sich das System mannigfaltig verstellen. So stehen beim 3.0t die Modi Sport plus, Sport und Standard zur Verfügung, die sich frei mit den Übersetzungen Schnell plus, Schnell und Default (sollte besser "Standard“ heißen) kombinieren lassen. Fies: Beim 2.0t ist der Modus "Sport plus“ ausgegraut – er lässt sich auch nicht gegen Aufpreis dazukaufen. Somit wird der 2,0-Liter-Fahrer immer daran erinnert, dass er nicht im Topmodell sitzt. Das Gute: Die Unterschiede zwischen den Lenkungseinstellungen spürst Du deutlich. Bei Sport plus muss ein ordentlicher Widerstand überwunden werden und in der Mittellage gibt es kein Spiel. Antriebs- und Untergrund-Einflüsse fallen aber auf Grund der fehlenden mechanischen Verbindung weg. Das sorgt für ein künstliches Lenkgefühl, an das Du Dich gewöhnen musst. Und in einer langgezogenen schnellen Kurve einen sauberen Strich hinlegen, will mit dieser Lenkung geübt sein – nach einer Stunde gelingt es.

Das Fahrwerk der 2,0-Liter-Variante ist kernig abgestimmt, lässt das schnittige Coupé also auch in der schnellen Kurve nicht wanken. Kopfsteinpflaster und kurze Rillen knattern allerdings vor allem akustisch bis zum Fahrer durch. Die elektronisch geregelten Dämpfer der 3,0-Liter-Q60 sorgen hier für mehr Sanftheit, ohne in ihren Kurvenfähigkeiten hinter den ungeregelten Varianten zurückzustehen. Das elektronische System steht exklusiv dem Q60 3.0t zur Verfügung.

211 oder doch lieber gleich 405 PS?
Den Q60 gibt es mit 2 Motoren: Einem 2,0-Liter-4-Zylinder-Turbo mit 211 PS von Daimler oder einem neu entwickelten V6-Biturbo von Nissan mit 405 PS. Die Kraftübertragung übernimmt immer eine Siebengang-Automatik, für das kleinere Aggregat stammt sie vom Kooperationspartner Daimler, für das V6-Modell wird sie von der Nissan-Tochter Jatco zugeliefert.

Reichen jetzt die 211 PS des Einstiegsmodells, um dem Aussehen des Q60 gerecht zu werden? Der Motor knurrt beim Gasgeben angemessen – mehr ist akustisch von einem Vierzylinder-Turbo nicht zu erwarten. Das maximale Drehmoment von 350 Newtonmetern liegt schon ab 1.250/min an und hält sich wacker bis 3.500/min. Die Gasannahme ist wach, der Antritt ordentlich: In 7,3 Sekunden spurtet der 1.722 Kilogramm schwere Wagen auf Tempo 100, bei 235 km/h ist das Ende der Beschleunigung erreicht. Die Schaltarbeit verrichtet die Siebengang-Automatik unspektakulär: Sie legt immer den passenden Gang ein – wer will, vergreift sich an den Lenkrad-Schaltpaddles. Deren Befehle setzt das Getriebe ohne zu zögern um. Den Spritkonsum gibt Infiniti für den 2.0t mit 6,8 Liter Super pro 100 Kilometer an.

Mit 405 PS hat der Q60 3.0t fast doppelt so viel Leistung wie sein Zweiliter-Bruder. Ist er damit auch doppelt so gut? Klare Antwort: ja. Hellwach reagiert der von Infiniti neu entwickelte V6-Twinturbo auf jeden noch so kleinen Gasstoß, mit trockenem, kraftstrotzendem V6-Sound knurrt er das 1.874 Kilogramm schwere Coupé in 5,0 Sekunden auf 100 km/h. Schließlich liegt hier das maximale Drehmoment von 475 Newtonmetern zwischen 1.600 und 5.200/min an und der Allradantrieb reicht die Power frei von Traktionssorgen an den Asphalt weiter. Ein elektronischer Eingriff lässt den Zuwachs an Höchstgeschwindigkeit bei 250 km/h verebben. Mehr Power, mehr Spaß, mehr Verbrauch: 9,1 Liter konsumiert der 3,0-Liter-V6 im Schnitt pro 100 Kilometer auf dem Prüfstand.

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Testwertung
4.5 von 5

Quelle: auto-motor-und-sport, 2017-01-20

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