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Testbericht

Franz-Peter Hudek, 1. August 2008

Der neue, kompakte Schrägheck-Sandero wird zuerst als zeitgemäßer Kleinwagen wahrgenommen und nicht unbedingt als typischer Dacia. Angeboten wird er zum sensationellen Basispreis in Höhe von 7.500 Euro. Mit Ausnahme von Windschutzscheibe und Vordertüren erhielt der Sandero eine völlig neu gezeichnete Karosserie. Trotzdem teilt der jüngste Dacia 70 Prozent seiner vornehmlich aus Renault-Regalen stammenden Komponenten mit dem Logan.

Ein Logan mit Heckklappe

Er ist im Prinzip ein Logan mit Heckklappe: Die Motoren sind identisch, ebenso fast das gesamte Interieur sowie Spurweiten, Wendekreis, Fahrzeughöhe und -breite. Nur den Radstand reduzierten die Rumänen von 2.630 auf 2.589 Millimeter. Das sind spürbare 4,10 Zentimeter weniger als im Stufenheck-Modell, die im Fond fehlen. Ansonsten teilt sich der Sandero alle Vor- und Nachteile mit seinem Bruder. Und einige kommen hinzu. Abgesehen von der eingeschränkten Beinfreiheit im Fond beeindruckt die Größe des Innenraums, die in der Kleinwagenklasse derzeit konkurrenzlos ist. Dank der üppigen Wagenbreite von 1,74 Meter sitzt man vorne fast wie in einem VW Golf. Der Kofferraum ist nur Durchschnitt und fasst im Normalzustand 320 Liter, dazu ist dessen Variabilität stark eingeschränkt: Nach dem Umklappen der asymmetrisch teilbaren Rücklehne verhindert eine hohe Stufe die durchgängige Ladefläche.

75-PS-Motor mit braven Manieren

Unterwegs gefällt der Dacia durch seine braven Manieren, die zum Großteil aus der moderaten Motorisierung mit 75 PS resultieren. Der 1,4-Liter-Benziner reißt keine Bäume aus, knickt nicht einmal Äste ab. Von Null auf 100 km/h vergehen 14,8 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei ordentlichen 161 km/h. Wer flott unterwegs sein will, muss viel schalten und sollte die Drehzahlmessernadel nicht unter 4.000/ min fallen lassen. Ab 125 km/h überlagern kräftige Windgeräusche aus den A-Säulen das leichte Dröhnen und Brummen der Vierzylinder-Maschine. Doch keine Angst: Der Sandero läuft unbeirrt geradeaus und säuft dabei nicht einmal.

Ein Testverbrauch von 6,8 Liter auf 100 Kilometer darf unter diesen Bedingungen als akzeptabel gelten. Lenkung, Schaltung und Pedale erfordern nur geringen Kraftaufwand. Die Bremsen lassen unter hoher Belastung zwar nicht nach, aber sie sind insgesamt zu schwach. Andere Kleinwagen stehen aus 100 km/h fünf Meter früher. In Kurven und bei Lastwechseln benimmt sich der neue Dacia wie ein gut abgestimmter SUV. Der robust und strapazierfähig gebaute Kompakte meistert alle Fahrversuche ohne alarmierende Ausreißer. Ein weiterer Kritikpunkt: ESP als elektronischer Schleuderschutz ist nicht mal gegen Aufpreis erhältlich.

Die 7.500-Euro-Falle

Unerwartetem begegnen wir auf der Kostenseite. Das Grundmodell zum Kampfpreis von 7.500 Euro ist eigentlich nur ein Promotion-Gag, um in Autodingen wenig bewanderte Kunden in die Schauräume zu locken. So fehlen dem Basis-Sandero elementare Dinge wie Servolenkung und Seitenairbags. Wer dazu ein höhenverstellbares Lenkrad, eine asymmetrisch umklappbare Rückbanklehne, Zentralverriegelung und elektrische Fensterheber vorn wünscht, der muss die Luxus-Variante Lauréate wählen, die mit 9.300 Euro (75 PS-Benziner) zu Buche schlägt.

Der Testwagen mit Leichtmetallrädern, Klimaanlage, CD-Radio und Metallic-Lack aus der Options-Liste zusätzlich aufgerüstet, kommt sogar auf 11.600 Euro. Bis zu einem neuen VW Polo als Zweitürer fehlen dann nur noch 375 Euro. Was den Sandero wirklich auszeichnet, ist sein üppig bemessener Innenraum, dessen Nutzung durch die geringe Beinfreiheit im Fond jedoch eingeschränkt ist. Auch die robuste Bauweise einschließlich eines massiven Steinschlagschutzes für die Ölwanne weiß ebenso zu gefallen wie das problemlose Fahrverhalten. Trotzdem ist es lohnender, das aktuelle Kleinwagen-Angebot gründlich unter die Lupe zu nehmen, anstatt in die 7.500-Euro-Falle von Dacia zu tappen. Für 9.990 Euro bietet Suzuki zum Beispiel den modernen Splash mit einer Ausstattung auf Sandero Lauréate-Niveau. Äußere Größe ist auch bei Kleinwagen nicht alles.

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Testwertung
3.0 von 5

Quelle: auto-motor-und-sport, 2008-08-01

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