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Testbericht

Stefan Grundhoff, 28. Oktober 2009
Eine kleine Schar von Autofans hat dem Hubkolbenmotor abgeschworen. Die „Rotarier“ wankeln lieber durchs automobile Leben. Ihre Ikone ist der Mazda Cosmo, und keiner kennt den japanischen Ur-Wankel so gut wie Senji Hoshino.

Dass nicht einmal 1.200 produzierte Mazda Cosmo eine derart eingefleischte Fangemeinde hinter sich haben, mag Oldtimerfans überraschen. Doch wenn man bedenkt, dass der Vorzeige-Wankler Mitte der 60er Jahre nur in Japan und den USA angeboten wurde und heute weltweit gerade noch ein Viertel der Fahrzeuge existieren, wird das ganze schnell zum Mythos. „Viel mehr als 300 Autos haben die Zeit nicht überlebt“, bedauert Senji Hoshino, „davon kenne ich jeden zweiten, der noch auf der Straße unterwegs ist.“ Für Wankel- und Cosmo-Fans aus aller Welt ist Senji Hoshino seit vielen Jahren ein Begriff. Der 48-jährige Japaner lebt mit seiner Frau und den drei Kindern eineinhalb Stunden nördlich von Tokio im Distrikt Maebashi.

Maebashi ist eine Gegend, in der Autos den emotionalen Wert eines alten Fahrrades oder eines Regionalzuges haben. Man bewegt sich mit dem Auto fort - das war‘s dann auch schon. Hier ist die Besiedlung dünn, der Reichtum überschaubar. Stattdessen gibt es viel Landwirtschaft. Die Leute fahren bevorzugt kleine Kei-Cars, steuerbegünstigt und winzig. Auch bei Senji Hoshino steht ein blaues Kei-Car vor der Halle seiner Werkstatt „Garage Star Field“. Normalerweise würden sich hier allenfalls die Bürger der Umgebung einfinden, um Kei-Cars oder Familienmobile wie Mazda 5 oder Toyota Camry zur Reparatur zu bringen. Doch an ganz gewöhnlichen Fahrzeugen werkeln Hoshino und sein sechsköpfiges Team nur sporadisch herum. Der Hof der Werkstatt ist voll gestopft mit Wankel-Kostbarkeiten aus den vergangenen vier Jahrzehnten. Allein zehn Sportwagen vom Typ des legendären Mazda 110 Cosmo stehen auf dem Hof. Die meisten sind im klassischen Weiß lackiert, einige sind zerrupft, andere unlackiert oder bereit zur Abholung. Das ist sie, die kleine aber feine Wankel-Welt des Senji Hoshino.

Mit seinen knapp 50 Jahren hat der Wankel-Fan von der lebendigen Cosmo-Ära Mitte der 60er Jahre nichts mitbekommen. Im Gegenteil - der ausgemachte Autofan kannte den kultigen Nippon-Sportler ursprünglich nicht einmal. „Als ich Anfang der 80er Jahre auf einer Autobahn nahe Tokio erstmals einen Cosmo sah, war es um mich geschehen“, erzählt der Autonarr, „ich habe den Fahrer kilometerlang verfolgt und letztlich angehalten. Ich wollte wissen, was das für ein Auto ist. Den musste ich einfach haben. Nach eineinhalb Jahren hatte ich den Mann dann endlich soweit.“ Der Eigentümer wollte seinen Cosmo eigentlich nicht verkaufen, brauchte jedoch Geld für seine Hochzeit. Ein ähnliches Schicksal ereilte Senji Hoshino ein paar Jahre später. Er hatte bereits geheiratet und wollte sein erstes Eigenheim bauen. Als er jeden Yen zusammenkratzte, musste auch der geliebte Cosmo dran glauben. Doch längst war der Werkstattmeister aus Maebashi unheilbar mit dem Wankel-Virus infiziert.

Kaum wieder liquide, sprang er erneut auf den Cosmo-Zug auf und machte den Rotationskolbenmotor zu seinem Lebensinhalt. Heute ist Hoshino weltweit ein gefragter Wankelexperte. Hat jemand ein wirklich kniffliges Problem mit Cosmo, Luce, Carol oder RX-7, gibt es für die Mazda-Fans nur einen Namen: Senji Hoshino. Selbst der Mazda-Konzern fragt ihn regelmäßig um Rat.

Hoshinos enormes Fachwissen hat sich mittlerweile auf dem ganzen Globus herumgesprochen. Im Wochenrhythmus werden per Kurierdienst in die abgelegene Provinz nördlich von Tokio Wankelkomponenten jeglicher Art geliefert. Wankeljünger aus den USA, Europa, Japan oder Neuseeland melden sich zumeist verzweifelt bei dem Cosmonauten der Neuzeit.

Doch nicht nur Motoren, Fahrwerke oder Karosserieteile werden zur Garage Star Field nach Maebashi transportiert. Jahr für Jahr bekommt der Wankel-Professor rund 50 Komplettfahrzeuge zur Instandsetzung. Einige Kunden wollen eine Inspektion oder kleinere Reparaturen an der Technik. Andere wünschen sich gleich die Komplettrestauration des eigenen Cosmo. „Die kann aufgrund des Aufwandes und der Nachproduktion von einzelnen Teilen schon einmal zwei Jahre dauern und bis zu drei Millionen Yen kosten“, erzählt Senji - umgerechnet rund 23.000 Euro. Ein gut erhaltener Mazda 110 Cosmo kostet in Japan leicht vier bis sechs Millionen Yen. In den USA oder Europa sind solche Modelle gar nicht zu bekommen.

Viel Arbeit bedeutet Hoshinos Unternehmen auch für seine Frau Kimiko, die das Ganze in einem winzigen Büro koordiniert. Ein Problem ist jedoch die Sprache. Weder Senji noch seine Frau sprechen Englisch. Bei den zahlreichen Anfragen per Mail müssen Freunde und Bekannte aus Japan und den USA helfen.

Die wirtschaftliche Automobilkrise geht an der Garage Star Field übrigens spurlos vorüber. Die Auftragsbücher sind voll, die Wartelisten für Ersatzteile und komplett neu aufgebaute Fahrzeuge lang. „Leute, die solche Autos sammeln, müssen nicht auf den letzten Yen schauen. Ich habe mehr als genug zu tun“, erzählt Senji Hoshino nüchtern. So hat er es in den letzten 15 Jahren zu einem ansehnlichen Privatfuhrpark gebracht. Sein eigener Cosmo mit dem Kennzeichen 58-89-17 sieht aus wie aus dem Ei gepellt. „Man muss sich nur einmal den Motor anschauen“, strahlt der Japaner mit dem polierten weißen Lack um die Wette, „da habe ich in den letzten Jahren einiges dran gemacht. Mehr Hubraum, mehr Leistung. Ist ein völlig anderes Fahren.“ Sein spektakulärstes Auto ist jedoch ein Tourenwagen-Prototyp des über 350 km/h schnellen Mazda 787 B. „Davon hat Mazda gerade einmal drei Stück gebaut. Einen von den Le-Mans-Rennern habe ich mir vor 13 Jahren von Mazdasport gekauft“, erzählt der Motorsportfan. Was er für diese Rarität ausgegeben hat? Das bleibt Hoshinos Geheimnis.
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Quelle: Autoplenum, 2009-10-28

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