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Testbericht

Susanne Kilimann, 20. Mai 2011
In Berlin ist dieser Tage die Zukunft der Mobilität zu Gast. Im Rahmen der Messe Challenge Bibendum präsentieren sich rund 280 Fahrzeuge auf dem Gelände des Flughafens Tempelhof - vom E-Bike bis zum schweren Truck.

Elektroflitzer mit drei oder vier Rädern, automobile Zwitterwesen - halb Buggy, halb Bike - putzige Kleinsttransporter und TukTuks, wie man sie aus asiatischen Ländern kennt, spektakuläre Sportwagen, Fahrräder, Busse und schwere Trucks: Auf den einstigen Start- und Landebahnen des historischen Flughafens in Berlin Tempelhof herrscht derzeit dichter Verkehr. Große Autobauer, aber auch Forschungsteams von Universitäten und etliche Kleinserienhersteller präsentieren rund 280 Fahrzeuge mit alternativen Antrieben. Der französische Reifenhersteller Michelin veranstaltet dieses Forum für nachhaltige Mobilität im Straßenverkehr in diesem Jahr zum elften Mal. In der Vergangenheit haben sich die innovativen Akteure aus Forschung und Industrie unter anderem in San Francisco, Shanghai und Rio de Janeiro getroffen.

Wie die Szenarien aussehen, die alle Akteure auf diesem Gebiet vor riesige Herausforderungen stellen, ist schon am Eingang zum Ausstellungsforum auf einer Schautafel zu sehen. 2050 werden rund neun Milliarden Menschen auf dem Globus leben – und die Zahl der Autos wird sich den Prognosen verschiedenster Untersuchungen zufolge bis 2030 nahezu verdoppelt haben. Wie diese anderthalb Milliarden Autos klimaverträglich bewegt werden sollen – den Stein der Weisen auf das drängende Problem haben natürlich auch die Experten auf dem Berliner Forum nicht dabei. Es wird ein Patchwork aus unterschiedlichsten Antriebstechnologien und Mobilitätskonzepten geben, das machen Veranstaltungen wie die Challenge Bibendum deutlich. Elektromobilität kann, weil sie lokal keine Emissionen verursacht, vor allem für die Ballungsräume und Megacities, deren Zahl stetig steigt, Entlastung bringen. Doch ein Allheilmittel ist die Elektrifizierung der Antriebe bekanntlich nicht. Wenn der Strom für Elektroautos hauptsächlich von Kohlekraftwerken produziert wird, ist die Bilanz der Stromer deutlich schlechter als die effizienter Verbrennungsmotoren, zeigen Audis Umweltexperten in ihren Präsentationen auf. So trägt der Elektrohype gerade in China, wo Strom extrem CO2-lastig produziert wird, derzeit nicht zu Effizienz und Nachhaltigkeit bei, sondern ist sogar kontraproduktiv.

Die Ingolstädter stellen in Tempelhof einen neuen Ansatz vor und erläutern ihr „e-gas“-Projekt. Dabei soll zum Beispiel mit sauberer Windkraft Strom erzeugt und zur Spaltung von Wasser in Sauerstoff und Wasserstoff genutzt werden. In einem zweiten Schritt führt man dem Wasserstoff Kohlendioxid zu. Bei dieser Reaktion wird das schädliche Klimagas gebunden und es entsteht Methan – synthetisch erzeugtes Erdgas - plus Wasser als Nebenprodukt. Durch dieses Verfahren der Methanisierung käme man der CO2-neutralen Mobilität einen Schritt näher. Im Gegensatz zum rein elektrisch angetriebenen Fahrzeug, das den Strom aus sauberer Quelle direkt nutzt, hätte man es bei den e-Gas Autos, die sich an jeder beliebigen Erdgastankstelle bedienen können, weder mit eingeschränkten Reichweiten noch mit den exorbitanten Kosten für die Batterie zu tun. Audi startet dazu in diesem Sommer ein Pilotprojekt. Die Anlage, die ihren Strom von drei Windrädern in der Nordsee bezieht, soll e-gas für 1500 Fahrzeuge mit einer Jahresleistung von 15.000 Kilometern liefern. So interessant der Vorstoß auch ist, macht er gleichzeitig deutlich, dass es Windparks von völlig unrealistischen Dimensionen bedürfte, wollte man beispielsweise alle Autos in Deutschland mit diesem Stoff versorgen.

Für die Experten des Prognoseunternehmens IHS Automotive könnte das breite Spektrum neuartiger Assistenzsysteme, die auf dem autonomen Datenaustauschs zwischen den Fahrzeugen basieren, einen Lösungsschlüssel bieten. Fahrzeuge, wie man sie heute auf den klassischen Automobilmärkten USA, Europa und Japan kennt, bringen so viel Masse auf die Waage, um ihren Insassen im Crashfall höchstmöglichen Schutz zu bieten. Wenn Assistenzsysteme, wie etwa Kollisionswarnsysteme solche Störfälle von vornherein verhindern, bräuchten Autos ihren schweren Schutzpanzer nicht, könnten halb so schwer sein wie heute übliche Durchschnittsmodelle und somit einen westlichen Beitrag zur Verbrauchsreduktion leisten, so Phil Gott, Managing Director des Beratungsunternehmens. Allerdings könnten solche abgespeckten und kommunikativ hochgerüsteten Fahrzeuge nur in Schwellenländern mit bislang geringer Fahrzeugdichte eine vernünftige Antwort auf die Effizienzprobleme geben, räumt Gott ein. „Denn diese intelligenten Technologien können ihre Stärken nur ausspielen, wenn möglichst alle Fahrzeuge damit ausgestattet sind, um überhaupt untereinander Kommunizieren zu können.“

Die Erwartung, Elektromobilität könnte die Verkehrslandschaft in wenigen Jahrzehnten komplett revolutionieren, dämpfen die IHS-Experten deutlich. In Zukunft werden zwar rund 20 verschiedene Antriebs- und Kraftstoffarten miteinander konkurrieren. Aber auch 2030 werden noch 69 Prozent aller Fahrzeuge weltweit mit Benzin- und 18 Prozent mit Dieselantrieb fahren. Der Anteil von Erdgasautos werde bei rund drei, der von Ethanolfahrzeugen bei knapp sechs Prozent liegen. Elektrisch angetriebene Fahrzeuge werden global gerade einmal zweieinhalb Prozent zum motorisierten Individualverkehr beitragen, so die IHS-Prognose. Nur wo die Politik ihre Instrumentarien zur Marktregulierung voll einsetzt, könnten neue Technologien beschleunigt in die Märkte starten. Andernfalls sei der Prozess äußerst zäh.

Die Hersteller der neuen Elektromobile genießen derweil die Euphorie, die Pionierzeiten mit sich bringen. So haben Besucher Gelegenheit, nicht nur die Stromer der großen Autobauer – Mitsubishi iMIEV, Peugeot ion, Audi e-tron, Nissan Leaf & Co zu testen, sondern mit allerhand Modellen neuer Anbieter eine Runde zu drehen. Mit Mia zum Beispiel, einem Dreisitzer mit pfiffigem Raumkonzept, der auf dem Genfer Autosalon Premiere feierte und demnächst in Serie geht. Oder mit SAM – drei Räder, zwei Tandemsitze, 80 Kilometer Reichweite. Erfinder Karsten Kley hat sich ein Konzept ausgedacht, das Elektrofahrern kleine Ausflüge mit SAM schmackhaft machen soll. Er will Gastronomen für seine Idee begeistern: „Während Sie speisen, bekommt Ihr Auto eine Gratisportion aus der Steckdose.“
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Quelle: Autoplenum, 2011-05-20

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