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Testbericht

19. Juli 2016
Sicher ging mir ordentlich die Klammer, aber nicht weil ich einen Rennwagen fahren sollte. Ich bin in meinem Berufsleben viele sehr schnelle Autos mit einer Menge PS gefahren, wenn auch nur wenige echte Rennwagen und ich hab auf vielen Rennstrecken meine Runden gedreht, aber eben noch nie auf dem Bilster Berg. Eine feine, 4,2 Kilometer lange Rennstrecke irgendwo im Nirgendwo hinter Paderborn zwischen Steinheim und Bad Driburg, die Kollegen begeistert die kleine Nordschleife nannten. Kannten Sie nicht? Ich auch nicht. Was mich eher nervös machte, war das Tamtam in der Redaktion VOX auto mobil. Die konspirativen Blicke und das "Wir-können-dir-nicht-genau-sagen-was-wir-vorhaben-Getue“. Herrgott, ihr werdet mich doch kein Rennen gegen Lance fahren lassen? Der Typ hätte fast das 24h-Rennen am Nürburgring gewonnen. Eisernes Schweigen.

Eigentlich waren wir nur da, den M4 GTS zu testen
Also, am Bilster Berg hatte die BMW-Renntruppe für ein paar Tage ihr Lager aufgeschlagen, um versierten Auto-Journalisten die Möglichkeit zu geben, ein echtes Rennbiest zu pilotieren. Dass Lance den BMW M4 GTS und ich den M6 GT3-Rennwagen fahren sollte, war gesetzt. Wobei wir im Grunde nur da waren, um das Potenzial des M4 GTS auszuloten. Jubel, Trubel, Heiterkeit, soweit so schön, aber wieso guckt Lance so maliziös? Aufmunternde Worte des Teams wie "Entspann dich Alex, es wird schon nicht schlimm“ helfen dann nur bedingt. Sowas sagt mein Zahnarzt auch. Und der lügt.

Der Plan: Ein Rennen zwischen Autotester und Rennprofi
Die VOX-Bande wollte also wirklich ein Rennen zwischen Lance und mir mit ungleichen Waffen. Dabei lautet die erste Regel eines professionellen Autotesters: Schmeiß die Kiste nicht weg – schon gar nicht einen Rennwagen im Wert einer schicken Vorstadt-Villa. Auf ein Veto der BMW-Jungs wegen "is-zu-gefährlich“ (was "kann zu teuer werden“ meint) konnte ich mich nicht verlassen. Die freuten sicher eher.

Lance David Arnold: saulustig und ernsthaft schnell
Und dann war da eben immer noch Lance, den ich für einen der besten Rennfahrer halte. Er ist nicht nur ein saulustiger Kerl, er ist auf der Nordschleife ein Gott und seine Drifts kannst du später einen nach dem anderen mit dem Zentimeter-Maß abstecken. Er ist Profi-Rennfahrer und ich professioneller Autotester. Das sind zwei völlig verschiedene Ansätze. Ich kann fühlen und erklären wieso ein Auto sich so oder so verhält. Dafür muss ich schon mal ordentlich schnell, aber nicht zwingend der Schnellste sein. Genau das ist aber Lance Job, und er macht dabei Dinge, die sind selbst der Autotechnik und ihm manchmal unerklärbar. Lance ist keiner, dem das Fernsehen aufwendig den Nimbus des Auto-Virtuosen herbeiscripten muss, er ist es einfach und die Kamera muss nur noch draufhalten.

Straße gegen Rennauto: BMW M4 GTS gegen M6 GT3
Unser VOX-Redakteur Carl Lehmann machte die Ansage: "Also ihr zwei tretet heute gegeneinander an. Alex im Rennwagen und Lance im M4 GTS. Die Disziplinen lauten: Beschleunigung, 18-Meter-Slalom und abschließend ein Rennen auf der Strecke. Wir wollen testen wie sich ein moderner, rennstreckenfähiger Straßensportwagen mit 500 PS gegen einen richtigen Rennwagen schlägt – selbst wenn dessen Fahrer eben kein Rennfahrer ist.“ Ist die Maschine also wichtiger als der Mensch oder umgekehrt? Wir sollten es herausfinden. Lance schmunzelte nur entspannt aus seinem Polohemd, während ich mich mühsam in die Rennmontur zwängte. Nun sind die Jungs von BMW nicht mit dem Klammerbeutel gepudert. Die stecken einen ja nicht sofort in den Rennwagen und sagen: "Fahr los, wird schon gut gehen, wir haben ja genug M6 GT3 in großen Zehner-Blister-Verpackungen rumstehen.“

Ein M235i zum Üben. Yeah!
Nein, ich fing erstmal klein(er) mit einem M235i an. Sympathisches kompaktes Flügel-Ding mit 333 PS, Automatik, Slicks und Sicherheitskäfig – aus dem ich beim ersten Notausstiegs-Check rauspurzelte wie ein Betrunkener aus dem Bierzelt. Prost! Dieser Check ist Pflicht: In sieben Sekunden musst du laut Rennregularien aus dem Käfig draußen sein, die Kür sind fünf. Ich lag nach acht Sekunden auf dem Boden mit strampelnden Füßen und einem fetten Kameraobjektiv in der Fresse. So läuft das im Fernsehen: Wenn’s schiefgeht freut sich die Crew. Drama Baby! Beim zweiten Mal klappte es stehend in fünf Sekunden und ich durfte mit einem Guide vorweg auf die Strecke.

Bilster Berg diesmal ohne Mausefalle
Erstmal an die Slicks, die Rennbremsanlage und vor allem den Kurs gewöhnen. Die wirklich anspruchsvolle Bilster Berg-Strecke war für diesen Trackday etwas verkürzt worden. Das schwierige Stück namens Mausefalle bei dem du erst niagaramäßig mit 26 Prozent Gefälle in eine Linkskurve abstürzt, bevor es sofort steil wie die Eiger Nordwand nach oben geht, wurde aus Sicherheitsgründen ausgespart. Trotzdem blieben mit der langen Mutkurve und einigen fisseligen blinden Stücken noch genug Gemeinheiten übrig.Der M235i, sein Sechszylinder und ich fingen an uns zu mögen. Die Slicks packten mit steigender Temperatur vehement in den Asphalt und die Kraft war so dosierbar, dass unschöne Karussellfahrten ausblieben. Ach was, das Adrenalin pulsiert in deinen Adern und verbindet sich mit der Agilität und der Präzision des kleinen Bayern zu einer berauschenden Mixtur. Es fühlt sich genau so an, wie du dir als kleiner Bub dieses Rennerles fahren vorgestellt hast. Aber glaub nicht, dass Slicks nicht driften können. Sie machen es auch, nur anders, schlagartiger und dann wenn du es eigentlich nicht mehr erwartest. Der Grenzbereich ist eben kein Bereich, sondern ein Grat.

M6 GT3 mit V8, M4 GTS mit 500-PS-Reihensechser
Derweil wartete der M6 mit seinem ehrfurchtsgebietenden V8-Motor. Was nochmal eine ganz andere Baustelle ist, wie er so tief und breit wie ein Komodo-Waran auf Beute – ergo mich – lauerte. Dagegen war der M235i nur ein kleiner süßer Gecko. Lance fuhr schon mal ein paar lustige Runden im 500 PS starken M4 GTS. Auch für ihn der schon so viele Rennen gefahren ist und privat nicht zwingend untermotorisiert reist, ist dieser limitierte Wagen etwas Besonderes. Das tiefere Setup, die Cup-Reifen, der martialische Heckflügel und der Reihen-Sechszylinder mit zwei Ladern der dank Wassereinspritzung nochmal brutaler zupackt.

Wassereinspritzung für mehr Leistung
Die Wassereinspritzung ist nun beileibe keine neue Technik-Idee, aber BMW packt sie zur rechten Zeit der hochaufgeladenen Motoren wieder aus. Ein dosierter Wassernebel zusammen mit dem Gemisch eingespritzt, kühlt über Verdunstung die Verbrennung, verringert damit die Klopfneigung und erlaubt somit einen früheren Zündzeitpunkt, eine höhere Verdichtung sowie einen höheren Ladedruck. Das alles bringt Leistung, Effizienz und hoffentlich auch Lebensdauer. Das ursprüngliche Konzept sieht dabei vor, dass Kondenswasser der Klimaanlage entnommen wird. Das reicht bei einem Rennwagen bei weitem nicht aus. Also sitzt unterhalb des Kofferraumbodens ein Tank der wie bei Muttis Bügeleisen mit destilliertem Wasser befüllt wird. Danach bügelst du mit dem 140.000-Euro-Bayern die Falten aus der Strecke. Einige Runden, dann musst du wieder nachkippen.

Alle 700 M4 GTS sind ausverkauft
Bevor ich hier aber Kaufgelüste für diesen großartigen Wagen wecke (Lance war auch schon ganz wuschig): Alle 700 sind ausverkauft und wie uns der BMW-Pressesprecher erklärte, bringt es auch nix einen Koffer mit 200.000 Euro Bargeld auf den Tisch zu knallen. Weg ist weg, schade. Wenigstens können wir noch mal genüsslich die Hände in sein rundes Wildleder-Lenkrad krallen.

Verbotene Verstellknöpfe im GT3-Rennwagen
Das Lenkrad meines M6 GT3 ist eckig und aus Karbonfaser und weist erheblich mehr Knöpfe auf als die des M235i und des M4 sowieso. Wer mag kann während der Fahrt sechsstufig die Wirkung des ABS und der Traktionskontrolle einstellen oder an der Bremsbalance rumbasteln. Dabei zaubert nur ein kleiner Scherz darüber, ein Gewitter in das Gesicht des Renningenieurs. Aye, aye Sir: Für mich gibt es nur den blauen Speedlimiter-Knopf für die Boxengasse und den Radio-Drücker zur Kommunikation. Und natürlich die herrlich satt klickenden Alu-Schaltwippen.Ein paar Runden im M6 mussten zur Eingewöhnung reichen. Tief beeindruckt vom Grip-Niveau und der Bremsleistung stieg ich mit einer gewissen Euphorie und einem roten Kopf aus dem Wagen, als hätte man einem kleinen Jungen gerade einen schmutzigen Witz erzählt – einen sehr schmutzigen.

1. Disziplin Slalom: Für den Autotester Alltag
Dann ging’s runter zum Slalom-Vergleich. Ausnahmsweise etwas das ich Lance voraus habe. Für Testberichte beim auto motor und sport channel (läuft 24h am Tag bei Unitymedia) muss ich Dutzende von Testwagen pro Jahr durch das Hütchenspiel jagen. Ein Rennfahrer braucht das nicht, da plötzlich auftretende Slalomkurse bei Rennen doch eher selten sind. Im Slalom zählen vor allem das Fahrwerk und die ESP-Abstimmung, aber eben auch die Abmessungen des Autos und die Leistung eher gar nicht. Ein scharfer Mini kann dabei Supersportwagen verhauen. Der M6 ist breit und lang, hat einen sehr eingeschränkten Lenkwinkel und aus dem Cockpit heraus bist du für die Hütchen fast blind. Punkte die Lance genau adressierte. Sein Fazit: Der M4 GTS gewinnt das Hütchen-Spiel. Mein Fazit: Ich reiß mir im M6 den Arsch auf.Es wurde ein verdammt enges Höschen. Lance zirkelte den M4 erwartungsgemäß schnell um die Pylonen, hatte aber mit dem etwas erhöhten Wegschmieren der Cup-Reifen zu kämpfen. Ich sah nur die Pylonen ganz weit hinten, die relevanten vorne lenkte ich aus dem erlernten Rhythmus-Gefühl heraus an. Immer darauf bedacht, bloß keine harten Lastwechsel zu provozieren. Den Rest regelten die Slicks mit phänomenalem Grip. So ging dieses Duell unentschieden aus. Was uns beide ziemlich überraschte oder wie Lance es ausdrückte: "Das käst mich jetzt wirklich an.“

2. Disziplin: Beschleunigungsrennen
Nächste Disziplin: Beschleunigungsrennen. Nach einem kurzen Plausch mit den BMW-Jungs war klar, dass ein stehender Start nicht in Frage kam, da er mehrfach durchgeführt für die Rennkupplung viel zu viel Stress bedeutet. Die wurde uns sonst abrauchen wie ein Maifeuer. Also einigten wir uns auf einen fliegenden Start aus 60 km/h heraus. Traktion spielt bei diesem Tempo keine Rolle mehr, sondern nur das Leistungsgewicht. Der M6 wiegt 200 kg weniger als der M4 und hatte laut BMW-Crew im eingesetzten Nordschleifen-Setup auch nur 500 statt maximal 580 PS. Gemessen hat’s keiner. Trotzdem: Für diese Übung brauchst du keinen Rennfahrer, um gut auszusehen. Die würde selbst meine Oma im M6 gewinnen, wenn du ihr sagst, sie muss an den kleinen Paddle neben dem Lenkrad ziehen, wenn es rot blinkt. Das wusste auch Lance und so überraschte uns der relativ kleine Abstand von einer Wagenlänge am Ende der Geraden nicht.

3. Disziplin: Das Rennen
Das Rennen. Meine Pumpe pulsierte im Begrenzer. Ich wollte einfach nur ankommen. Da standen sie alle an der Boxenmauer, die Renningenieure, Presseleute und Kameracrew und alle würden sie zusehen wie Lance mich im M4 abschlachtet. Zuviel Tiefstapelei? Nochmal: Ich weiß wie schnell dieser Typ ist und wie er für eine bessere Platzierung auch mal seinen Selbsterhaltungstrieb beiseite schiebt. Ich dagegen habe einen gesunden Selbsterhaltungstrieb und der stellte sich breitbeinig vor mein Stammhirn und sagte: Du musst nicht schneller sein. Und so war ich fast schon erleichtert, dass Lance einen ordentlichen – du kleine miese Duisburger Pocke – Frühstart hinlegte. So konnte ich mir Linie und Tempo erstmal in Ruhe von hinten anschauen. Sah wie er in den engen Passagen cuttete, machte es also auch. Sah, wie er auf der Gerade gut mithielt, der M6 aber spürbar nach mehr drängte.

Der M6 GT3 will vorbei. Gewinnen
Weniger Gewicht, höherer Anpressdruck und vor allem besserer Grip wollten ihren Erfolg. So spürte ich, wie Lance in der langen, schnellen rechts von seinen Cupreifen auf eine weitere Linie gezwungen wurde. In diesem Moment verpasste ich meinem Selbsterhaltungstrieb einen Tritt in den Hintern und zog innen vorbei. Was soll ich sagen? So was fühlt sich großartig an. Vor allem wenn der M4 GTS im Rückspiegel immer kleiner wird. Leider schaute ich genau in dem Moment nicht in denselben als das Heck des M4 zentimeternah m Objektiv eines Kameramannes vorbeirauschte und der sich mit einem beherzten Sprung in Sicherheit brachte. Kommentar Lance: "Wie geil, ich musste mitten im Drift runterschalten.“
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Testwertung
4.5 von 5

Quelle: auto-motor-und-sport, 2016-07-19

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