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Testbericht

3. Februar 2014
Aus den Anfangstagen automobiler Fortbewegung sind insgesamt verdächtig wenig Geschichten überliefert, in denen Motoristen Pferde als Range Extender im Schlepptau führen. Reichweitenangst war Ende des 19. Jahrhunderts offensichtlich noch kein Thema, obwohl Benzin in kleinen Flaschen über ein dünnes Apotheken-Netz mit unsicheren Öffnungszeiten vertrieben wurde, während die Heu-Infrastruktur vor allem im non-urbanen Umfeld prächtig ausgebaut war. Okay, die Zeiten ändern sich, über den BMW i3 mit Range Extender lässt sich dennoch streiten. Verwässert der zusätzliche Verbrenner das Konzept vom lokal emissionsfreien Fahren, oder stellt BMW eine geniale Brückentechnik zur Verfügung, die den Hauptnachteil von Batterieautos ausgleicht?

Bis zu 300 km sind selbst im Winter drin Schauen wir zunächst auf die Daten: Mit dem Energiegehalt des netto 18,8 kWh großen Akkus kommt der BMW i3 auf der ams-Elektrorunde 146 Kilometer weit, um anschließend mit neun Litern Sprit nochmals 160 Kilometer dranzuhängen. Bei jeweils betont sparsamer Fahrweise sind selbst im Winter 300 Kilometer drin, womit der Aktionsradius erstwagentaugliche Dimensionen erreicht. Zudem lässt sich der Benzintank an jeder Zapfsäule binnen Minuten füllen, was lange Fahrten theoretisch ermöglicht –wenn auch mit vielen Unterbrechungen. Andererseits treibt der Range Extender im Heck den Preis des teuren BMW i3 um weitere 4.500 Euro nach oben. Ein mit 170PS und 250Nm gleich starker 118i kostet als Viertürer samt Achtgang-Automatik über 10.000 Euro weniger und lässt Luft für den 60PS starken Maxi-Roller C 600 Sport, den BMW ebenfalls als Lösung für die Probleme verstopfter Innenstädte anpreist. Szenenapplaus im Biker-Biergarten dürfen Fahrer des 249 Kilo schweren Roller-Mops zwar nicht erwarten, einfache Handhabung schon: So sprechen das stufenlose Automatikgetriebe und die beim Ausklappen des Ständers arretierte Handbremse komfortverwöhnte Auto-Umsteiger ebenso an wie die beheizbaren Griffe und die Sitzbank. Auch das verstellbare Windschild verlängert die Zweiradsaison bis weit in den Herbst. Vom Edel-Scooter stammt übrigens der 647 cm³ große Zweizylinder, der – auf 34PS gedrosselt – im BMW i3 Strom erzeugt.

BMW i3 begeistert mit Raketenstarts Was nicht zu Lasten des Fahrspaßes geht. Benziner, Tank und Generator erhöhen zwar das Leergewicht um rund 120 Kilo, womit der Viersitzer in 8,3 Sekunden – statt 7,5 wie die reine E-Variante – auf Tempo 100 spurtet. Doch damit liegt er auf dem Niveau des 118i, der in konventioneller Stahlbauweise gut 62 Kilo mehr wiegt. Auch mit Range Extender begeistert der BMW i3 durch seine Raketenstarts, die eine Umstellung des Fahrstils erfordern: Wer bei Gelb Vollstrom gibt, hat die Kreuzung bereits überquert, bevor die Ampel auf Grün springt. Bis der Verbrenner im 118i so richtig verbrennt und sein Drehmomentwandler wandelt, surrt der ansatzlose BMW i3 schon auf Stadttempo. Auf der Autobahn dreht sich jedoch der Wind. Oberhalb von 100km/h, wo es im BMW i3 langsam zäh wird, legt der 1er mühelos und bis 222km/h zu. Bei einem Testverbrauch von 8,8 L/100 km reicht sein Tank für 590 Kilometer. Beim i3 ist zugunsten der Reichweite bei Tempo 150 Schluss.

BMW i3 mit kräftigem Range Extender Bei allem Lob, das Achtgang-Automatik und 1,6-Liter-Turbo normalerweise einheimsen: Gegen den schaltruckfreien, bei niedrigem Tempo nahezu unhörbaren BMW i3-Antrieb wirkt der 1er rau und knochig. Selbst wenn sich der Range Extender zuschaltet, lässt das Komfortgefühl kaum nach. Je nach Strombedarf brummt der Zweizylinder zwischen sehr dezent und immer noch erträglich. Lauter als im 1er wird es jedenfalls nicht. Darüber hinaus beeindrucken die Fahrleistungen des BMW i3 selbst dann, wenn der Strom fast ausschließlich vom Verbrenner kommt. Bei einer Batterieladung von nur noch zwei Prozent und auf Hochtouren rotierendem Range Extender spurtete der Carbon-Zwerg im Test in 8,7 Sekunden auf Tempo 100 – und damit kaum langsamer als mit randvollem Akku. Trotzdem empfiehlt es sich auf längeren Strecken, den Benziner manuell hinzuzuschalten, um die Leistungsfähigkeit zu erhalten – bei leer genuckeltem Stromspeicher schafft der BMW i3 nur noch 120km/h. Was immerhin ausreicht, Schweißausbrüche durch formatfüllende Lkw-Kühler im Rückspiegel zu verhindern. Wer den Range Extender voll auspresst, kommt jedoch keine 160, sondern höchstens 100 Kilometer weit. Tankstopps wollen gut geplant sein, je nach Abstand der Rastanlagen heißt es: bei jeder Gelegenheit raus.

Keine Angst vor dem Liegenbleiben Bleibt daher die Frage, warum BMW nicht einfach ein größeres Benzinreservoir einbaut. In den USA bekommt der i3 nur dann Vergünstigungen, wenn die Spritreichweite nicht über der des Akkus liegt. Okay – ein 25-Liter-Options-Tank für Europa würde die Nutzbarkeit jedoch extrem erhöhen. Doch BMW sieht den i3 nicht als Langstreckenläufer. Die mitgeführten Benzin-Pferde sollen Interessenten mit zu wenig Strom im Blut lediglich die Angst vor dem Liegenbleiben nehmen – was immerhin so gut funktioniert wie das gesamte Auto.

BMW i3, 118i & C 600 Sport Auch wenn er sich per Range Extender für längere Strecken wappnet, fühlt sich der BMW i3 in der Stadt am wohlsten. Dort punktet er mit seinem Mini-Wendekreis von 9,70 Meter gegen den 118i, der zum Umdrehen 11,20 Meter oder mehrere Züge benötigt. Zumindest bei schönem Wetter geht die Fahrspaßwertung dennoch an den luftigen C 600 Sport. Wer mit dem 60-PS-Roller durch die City cruisen möchte, benötigt jedoch einen Motorradführerschein. Autofahrer, die ihren Führerschein vor dem 1. April 1980 gemacht haben, können aber eine vereinfachte Zweiradprüfung ohne Theorieteil ablegen und anschließend Maschinen mit bis zu 48PS und 175 Kilo Mindestgewicht fahren. BMW bietet daher eine entsprechend gedrosselte Variante des C 600 Sport an.

Die Technik des i3 mit Range Extender Wie sein Bruder mit rein elektrischem Antrieb setzt die Range Extender-Variante des BMW i3 auf ein Aluminium-Chassis, das die gesamte Antriebstechnik beherbergt. Auf diesem Fahrgestell befi ndet sich die viertürige Karosserie aus leichtem und stabilem Carbon. Der Range Extender mit 647 cm³ Hubraum und 34PS ist neben dem Elektromotor im Heck oberhalb der Hinterachse untergebracht. Dort treibt er einen zusätzlichen Generator an, um den Strom für den eigentlichen Antriebsmotor zu erzeugen. Den BMW i3 direkt mit dem Zweizylinder-Reihenmotor zu betreiben, ist nicht möglich. Dies würde zwar den Wirkungsgrad erhöhen, für den überwiegend vorgesehenen Elektro-Modus jedoch nur zusätzlichen Ballast (Kupplung, Getriebe) bedeuten. Der wassergekühlte Vierventiler versorgt sich aus einem neun Liter großen Benzintank, der im Frontbereich untergebracht ist und über einen separaten Tankstutzen befüllt wird. Bei nahezu leerer Batterie reichte die Leistung des Range Extenders im Test noch für eine Höchstgeschwindigkeit von rund 120km/h, weswegen der BMW i3 selbst dann auf der Autobahn kein Sicherheitsrisiko darstellt. Wer eine längere Strecke plant, tut jedoch gut daran, schon früh den Range Extender hinzuzuschalten, damit möglichst lang die volle Akku-Kraft zur Verfügung steht.
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Quelle: auto-motor-und-sport, 2014-02-03

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