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Testbericht

5. Januar 2011

Besonderer Geschmack war schon immer etwas teurer? Nicht unbedingt. Der hierzulande eher seltene Jaguar XF 3.0 Diesel und der allgegenwärtige BMW 525d kosten ähnlich viel. Damit wird der XF zum ernsthaften Konkurrenten der deutschen Nobel-Gesellschaft - eine reizvolle Überlegung

Jaguar mit Luxus und eigenwilliger Raumökonomie Beim Wohlfühl-Faktor übertrifft der Jaguar XF den nüchternen BMW 5er sogar. Schon das Schauspiel der sich öffnenden Lüftungsdüsen, des ausfahrenden Gang-Drehstellers oder die erhabene Nachtbeleuchtung - als würde der Dramaturg dem Kunden auf die Schulter klopfen und sagen: "Richtig entschieden". Dem hat BMW 5er im Test nur die architektonische Coolness qualitativ hochwertiger Materialien entgegenzusetzen - ohne den Kick des Besonderen. Im Gegenzug muss man allerdings die eigenwillige Raumökonomie des Jaguar XF 3.0 Diesel akzeptieren. Man fühlt sich in der Fünf-Meter-Limousine nicht beengt, aber von Türverkleidung und Mittelkonsole durchaus umarmt. Vier Personen sind komfortabel untergebracht, die hinten Platzierten sollten jedoch keine Sitzriesen sein. Dem stellt der BMW 525d vor allem im Fond deutlich mehr Üppigkeit entgegen. Keine Bedienrätsel im BMW 525d Und während die BMW-Bedienung nicht zuletzt durch die neu eingeführten Menü-Tasten rund um den Kontrollknopf gewonnen hat, triezt der Jaguar XF seinen Fahrer im Test mit verschachtelten Menüs sowie zeitraubender Eingabe via Touchscreen-Monitor. Doch es gibt bei der XF-Bedienung auch Ähnlichkeiten mit dem 5er: Der neue Wählhebel der Automatik gleicht dem i-Drive-Dreh-Drücksteller von BMW. Nachdem i-Drive keine Rätsel mehr aufgibt, erfordern nur noch die Fahr-Assistenzsysteme wie Spurverlassenswarnung oder etwa Nachtsichtgerät Anleitung. Mit dem Surround View kann man sich zudem aus der Vogelperspektive selbst beim Einparken filmen. Oder vom Parkassistenten gesteuert rangieren lassen. Solche technischen Finessen bietet Jaguar nicht an. Daneben gibt es beim BMW 525d vierfach verstellbare Stoßdämpfer (1.300 Euro) BMW 525d wirkt wie ein schwerer Wagen Auf Komfort reagiert die BMW 5er-Federung im Test nur bei kleinen Unebenheiten polterig; ein Phänomen, das die Runflat-Reifen mit ihren steifen Flanken hervorrufen. Lange Bodenwellen verdauen die Dämpfer dagegen kaum merklich. Es kann allerdings passieren, dass sie auf hohen Absätzen durchschlagen. Und: BMW-typische Dynamik sucht man vergebens. Zu finden ist sie unter der Stellung Sport; dann reagiert der BMW 525d deutlich präziser, lenkt satt und kraftvoll ein. Doch der sänftige Komfort weicht deutlicher Straffheit. Und immer noch filtert die elektrisch unterstützte Lenkung den Kontakt zur Straße heraus - stärker als bei früheren Modellen. Obwohl er die Fahrdynamik-Übungen im Test schneller meistert als der Jaguar XF, fühlt sich der BMW 525d dabei wie ein schwerer Wagen an. Die markentypische Behändigkeit bietet ein 5er offensichtlich nur mit der tempoabhängigen Aktivlenkung (1.750 Euro) und der Wankstabilisierung Adaptive Drive (3.000 Euro).

Jaguar XF verbraucht mehr Der BMW-Dreiliter-Reihensechszylinder mit 204 PS geht im Test so kraftvoll wie gleichmäßig zur Sache, auf die harte Verbrennung des Selbstzünders weist nur dezentes Knurren hin. Zudem wechselt die Achtgangautomatik (Steptronic: 2.350 Euro) die Fahrstufen nahezu unmerklich und senkt im langen achten Gang Drehzahl samt Verbrauch. Um die aerodynamische Effizienz zu erhöhen, öffnen und schließen sich Luftklappen hinter dem Kühlergrill. Außerdem speist Bremsenergie die Zwölf-Volt-Batterie und entlastet so die Lichtmaschine. Beides soll den Kraftstoffverbrauch senken; im Testmittel benötigt der BMW 525d mit 8,6 L/100 km immerhin knapp einen halben Liter weniger als der Jaguar XF (9,0 L/100 km). Der Vorzug des Jaguar-Triebwerks ist keine rekordverdächtige Sparsamkeit, sondern Laufruhe. Trotz V-Bauweise eifert der Dreiliter-Sechszylinder im Test dem seidigen Lauf des BMW 525d nach. Gelassenheit und Harmonie verbreiten sich; der leichtfüßig antretende V6 passt perfekt zu der optisch drahtigen Limousine. Und die unauffällig waltende Sechsstufen-Automatik legt zielsicher, wenn auch nicht ganz so sachte wie das ZF-Getriebe des 5er den passenden Gang ein. Fahrspaß im Jaguar XF Strömt der Jaguar XF 3.0 V6 Diesel auf der Autobahn noch mit der stoischen Ruhe einer Reiselimousine dahin, so steppt er kurze Zeit später freudig über die Landstraße. Ganz im Zeichen der angestrebten Sportlichkeit überspielt der Jaguar XF 3.0 V6 Diesel seine 1,9 Tonnen im Test mit querdynamischem Tatendrang und integriert den Fahrer in den Informationsfluss - so weit, dass die Lenkung bei Bodenwellen teilweise schlägt. Das Fahrwerk dagegen bleibt ruhig und bietet selbst ohne verstellbare Dämpfer und teure Dynamik-Extras einen gelungenen Kompromiss - trotz optionaler 19-Zoll-Niederquerschnittsrei-fen (760 Euro). Dass er ausstattungsbereinigt günstiger ist als der BMW, hätte man angesichts des Luxus-Nimbus von Jaguar wohl kaum vermutet.

BMW 5er siegt nach Punkten Dass der Jaguar XF 3.0 V6 Diesel allerdings doch nicht zur Sparversion einer Oberklasse-Limousine wird, zeigt sich spätestens bei den laufenden Kosten: Sowohl die Versicherungsprämien als auch die Wartungskosten liegen über denen des BMW 5ers. Dennoch erweist sich der Jaguar XF im Test als reiz- und stilvolle Alternative, vermittelt das erhebende Bewusstsein des Besonderen. Nach Punkten ist der 5er zwar die bessere Wahl - im Sinne der Exklusivität jedoch sicher nicht. Er taucht im Straßenbild unter, wohingegen der XF als Seltenheit hervorblitzt. Noch ist es also Insider-Wissen: Einen besseren Hingucker hat Jaguar in dieser Klasse nie gebaut.

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Quelle: auto-motor-und-sport, 2011-01-05

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