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Testbericht

18. März 2012

So sanft die Schneeflocken auf der Frontscheibe landen und über das Dach gleiten, so brutal werden sie vom Heck geschüttelt. Denn da steht 335i – ein Kürzel, das mehr als 300 PS und Heckantrieb ankündigt und nur zwei Reaktionen zulässt: anerkennendes Kopfnicken oder große Augen. Letztere sind mit dem schlichten Auftritt des stärksten neuen BMW 3er zu erklären, der trotz seiner üppigen Motorisierung auf breite Radhäuser, fette Schweller und große Lufteinlässe verzichtet. Mit den zusammengekniffenen Scheinwerfern – Xenonlicht kostet 980 Euro – nimmt er vor allem den potenten Mercedes C 350 ins Visier. Die Freude am BMW 335i beginnt schon beim Anlassen, denn während der Garagennachbar im neuen 328i dem banalen Summen eines Vierzylinders lauscht, säuselt hier ein Dreiliter-Reihensechszylinder feinster Sorte. Passend zur eigenen Tageslaune stellt man sich dabei die Seitenwangen der Sportsitze (Bestandteil des 1.900 Euro teuren Sport-Pakets) straff und lässt voller Vorfreude die Nadel im Drehzahlmesser zucken.

Ist der Hintergrund der neuen Zifferblätter im BMW 335i schwarz gefärbt, lassen sie sich gut ablesen. Auch an der Übersicht der neu gestalteten Mittelkonsole gibt es nichts zu mäkeln, die nun einen aufgesetzten, rechteckigen 8,8-Zoll-Bildschirm mit hervorragender Bildqualität trägt – vorausgesetzt, man hat 2.390 Euro für das Navigationssystem Professional investiert. Mercedes-Navi fast 700 Euro teurer Im Mercedes C 350 ist der Guten-Morgen-Sound des V6 etwas zurückhaltender, das Cockpit etwas luftiger und der Bildschirm etwas kleiner, dafür der Aufpreis für das Comand-Navigationssystem (3.070 Euro) etwas höher. Dank der Multikontursitze für weitere 512 Euro lassen sich die vorderen Polster fast perfekt einstellen, während man im Fond nicht ganz so bequem logiert wie im gewachsenen BMW 335i. Auch sein Radstand wurde im Vergleich zum Vorgänger um fünf Zentimeter verlängert, was vor allem dem Ein- und Ausstieg hinten zugute kommt. Bei der Zuladung und vor allem bei der Verarbeitung ist der Mercedes C 350 besser: Im BMW 335i stört mal ein kleiner Grat, mal ein ungenaues Spaltmaß, mal wirkt die Narbung der Kunststoffe altbacken. Mercedes macht es solider, hochwertiger und eleganter. Über derartige Kritik setzt sich der BMW 335i im ersten Gang energisch, im zweiten brutal, im dritten überlegen hinweg. Innerhalb von gerade mal 5,1 Sekunden beschleunigt der rund 1,6 Tonnen schwere BMW 3er auf Tempo 100, dreht dabei ganz locker auf 7.000 Touren und zeigt dem fast gleich schweren Mercedes C 350 die Rückleuchten – vorausgesetzt, die Traktion stimmt, denn vor allem auf Schnee wird der Heckantrieb beiden zum Nachteil.

BMW 335i mit 400 Nm schon bei 1.200 Touren Der Mercedes C 350 hängt sich bei der Beschleunigung ebenfalls ordentlich rein, dreht gleichmäßig nach oben und zieht dabei ab rund 3.000 Umdrehungen schön sportlich. Bei den Sprintmessungen wird er trotzdem nur Zweiter. Sein 3,5-Liter-V6 arbeitet ohne Aufladung, daher sprudeln seine 370 Newtonmeter erst ab 3.500 Umdrehungen; in diesen Regionen drückt der BMW 335i längst mit 400 Newtonmeter, die dank zweiflutigem Turbo Twinscroll bereits bei 1.200 Touren willig ansprechen. Im Slalom überzeugt er mit einer bravourösen Leichtfüßigkeit. Lob verdient zudem die 2.260 Euro teure Achtgang-Automatik des BMW 335i (C 350: Siebengang-Wandler Serie), die die Gänge fast so zackig wechselt wie ein Doppelkupplungsgetriebe. Wer den BMW 3er über kurvige Straßen scheucht, muss sich vom Getriebe nicht bevormunden lassen und kann die Schaltpunkte per Lenkradwippen setzen – die hatte der Mercedes-Testwagen nicht. Einen weiteren Pluspunkt liefert der Eco-Pro-Modus im serienmäßigen Fahrerlebnisprogramm, der den BMW 335i zurückhaltender und sparsamer macht und sogar die hinzugewonnene Reichweite ausweist. Auf unserer Verbrauchsrunde liegt er mit 6,8 L/100 km jedoch knapp über dem Mercedes C 350, dessen Start-Stopp-Automatik (Serie) im Gegensatz zum BMW-System auch bei Minusgraden gut funktioniert.

BMW 335i mit komfortablerem Fahrwerk Besonders von der neuen Fahrwerks-Abstimmung hat der BMW 335i profitiert, der nun erstmals auf Knopfdruck (adaptives Fahrwerk: 1.100 Euro) komfortabler wird und auf langen wie kurzen Bodenwellen etwas ruhiger liegt als der Mercedes. Mit seiner optionalen Sport-Lenkung für 200 Euro können wir uns jedoch nicht recht anfreunden. Bereits die kleinsten Kursänderungen setzt sie so direkt und leicht synthetisch um, dass sich der Wagen nervös anfühlt und der Geradeauslauf leidet. Ganz nach vorn möchte BMW bei der Sicherheit, weshalb der 335i erstmals ein Auffahrwarnsystem – für 520 Euro im Paket mit Spurverlassenswarnung – erhält, das bei zu geringem Abstand optisch und akustisch warnt. Selbstständig eine Notbremsung einleiten – wie der Mercedes mit dem 2.321 Euro teuren Fahrerassistenz-Paket Plus – kann der BMW 335i nicht. Hat der C 350 alle Assistenten an Bord, hält er auch automatisch Abstand, was ihn bei der aktiven Sicherheit nach vorn bringt. Am Ende schafft es der BMW 335i trotzdem an die Spitze. Sein Innenraum ist luftiger, sein adaptives Fahrwerk etwas komfortabler, zudem fährt er auf Wunsch sparsamer oder aber bissiger – und damit lassen sich dann auch mehr Schneeflocken abschütteln.

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Quelle: auto-motor-und-sport, 2012-03-18

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