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Testbericht

4. Juni 2010

Und sie bewegt sich doch. Über 100 Kilometer hatte sich die Nadel der VW Passat-Verbrauchsanzeige im Vergleichstest keinen Mikrometer bewegt. Beharrlich zeigte sie einen randvollen Tank. Jetzt endlich ruckt sie einen winzigen Schritt weiter, und aus dem scheinbaren Perpetuum mobile wird ein real existierender Energieverbraucher. Aber was für einer. Sowohl der VW Passat Blue TDI als auch der BMW 320d Efficient Dynamics Edition dringen auf der Vergleichstestfahrt in Effizienz-Dimensionen vor, die vor einigen Jahren nur schwachbrüstigen Kleinwagen vorbehalten waren.

Test-Teilnehmer BMW 320d setzt auf Aerodynamik Das Attribut schwach nähme der BMW 320d ohnehin so übel, als hätte man einen Maßkrug als Kölschglas bezeichnet. Als besonders sparsame 109-Gramm-CO2-Variante liefert er zwar statt 184 nur 163 PS, doch die reichen im Vergleichstest immer noch locker, um den weißen Bayern in 8,1 Sekunden von null auf 100 km/h zu jagen. Anfang der neunziger Jahre wäre er damit als Sportwagen durchgegangen. Nur dass heute ein ganzes Füllhorn an Maßnahmen für weniger Verbrauch sorgt. Da wäre zum Beispiel die Aerodynamik: Die tiefergelegte Karosserie, die selbsttätig schließenden Luftklappen im Kühlergrill, die vergleichsweise schmalen 205er-Reifen und die optimierten 16-Zoll-Leichtmetallfelgen stellen dem Wind weniger entgegen. Schon unter Landstraßentempo fordert dessen Widerstand schließlich den größten Energie-Tribut. Doch während der cw-x-AWert (Luftwiderstandsbeiwert mal Stirnfläche) des BMW 320d Efficient Dynamics Edition bei hervorragenden 0,59 liegt, bietet der VW Passat Blue TDI außer den identischen rollwiderstandsoptimierten 205er-Michelin-Reifen keine dieser Maßnahmen. Selbst die Tieferlegung bleibt den Blue-Motion-Technology-Modellen vorbehalten. So erreicht er im Vergleichstest auch nur 0,67. Test-Kandidat VW Passat Blue TDI verzichtet auf ein Start-Stopp-System Weiter geht es beim BMW 320d mit der Start-Stopp-Automatik und einem speziellen Fliehkraftpendel, das zusammen mit dem länger übersetzten Sechsgang-Getriebe besonders niedrige Drehzahlen ermöglichen soll. Die innere Reibung eines Motors hängt schließlich direkt von der Drehzahl ab: je kleiner, desto besser. Schon knapp über 1.000/min beschleunigt der Vierzylinder-Diesel im Vergleichstest fast ruckfrei in hohen Gängen. Jedoch ist hier auch der Fahrer gefordert, das unüblich niedrige Drehzahlniveau zu nutzen. Kein einfaches Unterfangen, wenn die mickrigen Pfeile der Schaltempfehlung leicht übersehbar sind. Das macht der VW Passat Blue TDI besser: In seiner Multifunktionsanzeige glimmt klar und deutlich der aktuelle Gang mitsamt Schalt-Ratschlägen. Dass er sich dafür ein besonders in der Stadt sehr wirksames Start-Stopp-System spart, ist hingegen ein Witz. Da kümmert sich im Kofferraum eine kleine Chemiefabrik mit Harnstoffeinspritzung (Adblue) um die fast vollständige Eliminierung der bei Dieseln stärker anfallenden Stickoxide, aber an der roten Ampel nagelt der Motor im Vergleichstest unbeirrt weiter. Immerhin stößt er fast 50 Mal weniger NOx aus als sein süddeutscher Konkurrent. BMW bietet eine entsprechende Technik nur gegen fast 1.000 Euro Aufpreis für seinen Sechszylinder-Diesel an. Der BMW 320d Efficient Dynamics Edition unterbietet im Test die Vier-Liter-Grenze Bleibt als spürbar verbrauchsrelevante Komponente noch das Gewicht: Mit rund 1,5 Tonnen gehören die beiden Sparer zu den Leichtgewichten in der Mittelklasse. Ein aktueller Opel Astra Diesel wiegt mehr. Doch der Einfluss des Blechspecks darf nicht überschätzt werden. 100 Kilogramm Mehrgewicht machen in der Praxis nur zwischen 0,2-0,3 Liter Verbrauchsersparnis aus. Wie sparsam sind die beiden Common-Rail-Diesel jetzt konkret? Wie im Vergleichstest verhalten gefahren extrem. Der BMW 320d Efficient Dynamics Edition knackt mit einem sehr leichten Gasfuß auf der auto motor und sport-Minimalverbrauchsrunde nicht nur seinen ECE-Wert, sondern unterbietet sogar die Vier-Liter-Grenze. Dabei hilft auch die sehr gut ablesbare analoge Momentan-Verbrauchsanzeige, die es dem Fahrer erleichtert, auf der optimalen Gasstellung zu balancieren. Bei der Beschleunigung hinkt der VW Passat im Test deutlich hinterher Überraschenderweise gönnt sich der VW Passat Blue TDI dabei nur 0,2 Liter mehr und pulverisiert sogar seinen ECE-Wert von 5,1 Litern. Auch bei normaler Fahrt liegt er mit sehr guten sechs Liter pro 100 Kilometer nur 0,3 Liter über dem BMW 320d. Mit seinem großen 70-Liter-Tank bedeutet das 1.167 Kilometer Reichweite oder nonstop von Karlsruhe nach Barcelona. Jedoch entwickelt sein kultiviert antretender Zweiliter-Selbstzünder 20 PS weniger als der etwas rumpeligere BMW-Motor. Bei der Beschleunigung hinkt er deutlich hinterher, im Durchzug leicht. Wichtig für häufige Autobahnbenutzer: Der BMW 320d rennt mit 228 nicht nur 18 km/h schneller, er bestraft steigendes Tempo auch spürbar weniger mit Zusatzverbrauch. Test-Sieger ist der BMW 320d Efficient Dynamics Edition Die prinzipiellen Fahrcharaktere der beiden sind dagegen altbekannt und schnell beschrieben: Während der VW Passat Blue TDI besonders mit den adaptiven Dämpfern ein sehr komfortabler und geräumiger Familientransporter ist, wendet sich der BMW 320d Efficient Dynamics Edition mit seiner wundervoll präzisen Lenkung und dem agilen Handling an den engagierteren Fahrer, der mit knappem Fondraum und ruppigerem Abrollkomfort leben kann. Den Grundstein für seinen knappen Gesamtsieg im Vergleichstest legt der BMW 320d aber mit seiner besseren Sicherheitsausstattung und den stärkeren Bremsen. Die 139 Meter des VW Passat bei der μ-split-Bremsung sind schlicht indiskutabel. Selbst der um über 3.300 Euro niedrigere Kaufpreis bringt den VW Passat Blue TDI nicht nach vorne. Den kontert der BMW 320d mit geringeren Unterhaltskosten und besserer Ausstattung. So überzeugend wie der Edition verknüpft zurzeit kaum ein Auto Sparsamkeit und Fahrspaß.

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Quelle: auto-motor-und-sport, 2010-06-04

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