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Testbericht

8. Februar 2011

Haben es alle mitbekommen? Der Mini Cooper D brummt seit seinem Facelift im Herbst mit einem neuen konzerneigenen 1,6-Liter-Diesel. Ah, der aus dem 116d? Ähm, nein, falsch, denn der kleine 1er untertreibt mit seinem Typenschild: Sein Dieselherz hat zwar ähnlich viel Leistung und Drehmoment, aber zwei Liter Hubraum. Fragt sich doch, welcher Antrieb besser, sparsamer und spaßiger ist: Der des Mini Cooper D oder der des BMW 116d?

Motor des Mini Cooper D wirkt rauer als der des BMW 116d Stuttgart West. Eine kalte Nacht hat den Mini in eine Schneedecke gehüllt, was den Zwerg zu ärgern scheint: Bei minus drei Grad hustet und vibriert er vor sich hin. Ganz so, als wolle er zeigen, wie furchtbar kalt ihm ist. "Warmduscher" scheint der BMW 116d zu murmeln. Trotz Frost startet er ruhiger und gedämpfter in den Tag, kaschiert seine Verbrennungsart vor allem mit stärkerer Dämmung. Der Mini Cooper D legt hingegen seinen rauen Tonfall nie ganz ab und verfällt mitunter in ein Dröhnen – diese Macke hatte der Vorgänger-Motor nicht, der einer Kooperation mit PSA entstammte. Der gleich große Neue ist ein Ableger jenes Zweiliters, der hier im BMW 116d arbeitet. Erst dem nächsten 1er soll der kleine Diesel ab Ende 2011 unter die 100-Gramm-CO2-Marke helfen. Mini Cooper D spurtet besser als der BMW 116d Bis dahin muss sich der BMW 116d mit 115 PS und 260 Newtonmeter Drehmoment anstrengen, die Rücklichter des Mini Cooper D (112 PS, 270 Nm) nicht aus den Augen zu verlieren. Ruppiger Motorlauf hin oder her – der Mini zieht besser, vor allem gefühlt. Das Messgerät nimmt beim Sprint auf Tempo 100 lediglich eine Sekunde Vorsprung wahr. Den schwachen Durchzug im fünften und vor allem sechsten Gang sitzt man im BMW entweder aus oder schaltet in eine kleinere Übersetzung – wobei das Sechsganggetriebe nicht mit exakter Führung glänzt. Im Mini Cooper D rasten alle sechs Gänge hingegen satt ein. Würde der Bauch entscheiden, es gäbe noch mehr Mini als bisher. Das Auto fühlt sich auch nach neun Jahren noch herrlich lebendig an. Besonders auf kurvigen Landstraßen entstaubt es das Gefühl, wie unterhaltsam Autofahren sein kann. Diesseits von Porsche-Power freut man sich auf jede Kurve – wie einst, als die Unterschrift auf dem Führerschein noch trocknete. Das sportlich abgestimmte Mini-Fahrwerk bietet jetzt einen Tick mehr Komfort, die präzise Lenkung erfreut unverändert.

BMW 116d mangelt es an Spritzigkeit Sie fehlt auch dem 1er nicht. BMW gibt ihm sogar die besseren genetischen Anlagen für Fahrspaß mit: Dank Heckantrieb kämpft seine Lenkung nie mit Antriebseinflüssen, und an Traktion mangelt es selten. Nur die Spritzigkeit fehlt dem schweren BMW 116d. Er tritt wie ein ausgepowerter Sportler auf, dem schnell die Puste ausgeht. Wer etwas mehr Antritt sucht, wählt daher besser den 118d – mit 143 PS und 1.400 Euro Mehrpreis. Applaus gibt’s nach der Verbrauchsrunde, auf der die Zweitürer BMW 116d und Mini Cooper D eine definierte Strecke (Stadt, Land, Autobahn) abfahren: 4,8 Liter auf 100 Kilometer genügen den Stiefbrüdern. Respekt. Vor allem für den BMW, der mit fast 1,4 Tonnen Leergewicht rund 200 Kilogramm mehr wiegt. Sein Trick: eine längere Getriebeübersetzung. Beim Sparen helfen beiden Modellen Start-Stopp-Systeme und Lichtmaschinen, die nicht immer mitlaufen, weil die Energie zum Laden der Batterie auch beim Bremsen erzeugt wird.

Unvernünftige Cockpitgestaltung im Mini Cooper D So durchdacht der Mini Cooper D unter der Haube ist, so unvernünftig und verspielt bleibt sein Innenraum. Immerhin haben die Qualitätsrügen der vergangenen Jahre Wirkung gezeigt, die meisten harten Kunststoffverkleidungen sind nun einheitlich schwarz gefärbt und passen besser zusammen. Das Motto "Wer nichts anfasst, wird nicht enttäuscht" gilt jedoch noch immer. Geblieben ist auch der Wunsch nach Sitzen mit Seitenhalt und der Zentraltacho, der nun mal zu diesem Cockpit gehört wie der Stern auf den Benz. Wer sich jedoch anstrengt, das jeweilige Tempo abzulesen, läuft Gefahr, im Straßengraben zu landen – Zahlen, Zeiger und Blickwinkel passen nur dann zusammen, wenn man auf der Rückbank sitzt – was auf längeren Strecken so gemütlich ist, wie im VW Touran in der dritten Reihe zu puzzeln. Daher gibt es eine zusätzliche digitale Tempoanzeige hinter dem Lenkrad – und zwar serienmäßig. Noch erstaunlicher ist, dass der 52 Zentimeter längere BMW 1er hinten gerade mal einen Zentimeter mehr Platz für die Knie bietet. Dreifacher Trost: Die umständlich erreichbaren Fondplätze sind im BMW bequemer geformt, die Verarbeitung wirkt hochwertiger, und der Kofferraum fasst doppelt so viel Gepäck. Mini Cooper D und BMW 116d kosten viel Geld Zudem erleichtern kleine Helfer die Bedienung: Im BMW 116d befiehlt der i-Drive die Radio-Navigations-Einheit (ab 1.840 Euro) – jener Dreh-Drück-Knopf auf der Mittelkonsole, der sich nach kurzem Training intuitiv bedienen lässt. Der Mini Cooper D eifert dem nach und bietet auf Wunsch ein Navi mit i-Drive-Stöckchen (1.950 Euro Aufpreis), das ebenfalls aus der Mittelkonsole herausragt – jedoch länger ist, sich zerbrechlich anfühlt und mehr Konzentration bei der Bedienung erfordert. Die Preisgestaltung ist bei beiden das düsterste Kapitel dieses Tests: 25.900 Euro kostet der zweitürige BMW 116d – Aufschlag für die empfehlenswerten Fondtüren: 750 Euro – , der Mini Cooper D startet bei 21.250 Euro. Ein einfaches CD-Radio ist zwar bei beiden Serie, eine Klimaanlage muss jedoch extra bezahlt werden. Und so schraubt sich der Preis schnell auf über 30.000 Euro hoch – sehr viel Geld für solch kleine Autos. Wer gern unvernünftig ist, sitzt im verspielten Mini goldrichtig. Mit dem Cooper D ist jeder Kilometer nicht nur besonders, sondern auch sparsam. Doch im Vergleich zum leisen, größeren, praktischeren BMW 116d wirkt er wie ein Teenager im Turnschuh. Der BMW fühlt sich deutlich erwachsener an, obwohl er sich auf Wunsch ähnlich sportlich und sparsam bewegen lässt.

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Quelle: auto-motor-und-sport, 2011-02-08

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