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Testbericht

24. Mai 2011

Eben noch fabulierte das BMW-Marketing von kuriosen Dingen wie "Premium-Zylindern", wirft Fragen auf. Und plötzlich geht es wieder ganz unkompliziert: Das BMW 1er M Coupé rollt zum Test an, bullig stark, ohne Efficient-Dynamics-Aufkleber.Dennoch weist der Hersteller freundlich auf einen Durchschnittsverbrauch von 9,6 Liter pro 100 Kilometer hin, der im Alltag allerdings locker um 3,3 Liter überboten wird. Immerhin beweist der Zweitürer auf der betont zurückhaltend gefahrenen Normrunde mit 8,0 L/100 km, dass auch nur eine Stelle vor dem Komma möglich ist. Viel wichtiger bei einem BMW, der das M nicht aus purer Angeberei auf dem Heckdeckel trägt, ist: Wie geht erdenn?

Katapultartige Beschleunigung Klare Antwort: wie von einem Katapult abgefeuert. Mit einer Zeit von 4,7 Sekunden für den Sprint von null auf 100 km/h unterbietet das BMW 1er M Coupé nicht nur die Werksangabe um zwei Zehntel, sondern ärgert auch den deutlich stärkeren M3. Um im sechsten Gang von 80 auf 120 km/h zu beschleunigen, benötigt das BMW 1er M Coupé 6,5 Sekunden, der zuletzt gemessene M3 ließ sich 7,9 Sekunden Zeit. Dass dem inzwischen zur lebenden Legende gereiften großen Bruder vor Gram der Öl-schweiß am Motorblock herunterrinnt, liegt an der längsdynamikfördernden Kombination aus einem geringen Gewicht von 1,5 Tonnen und drehmomentstarkem Biturbo-Motor des BMW 1er M Coupé. Der intern N54 genannte Reihensechszylinder stammt unverändert aus dem Z4 35is, leistet sich also statt des beispielsweise beim 135i genutzten Twin-scroll-Systems zwei Lader und eine teure geschmiedete Kurbelwelle. Zudem verzichtet er auf den Drosselklappen-Ersatz Valvetronic. 1er M Coupé: 500 Nm dank Overboost In Zahlen bedeutet das: 340 PS sowie ein maximales Drehmoment von 450 Newtonmetern, das bei 1.500 Umdrehungen bereitsteht. Per Overboost-Funktion schickt derDirekteinspritzer sogar 500 Nm über das manuelle Sechsganggetriebe an die Hinterachse. So schießt der BMW 1er unabhängig vom eingelegten Gang schlagartig vorwärts, grollt dabei zornig, als ob ein Profi-Musiker seine verzerrte Bass-Gitarre auswringt. Typisch BMW: Trotz Aufladung geht dem Dreiliter-Aggregat nicht vorzeitig die Puste aus, lässig nimmt es die 7.000/min-Marke in Angriff. Typisch M: Die zweite Fahrspaß-Stufe wird am Ende der Geraden gezündet. Sperrdifferenzial sorgt für Traktion Hinten verteilt ein variabel bis zu 100 Prozent sperrendes Differenzial die Leistung geschickt auf die 265 Millimeter breiten Reifen – solange der Fahrer immer leicht am Gas bleibt und sich auf topfebenen, trockenen Oberflächen bewegt. Dann ermöglicht das mit M3-Komponenten aufgepeppte Fahrwerk Fahrdynamik-Werte, die eine Einsortierung der Messdaten-Kladde ganz vorne in der Sportwagen-Schublade rechtfertigen.

Bockiges M-Sportfahrwerk So weit, so M. Allerdings erweisen sich die jüngeren Sportmodelle aus Garching meist als sehr ausgeglichen, selbst wenn sie nicht auf letzter Rille bewegt werden. In diesem Punkt bockt das BMW 1er M Coupé, im Wortsinn. Mangels adaptiver Dämpfer und mit serienmäßigen 19-Zoll-Rädern stolpert das 4,38 Meter kurze Coupé unbeholfen über Bodenwellen, harte Stöße dämpft erst die bequeme Lederpolsterung der Sportsitze. Damit geht zudem ein erheblicher Traktionsverlust einher, der auf Landstraßen zweiter Ordnung die ESP-Kontrolllampe an den Rand eines Kollapses bringt. 1er Heck wird bei Nässe nervös Bei Nässe rebelliert das Heck noch früher und zuckt bereits bei milden Gasbewegungen. Wer jetzt das feinfühlig arbeitende elektronische Lasso zusammenrollt, sollte sich zuvor dezidiert mit dem Begriff Übersteuern auseinandergesetzt haben: Urplötzlich erbietet das Heck des BMW 1er M Coupé der Flora am Straßenrand seinen Gruß. Auf dem Weg zur Arbeit: nicht lustig. Auf abgesperrter Strecke: eine Riesengaudi. Sowohl hier wie dort trübt allerdings die unnötig schwergängige und nicht immer zu 100 Prozent mitteilsame Lenkung die Freude ein wenig.

Doch das Paket stimmt, das BMW 1er M Coupé überzeugt als konsequenter Sportler – mit allen Vorteilen für die Rennstrecke und einigen Nachteilen im Alltagsgebrauch. Ein leeres Versprechen gibt die M GmbH mit ihrem akzeptable 50.500 Euro teuren Einstiegsmodell jedenfalls nicht ab.

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Quelle: auto-motor-und-sport, 2011-05-24

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