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Testbericht

4. November 2015
Ein subtiler Hinweis auf die Rückkehr zu alten Tugenden? Dieselmodelle tragen bei Mercedes kein CDI oder Bluetec mehr am Heck, sondern ein schlichtes "d" – wie in den guten, alten Vorkammer- Zeiten, in denen ein Benz gern gemütlich sein durfte und nicht mit seinen Konkurrenten um die Wette wedeln musste. Dass man es bei der Abstimmung der 2012 vorgestellten A-Klasse übertrieben hat, weiß Mercedes inzwischen selbst. Daher wurde bei der Modellpflege das Fahrwerk komfortabler abgestimmt, zudem stehen adaptive Dämpfer zur Wahl (1.238 Euro), deren Kennlinien zwischen weich und straff variieren.

Mercedes A-Klasse mit sensibel ansprechenden Dämpfern
Die harten Zeiten hat auch BMWs 1er hinter sich, der beim Facelift vor sechs Monaten ebenfalls eine geschmeidigere Abstimmung spendiert bekam und sich deshalb als idealer Partner für den Fahrvergleich rund um Dresden eignet, wo Mercedes erstmals Journalisten hinters Steuer der modellgepflegten A-Klasse lässt. Deshalb den silbernen Dynamic-Select-Schalter unseres A 220 CDI auf Comfort gestellt und los. Was schon nach wenigen Metern auffällt: Bei Querfugen und Frostaufbrüchen spricht die neue Federung sehr sensibel an, ohne zu weich zu wirken.Selbst den starken Anregungen tiefer Schlaglöcher nimmt sie die Spitzen, wodurch auch üble Rüttelpisten erträglich werden. Möglich wurde der Komfortgewinn unter anderem durch elektronisch angesteuerte Ventile in den Dämpfern, die den Öldurchfluss und damit die Härte regulieren. Die Vorauswahl des Fahrers wird überstimmt, sobald Fahrzeugsensoren heftige Aufbaubewegungen oder Gierraten melden. In solchen Momenten stellt die Elektronik selbstständig auf hart, um dem Fahrer die Kontrolle zu erleichtern. In derartige Situationen geraten wir zum Glück nicht. Wir genießen vielmehr die gleichmäßig dahinschlängelnden Landstraßen, die wir dank der gefühlvollen, nicht zu spitz ausgelegten Lenkung präzise durchpflügen, und freuen uns über den stoischen Geradeauslauf auf der Autobahn. Ebenso beachtlich, wie stark die Fahrmodi den Charakter des A verändern: Auf Stellung Sport wird nicht nur das Fahrwerk härter, der 2,1-Liter-Diesel spricht wesentlich williger auf Gaspedalbewegungen an, während die Servolenkung ihre Unterstützung reduziert. Auf Eco hingegen verkneift sich das Siebengang- Doppelkupplungsgetriebe hektisches Zurückschalten und nutzt oft die 350Nm Drehmoment, was zum entspannten Fahrgefühl beiträgt.

BMW 116d EDE noch quirliger
Und der Einser? Mit seiner direkter ausgelegten Lenkung wirkt er wuseliger, biegt zackiger ab und animiert den Fahrer stärker als sein schwäbischer Konkurrent. Für eine saubere Linie verlangt der Hecktriebler jedoch mehr Konzentration. Immerhin müssen die Insassen keine Kompromisse beim Komfort eingehen. Sein Adaptivfahrwerk (1.100 Euro) federt ebenfalls wohlwollend, dank kleiner 16-Zoll-Räder rollt er sogar weicher ab als die A-Klasse mit 18-Zöllern.Gegen den Mercedes mit 177PS sieht der Dreizylinder im 116d EDE mit 116PS freilich keine Sonne. Die passende Vergleichsmotorisierung zum Öko-Bayern wäre der A 180 d Blue Efficiency mit 109PS und einem CO2-Ausstoß von ebenfalls nur 89 Gramm/100km, der allerdings nicht zur Verfügung stand. Mit dem Facelift kam das Basismodell A 160 mit 102PS starkem Vierzylinder- Benziner neu hinzu. Der Sportler A 45 AMG leistet jetzt 381 statt 360PS und kann mit einem mechanischen Sperrdifferenzial ausgestattet werden.

Unterschiedliche Vernetzungsstrategien
Ansonsten halten sich die Änderungen in Grenzen: Die neuen Schürzen und Lampen-Designs (vorn mit LED- statt Xenon-Licht) dürften nur Experten auffallen, ebenso, dass der Multimedia-Monitor von sieben auf acht Zoll gewachsen ist. Ab Anfang 2016 gibt das Infotainment immerhin Apps vom Handy über Apple Carplay und Mirrorlink wieder. Da auch Navigations-Apps laufen, werden sich sicherlich viele Käufer das über 3.500 Euro teure Comand-Online sparen.BMW fährt eine andere Vernetzungsstrategie und verzichtet bewusst auf Carplay und Mirrorlink. Eine eigenständige Handy-Schnittstelle zieht jedoch ebenfalls Apps auf den Bordmonitor, hinzu kommen dutzende Online-Funktionen bis zum Concierge-Dienst mit persönlichem Ansprechpartner für unterwegs.

Gleichstand bei Platzangebot und Übersichtlichkeit
Auf einer Wellenlänge surfen die beiden Kompakten hingegen bei Platzangebot und Übersichtlichkeit. Vom prinzipiellen Bauraumvorteil des Frontantriebs ist in der A-Klasse wenig zu spüren. Mitfahrer im Fond sitzen nach wie vor beengt und müssen sich über schmale Türausschnitte nach hinten hangeln.Das war aber auch schon bisher so und hat dem Absatz alles andere als geschadet. Dank zusätzlicher Varianten wie CLA und GLA verkauft Mercedes inzwischen mehr als doppelt so viele Fronttriebler wie früher. Allein die A-Klasse konnte um 60 Prozent zulegen und den Altersschnitt ihrer Käufer um 13 Jahre senken. Ein Zurück zu alten Tugenden wird es daher auch mit "d" am Heck definitiv nicht geben.
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Testwertung
3.5 von 5

Quelle: auto-motor-und-sport, 2015-11-04

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