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Testbericht

4. April 2012

Ein bisschen sinnentleert erscheint es ja schon, den modellgepflegten Audi RS5 ausgerechnet auf einem zugefrorenen See zu präsentieren. Dessen Vorzüge, die sich im Wesentlichen auf minimal geänderte Scheinwerfer ein auf Stand gebrachtes Infotainment sowie die neue Lenkung in einer zwölfseitigen Pressemitteilung zu bejubeln, ebenso. Auf der Suche nach etwas Habhaftem schiebt sich daher der unverändert übernommene Motor in den Vordergrund. Warum? Nun, im S5 flog der Achtzylinder-Sauger bereits zugunsten eines vermeintlich effizienteren V6-Kompressor-Triebwerks raus. Im Audi RS5 darf das in Ungarn von Hand montierte 4,2-Liter-Aggregat bleiben und weiterhin ungehemmt über 8.200 Umdrehungen jubeln. Doch zumindest akustisch tut es das ziemlich verhalten, trotz zweier mächtiger Endrohre, mit denen der Audi RS5 sicher den sonntäglichen Show-and-Shine-Wettbewerb auf dem Neckarsulmer Lidl-Parkplatz gewänne.

10,5 Liter mit dem Audi RS5 scheinen utopisch Leise knirscht er los, und noch bevor der Fahrer ans Schalten denkt, legt das Doppelkupplungsgetriebe den siebten Gang ein, um die Illusion höchst möglicher Sparsamkeit aufrecht zu erhalten. Irgendwo in der zwölfseitigen Jubelarie steht, dass dem 450 PS starken Kraftpaket Audi RS5 10,5 L/100 km reichen sollen. Doch im Fahrbericht wird das ebenso illusorisch bleiben wie im Alltagsbetrieb. Das so genannte Drive Select-Programm (es beeinflusst Gasannahme, Lenkung, Dämpfung sowie das optionale Hinterachs-Sportdifferenzial) steht auf "auto", der Getriebewählhebel parkt in der manuellen Gasse. Die Spikes punktieren großflächig das Eis, der V8 brüllt auf und das Kronenrad-Mittendifferenzial bekommt alle Zahnräder voll zu tun, Leistung und Drehmoment (maximal 430 Newtonmeter) zu verteilen. Im Normalfall bekommt die Vorderachse 40 Prozent, nach hinten gelangen 60 Prozent. Wenn es sein muss, landen vorne bis zu 70, hinten maximal 85 Prozent - es arbeitet perfekt. Bei jedem Gangwechseln schnaubend wie ein gereiztes Rind, tobt das 4,65 Meter lange Coupé Audi RS5 auf die erste Kehre zu. Kurz anbremsen - die Bremsleistung mit Spikes ist mindestens ebenso beeindruckend wie das Beschleunigungsvermögen - und so das Heck leicht aus der Ruhe bringen, dazu einen ordentlichen Tapser Gas. Der Audi RS5 steht quer, bleibt dabei allein aufgrund seiner 2,75 Meter Radstand wunderbar kontrollierbar und zieht sich lässig auf die nächste Kurve hin.

Elektromechanisch-gesteuerte Lenkung verwirrt Einzig die neue, nun elektromechanisch-gesteuerte Lenkung scheint etwas verwirrt, was sie dazu veranlasst, bei schnellen Richtungswechseln etwas zu verhärten, um danach wieder sehr leichtgängig zu arbeiten. Die Lösung: Einfach im Individual-Modus die Kennlinie "Dynamic" wählen, was dem Fahrer ein konstantes Niveau an Präzision und Rückmeldung einbringt. So wedelt der 1,8 Tonnen schwere, zweitürige Audi RS5 über das Eis, garniert von einem mit hochprozentigem geschmierten Bariton, wie es ihn im Turbo-Zeitalter nur noch selten zu hören gibt. Wessen Soundtrack des Lebens vom klassischen Bass eines 90-Grad-V8 dominiert wird, sollte das Triebwerk des Audi RS5 vorwiegend im Dynamik-Modus bewegen. Dann stehen die Klappen im Auspuff von Anfang an auf Durchzug und entlassen tieffrequente Klang-Eruptionen. Während dem Ritt auf dem Eis imitiert der Audi RS5 den leichtfüßigen Sportler, was ihm auf Asphalt - natürlich mit entsprechender Bereifung - nicht mehr ganz so gut gelingt. Längsdynamisch zerbröselt er zwar alle Zweifel mit der Gewalt seiner acht Zylinder, lässt die Werksangabe von 4,5 Sekunden für den Spurt von null auf 100 km/h äußerst glaubhaft erscheinen. Dabei sehr hilfreich: Das blitzschnell schaltende und bis zum sechsten Gang eng gestufte Getriebe, der siebte wirkt vorwiegend drehzahlsenkend. Höchstgeschwindigkeit? Auf Wunsch bis zu 280 km/h, die notfalls von der überarbeiteten Achtkolben-Festsattel-Bremsanlage mit gewichtsreduzierten Scheiben zuverlässig vernichtet werden.

Audi RS5 gehört zur Fahrzeuggattung "Sauschnelle Waffe" Und wo hakt’s dann? Trotz der minimalen Seitenneigung sowie dem lange neutralen Eigenlenkverhalten kämpft sich der massige Audi RS5 nicht mit hundertprozentig geschärfter Klinge durch die Kurven wie es beispielsweise der ewige BMW M3 schafft. Dazu lenkt er ein bisserl zu zögerlich ein und bleibt das letzte Quäntchen Rückmeldung schuldig. Dem Audi RS5 deshalb einen Platz in der inoffiziellen Fahrzeuggattung "Sauschnelle Waffe" verwehren? Dafür dürfte sich selbst auf einer Rennstrecke kein Grund finden. Auf Eis erst Recht nicht. Die eingangs gestellte Sinnfrage verwehte übrigens bereits mit den Schneefontänen der ersten Drifts.

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Testwertung
4.0 von 5

Quelle: auto-motor-und-sport, 2012-04-04

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