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Testbericht

17. September 2012

Wer auch immer den suzukagrauen Audi RS4 Avant vor uns in der Mangel hatte – er hat dessen Festplatte reichlich mit Musik gefüttert. AC/DC, ein paar Disco-Knaller – und den Titelsong von "Mission Impossible". Kaum hämmern die ersten Takte aus den B&O-Lautsprechern, fällt es noch schwerer, das rechte Pedal nicht bis zum Anschlag durchzudrücken, die Landschaft im schnellen Vorlauf durch die Frontscheibe zu spulen. Wie schön, dass sich gerade jetzt eine einsame, kurvige Nebenstraße über die Hügel windet. Brabbelte der 4,2-Liter-V8 eben noch gelangweilt im letzten Gang seines Siebengang-Doppelkupplungsgetriebes mit tausendundeinpaar Umdrehungen dahin, steht er nun auf Kommando stramm. Ruckzuck holt er sich den zweiten Gang, die Nadel des Drehzahlmessers schnellt hoch. Sechs-, sieben-, achttausend. Locker dreht der eher langhubige Direkteinspritzer hoch, röhrt mühelos und kultiviert bis 8.300/min, mischt erst in oberen Lagen das trockene, harte Aroma eines Sportmotors in die V8-Crema. Würde den Audi RS4 Avant nicht der Begrenzer stoppen, es ginge immer so weiter.

108.000 Euro dank Zubehör-Orgie Hätte, könnte, würde – Konjunktive sind an Bord des RS4 Avant eigentlich Exoten. Er ist ein 4,7 Meter langer Indikativ, zeigt dies schon im Stand. Understatement? Überbewertet. Mission impossible? Nur aus den Lautsprechern. Für den Audi RS4 Avant gilt: Mischen possible. Wie bei Nummer eins gibt es seine dritte Generation nur als Avant. Und immer mit Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe und Allradantrieb samt Kronenrad-Mittendifferenzial. Doch dazu später mehr, jetzt umkreisen wir erstmal den rund 108.000 Euro teuren Testwagen, der Hochglanzwabengrill, Heckdiffusor und Auspuffmündungen in die Sonne hält. 108.000 Euro; da wittert der Kenner eine Zubehörorgie. Und liegt richtig. Wir knien uns dann hin. Kniegelenke knacken, Augäpfel quellen hervor angesichts der Kombination, die unter den aufgeplusterten Backen des Audi schwillt: ein 20-Zoll-Bicolor-Rad, hinter dem eine Sechskolbenzange die Keramikscheibe zu verspeisen plant und vermutlich auch einen Jumbo-Jet zum Stehen bringen könnte. Fadingfrei. Zwar fadingfrei, aber quietschend. Dafür bremst der Audi RS4 Avant mit bis zu elf m/s2 – unter Mithilfe der hinteren Stahlscheiben in Wave-Form. Viel stilsicherer kann man kaum verzögern, an der Nachttankstelle dürften die Jungs die Zehn hochhalten. Dabei kann der Audi RS4 Avant mehr als nur posen. Zum Beispiel einen schönen Motor haben. Testarossa made in Györ/Ungarn, sorgfältig im Manufaktur-Stil montiert. Rote Schrumpflackköpfe trägt er immer, den Carbondeckel gegen Aufpreis. 450 PS entwickelt der Hochdrehzahl-Sauger und unterscheidet sich damit vom Dreiliter-Kompressor in S4 und S5 (333 PS), aber auch dem Vierliter-Biturbo in S6, S7 und A8 (420 PS) sowie S8 (520 PS). Den V8-Sauger gibt es somit exklusiv im RS5 Coupé und dem RS4 (nur als Avant erhältlich).

Sinneszauber im Cockpit des Audi RS4 Avant Alles gemerkt? Dann zurück in die schwarze Tempo-Höhle und ihre mit Liebe zum Detail arrangierte Cockpitlandschaft. Wer im Audi RS4 Avant nicht kurz innehält und anerkennend die Fingerkuppen wandern lässt, fährt seit 14 Jahren glücklich Lada. Schwarzes Leder, Dekore in Hochglanz, metallischer Glanz an Reglern und Tasten des MMI-Systems, ergänzt durch rot erleuchtete Ringe, wobei jedes Reglerklicken und jeder Tastenwiderstand genauso fasziniert wie die Spaltmaße und Oberflächengüten. Gäbe es auch im Einzeltest Punkte, es könnte aufs Maximum hinauslaufen. Im Gegensatz zur elektrischen Servolenkung, die Unterstützung und Übersetzung variiert, was sich übers Fahrmenü vorwählen lässt. Speziell im Dynamic-Modus wirkt sie trotz modifizierter Fünflenker-Vorderachse mit virtueller Lenkachse etwas zäh und künstlich, bindet den Piloten nicht so unmittelbar an die Vorderräder, wie man sich das wünscht. In Normalstellung arbeitet sie zwar leichtgängiger und freier, könnte aber immer noch einen Tick mehr Transparenz und Rückmeldung bieten. Was den Power-Kombi nicht daran hindert, sich Strecken jeder Couleur untertan zu machen. Steigungen erklimmt der 1,9-Tonner mit dem gleichen Elan, mit dem er Kurven hernimmt. Untersteuerbefürchtungen verfliegen schon am Eingang, wenn der Audi RS4 Avant neutral die Linie greift und ohne Gerutsche hält, bevor er je nach Einsatz an Gaspedal neutral oder sogar mit leichter Heckbetonung schwungvoll aus der Kurve presst.

4,2-Liter-V8 drückt auch ohne Turbo und erspart Durchhänger Woran liegts? Am Kronenrad-Mittendifferenzial, das bis zu 85 Prozent der Antriebskraft an die Hinterräder bringt, wo wiederum das optionale Sportdifferenzial die Räder einzeln mit der passenden Power-Portion versorgt. Die Sperrfunktion läuft spürbar unter Schub und Zug. Zug ist genug da, der 4,2-Liter des Audi RS4 Avant drückt auch ohne Turbo, erspart uns Durchhänger, beglückt dank Sportauspuff mit warmem Grollen und lustvollem Ploppen bei Gangwechseln. Die erledigt die S-Tronic schnell und akkurat, schickt im entsprechenden Programm einen Tapser Zwischengas vorweg. Beim Federungskomfort fordert der Audi RS4 Avant mehr Kompromissbereitschaft, wozu auch das stramme Abrollen der 20-Zoll-Räder beiträgt, die nur ein Mindestmaß Luft und Gummi zwischen sich und die Straße lassen. Hinzu kommt das optionale Sportfahrwerk mit wankreduzierender Dynamic Ride Control. Es sieht sich weniger dem sanften Auswiegen als der auf Kanaldeckeln und Querfugen sehr ehrlichen Weitergabe von Unebenheiten verpflichtet. Irgendwie passend zu den weitenverstellbaren RS4-Sportsitzen, die für 2.800 Euro extra den Körper inklusive der Schultern perfekt stützen, Insassen wegen der einachsigen Höhenverstellung aber in eine Klappmesserhaltung zwängen. Wobei dies eigentlich die richtige Einstimmung ist für eine schnelle Runde über die Hügel. Um danach zu konstatieren: Audi RS4 Avant – Mission Possible.

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Quelle: auto-motor-und-sport, 2012-09-17

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