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Testbericht

7. August 2016
Der letzte Cuba Libre ist geschlürft, die Havanna im Aschenbecher erloschen. Nach seiner Weltpremiere auf der Karibikinsel beginnt für den Audi Q2 der Ernst des Lebens – mit einem intensiven Einzeltest bei auto motor und sport. Die Umstellung auf sein Heimatland dürfte ihm nicht sonderlich schwerfallen, auf dem Testgelände in Lahr ist es Ende Juni fast so schwül wie am Golf von Mexiko.Während die Kollegen Pylonen aufstellen und ihre Messgeräte justieren, haben wir noch etwas Zeit, uns den kleinsten Q genauer anzuschauen: Mit seinen 4,19 Metern Länge rangiert er 20 Zentimeter unter dem Q3, selbst ein A3 Sportback ist 13 Zentimeter länger. Doch auch wenn die Rückleuchten an die des Polo erinnern: Kleinwagenhaft wirkt er in keiner Weise, dafür sorgen schon der vergleichsweise lange Radstand und die zum A3 um 27 Millimeter verbreiterte Spur hinten.

Audi Q2 mit mehr Beinfreiheit als der Q3
So gelingt der Zustieg durch die hohen, wenn auch nicht sehr breiten Fondtüren verrenkungsfrei, selbst groß gewachsene Mitfahrer kommen hinten erstaunlich luftig unter – kein Wunder, schließlich rangiert der Q2 bei der Beinfreiheit sogar knapp über dem Q3. Die Passagiere sitzen zudem auf einer angenehm geformten Rückbank, deren geteilte Lehne sich im Verhältnis 40 : 20 : 40 umlegen lässt. Wird nur das schmale Mittelteil vorgeklappt, entsteht ein vollwertiger Viersitzer mit breiter Durchlade für Sportgeräte oder Baumarkteinkäufe. Sonstige Variabilitätstricks wie eine verschiebbare Rückbank finden sich jedoch nicht, auf längeren Fahrten können zudem die Kindersitzhalterungen drücken, deren Kunststoffabdeckungen aus dem Übergang zwischen Lehne und Sitzfläche hervorstehen. Angesichts der kompakten Außenabmessungen überrascht dafür der mit 405 Litern Volumen erstwagentaugliche Standardkofferraum, der sich über seine breite Ladeöffnung problemlos nutzen lässt. Mehrere Netze, seitliche Nischen für Kleinkram und ein großes Zusatzfach unter dem Kofferraumboden sorgen für Ordnung. Praktisch: Der aufgeklappte Boden wird von seitlichen Halterungen arretiert, sodass beide Hände zum Beladen frei bleiben. Zudem sorgen zwei helle LED-Lämpchen für Licht im dunklen Ladeabteil.

Infotainment vom Feinsten
Deutlich mehr zu bieten als ein paar LED-Lämpchen hat freilich das Q2-Cockpit, das sich Audi-typisch mit einem großen und knack-scharfen TFT-Bildschirm statt der analogen Instrumente ausstatten lässt. Wer sich hier die Navi-Karte groß anzeigen lässt, behält alle wichtigen Informationen im Blick und kann sich das ebenfalls optionale Head-up-Display sparen. Da Audi aus Platzgründen nur ein einfaches System verwendet, das Tempo oder Navi-Pfeile auf ein zu tief sitzendes Glasplättchen und nicht auf die Windschutzscheibe projiziert, hält sich der Nutzen der Zusatzanzeige in Grenzen.Ansonsten überzeugt das Cockpit mit seiner SUV-Sitzposition, die acht Zentimeter über der im A3 liegt, vielen Ablagen und der fast durchgängig hochwertigen Materialanmutung. Fast durchgängig? Dass der Q2 preislich knapp unter dem Sportback angesiedelt ist, verraten Details wie die Kunststoff-Einlagen in den Türverkleidungen, wo sonst Stoff oder Leder zum Einsatz kommt, oder ein Handschuhfach, dessen Innenseite nicht weich beflockt ist, sondern ebenfalls aus schlichtem Kunststoff besteht. Ab sofort setzt Audi übrigens für den Datenaustausch auf fest im Auto verbaute SIM-Karten. Wie bisher gehört das Infotainment zum Besten, was der Markt zu bieten hat.

Audi Q2 mit 150-PS-TDI perfekt motorisiert
Aber genug geklappt und gestreichelt, die Kollegen sind fertig mit ihrem Mess-Aufbau, wir können endlich den Startknopf drücken. Der 150-PS-TDI bildet die Mitte zwischen dem 1,6-Liter mit 116 PS und der mit 190 PS stärksten Ausbaustufe des Zweiliter-Vierzylinders. Um es gleich vorwegzunehmen: Der mittlere TDI ist der perfekte Motor für den SUV, der mit Allradantrieb und nahezu in Vollausstattung über 1,5 Tonnen auf die Waage bringt. So verzahnt der Quattro die 150 PS schlupfarm mit dem Asphalt, Tempo 100 ist nach 8,6 Sekunden erreicht. Selbst weit jenseits der Autobahn-Richtgeschwindigkeit kann der TDI spürbar zulegen und begnügt sich im Schnitt mit 6,9 Litern auf 100 km. Bei leichtem Gasfuß sind locker Fünf-Komma-Werte drin. Dass er einen Skoda Yeti mit 150 PS im Verbrauch um vier Zehntel unterbietet, liegt am guten cw-Wert des Audi von 0,30 sowie am neuen Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe mit Nasskupplung, das für Varianten mit über 320 Nm Drehmoment eingesetzt wird. Die hohe Übersetzungsspreizung von 8,7 macht den Siebten zum Schongang, der die Drehzahlen niedrig hält: Bei Tempo 100 liegen noch nicht einmal 1.500/min an. Geht der Fahrer im Efficiency-Modus vom Gas, öffnet sich die Kupplung und der Q2 nutzt im Freilauf seinen Schwung (Segelfunktion). Beim Spritsparen hilft zudem das akribische Start-Stopp-System, das den Motor unter sieben km/h ausknipst – etwa beim Ausrollen an einer roten Ampel.

Quirliges Handling und sehr sichere Abstimmung
Doch der Audi will nicht nur ausrollen, segeln und vernünftig sein: Dank seiner serienmäßigen Progressivlenkung, deren Übersetzung mit zunehmendem Lenkeinschlag direkter wird, wirft sich der Allradler mit Freude in jede Kurve, die er seitenneigungsarm und schnell durcheilt. Weiterer Vorteil der variablen Verzahnung: Da die Lenkung um die Mittellage nicht zu spitz anspricht, läuft der kleine Q trotz kompakter Abmessungen prima geradeaus.Auch im Fahrdynamik-Parcours verschont der Audi Q2 seinen Fahrer mit unliebsamen Überraschungen, bleibt beim doppelten Spurwechsel leicht beherrschbar und verkneift sich schwer vorhersehbare Lastwechselreaktionen. Trotz des quirligen Fahrgefühls fallen die Slalomwerte nicht allzu zackig aus, auch weil sich der Schleuderschutz nicht komplett abschalten lässt. Selbst auf "ESP off“ sind Bremseingriffe im Grenzbereich spürbar. Mit 56,9 km/h wedelt der Q2 daher nur durchschnittlich flink durch die Pylonengasse, ein A3 Sportback 2.0 TDI war im Test immerhin 7,6 km/h schneller.

Audi Q2 günstiger als der A3 Sportback
Die gebotene Dynamik dürfte den meisten Kunden dennoch mehr als genügen, noch dazu sie nicht mit einem Komfortverzicht einhergeht: So sprechen die Adaptivdämpfer sehr sensibel auf kurze Unebenheiten oder Querrillen an, ohne bei langen Wellen starke Aufbaubewegungen zuzulassen. Auf schlechten Strecken macht sich die hohe Verwindungssteifigkeit der Karosserie bemerkbar – Nachschwingen oder gar Zittern ist nicht spürbar. Zum entspannten und sicheren Fahrgefühl tragen niedrige Innengeräusche ebenso bei wie kräftige Bremsen, die bei starker Beanspruchung kaum nachlassen.Größere Schwächen leistet sich der Q2 also nicht – vorausgesetzt, in seiner Preisliste lauern keine Überraschungen. Audi nennt für den ab Herbst lieferbaren SUV nämlich derzeit nur die Preise der Grundversionen. Los geht’s ab 22.900 Euro für den 1.0 TFSI, der getestete 2.0 TDI startet bei 28.150 Euro und damit 1.000 Euro unter dem vergleichbaren A3 Sportback. Da kompakte SUV gefragt sind wie noch nie, dürfte sein Erfolg garantiert sein. Darauf möchte jemand anstoßen? Cuba Libre gibt es auch in Deutschland.

MMI Navigation Plus im Connectivity-Check
Ab sofort setzt Audi für den Datenaustausch auf fest im Auto verbaute SIM-Karten. Wie bisher gehört das Infotainment zum Besten, was der Markt zu bieten hat. So nutzt die MMI Navigation Plus einen 8,3-Zoll-Monitor, der mit 1024 x 480 Pixeln fein auflöst und dank schnellem Prozessor Eingaben fast verzögerungsfrei umsetzt. Praktische Online-Funktionen wie die Echtzeit-Verkehrsmeldungen oder eine Google-Sonderzielsuche verbessern die Routenführung. Wie Konkurrent BMW, setzt Audi ab sofort auf eine fest integrierte SIM-Karte für den Datenaustausch, wodurch sich die Dienste ohne Roaming- Kosten auch in vielen europäischen Ländern nutzen lassen. Dank WLAN-Hotspot surfen Mitfahrer mit bis zu acht Mobilgeräten über die Internetverbindung von Audi. Das WLAN-Datenvolumen muss jedoch separat gebucht werden. Dafür begeistert der Q2 mit seiner cleveren Smartphone-Integration: Handys, die unter der Armlehne liegen, werden kabellos mit der empfangsverbessernden Außenantenne verbunden; unterstützen sie den QI-Standard, werden sie schnurlos geladen.

Volles Programm
Die Schnittstellen Apple CarPlay und Android Auto erlauben zudem einen komfortablen und sicheren Zugriff auf ausgewählte Handy-Apps. Die Bedienung des Gesamtsystems bedarf jedoch etwas Übung, vor allem das Multifunktionslenkrad wirkt zunächst überladen. Immerhin hilft die auffassungsfreudige Sprachbedienung, die ganze Kommandos in einem Rutsch umsetzt. Audi nennt zwar noch keine Optionspreise, wer sich am A3 orientiert, dürfte jedoch nicht so verkehrt liegen. Und dort kommen für die volle Infotainment-Pracht 4.000 bis 5.000 Euro zusammen. Auch da wird der Q2 wohl ein Großer sein.Die MMI Navigation Plus lässt in Sachen Funktionsumfang, Darstellung und Verbindungsqualität keine Wünsche offen und begeistert mit seiner toller Sprachbedienung. Technikfans werden es daher verkraften, dass die Bedienung eine gewisse Einarbeitung erfordert. Die hohen Preise dürften hingegen schon schwerer zu verdauen sein.
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Testwertung
4.5 von 5

Quelle: auto-motor-und-sport, 2016-08-07

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