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Testbericht

10. April 2015
Es ist eines der ganz großen Themen in Sachen Mobilität: Neben der Effizienzsteigerung und der Elektromobilität arbeitet die Automobilbranche mit Hochdruck am automatisierten Fahren. Dass Audi dabei ganz vorne mitspielt, zeigte der Autobauer in den vergangenen Monaten mit einer pilotierten Fahrt über den Hockenheimring und dem 560-Meilen-Test auf einem US-Highway vom Silicon Valley bis nach Las Vegas. Die Technik funktioniert. Was der deutschen Autoindustrie bislang aber noch fehlte, ist die Möglichkeit, die Versuchsfahrzeuge auch hierzulande unter Realbedingungen testen zu können.

Audi A7 fährt bis Tempo 130 automatisch
Eine entsprechende Strecke findet sich nun auf der Autobahn A9 zwischen Ingolstadt und Nürnberg auf einem etwa 50 km langen Abschnitt. Hier ist sichergestellt, dass die Technik des Audi A7 Piloted Driving Concept nicht mit unvorhersehbaren Überraschungen konfrontiert wird. Heißt: die Fahrbahn-Markierungen und der Standstreifen sind vollständig und durchgehend vorhanden, Echtzeit-Staudaten und die Kenntnis zur aktuellen Baustellensituation gewährleistet. Die Kameras und zahlreichen Sensoren (Laser, Ultraschall, Radar) zur Überwachung von Straße und Verkehr können also so exakt wie möglich arbeiten. Das ist wichtig, da der A7 im Vergleich zum Versuchsfahrzeug, das über die Rennstrecke fuhr, für das pilotierte Fahren im Straßenverkehr kaum GPS-Daten nutzt.Natürlich kitzelt es trotzdem ein wenig an den Nerven, wenn der Autopilot zum ersten Mal eingeschaltet wird. Das Lenkrad aus der Hand geben? Hier, wo der dichte aber immer noch recht flüssige Verkehr so viel Konzentration abverlangt? Schon kurz nach der Auffahrt auf die Autobahn ist es soweit. Die Technik meldet sich über ein akustisches Signal und der in türkis aufleuchtenden LED-Leiste auf dem Armaturenträger. Der A7 ist jetzt bereit, selbst zu fahren. Um ihm die Kontrolle zu übergeben, drückt der Fahrer simultan auf zwei Tasten am Lenkrad. Bis Tempo 130 pilotiert Jack – so der Name des Versuchsfahrzeugs - seine Insassen automatisch (eine höhere Geschwindigkeit erlaubt die sensorische Erfassung noch nicht). Der Wagen hält dabei mit sanften Lenkbewegung die Spur, beschleunigt, bremst oder überholt selbstständig. Der größte Vorteil dabei: dort, wo Autofahren nicht wirklich viel Spaß macht, weil die Augen zur Kontrolle hektisch zwischen Windschutzscheibe und Außenspiegeln zappen oder das rechte Bein mehrfach von Gas zu Bremse wechselt, sorgt die Elektronik für eine entspannte Reise.Kritische Situationen waren während unserer Fahrt nicht festzustellen, denn der Autopilot handelt stets defensiv. Erkennt das System zum Beispiel einen von hinten mit hoher Geschwindigkeit heranrauschenden Wagen, wird ein Überholvorgang auch mal abgebrochen. Das funktioniert so gut, dass die Technik bereits nach wenigen Manövern viel Vertrauen spendet.

Fahrer übernimmt nach 15 sekündiger Übergabephase
Darüber hinaus kann der Fahrer jederzeit unkompliziert eingreifen und das Ruder wieder selbst in die Hand nehmen. Um den Autopiloten zu beenden, reicht eine einfache Lenkbewegung, ein Tritt auf das Gaspedal oder natürlich auf die Bremse. Übergibt das System die Kontrolle von sich aus zurück an den Fahrer, leitet es eine etwa 15 sekündige Übergabephase ein. Der Fahrer wird dann mehrfach über akustische und optische Signale auf die Deaktivierung des Autopiloten hingewiesen. Das passiert zum Beispiel nach einer, über das Navi vordefinierten Strecke. Sollte es dazu kommen, dass der Fahrer die Kontrolle nicht wieder übernimmt - zum Beispiel weil er schläft - würde das System das Auto selbstständig zum Standstreifen manövrieren und dort zum Stehen bringen. Ausprobiert haben wir das allerdings freilich nicht.Mit dem pilotierten Fahren auf der A9 zeigt Audi die zweite Entwicklungsstufe bei den automatisierten Fahrassistenten. Bevor die Technik Einzug in Serienfahrzeuge hält, müssen zunächst allerdings verkehrsrechtliche Rahmenbedingungen geschaffen werden. Ein wichtiger Punkt auf der Agenda von Verkehrsminister Alexander Dobrindt, der sich ebenfalls hinter das Steuer des Audi A7 piloted driving Concepts setzte. Der CSU-Politiker empfand das pilotierte Fahren als "einzigartiges Erlebnis und absolut sicheres Fahren" und ist sich sicher, dass "Autofahrer sich auf die neue Technik freuen werden". Er selbst würde das System schon heute gerne in Stausituationen nutzen. Darauf muss er allerdings gar nicht lange warten. Bereits 2017 will Audi den neuen A8 mit einem Staupiloten und der pilotierten Parkfunktion anbieten - die Vorstufe für das pilotierte Fahren wäre damit erreicht. Auf der IAA im September 2015 will Dobrindt neue, international gültige Gesetzesentwürfe vorstellen, um auch das vollständig automatisierte Fahren weiter voranzutreiben. Weitere Infos zum pilotiert fahrenden Audi A7 und wie wir die Fahrt erlebt haben, lesen Sie in der Fotoshow.
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Quelle: auto-motor-und-sport, 2015-04-10

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