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Testbericht

29. September 2009

Möge bitte niemand behaupten, bei den immer zahlreicheren Variationen zum Thema Audi A4 und Audi A5 gehe irgendwann der produktphilosophische Unterbau verloren. Denn den neuen Sportback ahnte bereits Heraklit, ein Griechen-Philosoph aus den frühen führerscheinlosen Zeiten. "Alles fließt", sprach er weise vor 2.500 Jahren und konnte nur dieses Fließheck gemeint haben.

Der Audi A5 Sportback hat den Radstand des A4 geerbt, ist aber breiter und länger Trotzdem: Es gibt Rätsel auf. Und die Rätsel werden größer, je näher man kommt und die zwei Hauptdisziplinen der Käufer für die Beurteilung eines Autos - nämlich Schönheit und Funktion - im Auge behält. Aus zehn Meter Abstand, einer guten Distanz zur Beurteilung der Optik, gefällt die breite Stämmigkeit, mit der dieser A5 auf der Straße steht. Der Sportback hat den langen Radstand des A4 geerbt, ist aber 2,8 Zentimeter breiter, etwas länger und 3,6 Zentimeter niedriger als die Limousine. Das ergibt interessante Proportionen, zumal das lang nach hinten auslaufende Dach für Eleganz im Abgang sorgt. Es bleibt die Frage: Wenn es einem Käufer vor allem um das Aussehen geht, ist dann das A5 Coupé, das sein Designer Walter de Silva "mein bisher schönstes Auto" nannte, nicht noch einen Hauch extravaganter? Und geht es einem Interessenten eher um die Funktion, muss sich der Fließheck-A5 dann nicht stets mit dem A4 Avant messen, der ebenfalls fesch daherkommt, aber 4,5 Zentimeter höher als der Sportback ist, fünf statt nur vier Sitzplätze bietet und bei umgeklappten Rücksitzlehnen 1.430 Liter Stauvolumen anstelle von 980 Litern? Der Audi A5 Sportback ist für Audi eines der wichtigsten Modelle in der Mittelklasse Das sind die Fragen, über die man vor dem Testwagen stehend lange grübeln kann - bis plötzlich der Fahrer eines 2.000-Euro-Mountainbikes auf den Waldparkplatz rollt, absteigt, ein Mal ums Auto herumgeht, zwei Mal ums Auto geht, unter die offene Heckklappe schaut, mit dem Kopf nickt und sagt: "Schönes Auto ham Sie da. Und zur Not passt sogar was rein. So einen hol ich mir auch." Den Mann muss die Audi -Marketingabteilung vorbeigeschickt haben. 40.000 bis 50.000 solcher Typen weltweit sollen pro Jahr einen A5 Sportback kaufen. Die gleiche Stückzahl wird von A5 Coupé und A5 Cabrio ( Das Audi A5 Cabrio im Einzeltest ) zusammen erwartet. Das zeigt: Nach A4 Avant und A4 Limousine ist der A5 Sportback für Audi das wichtigste Modell in der Mittelklasse. Auf den ersten Blick hält man den Audi A5 Sportback für eine A4 Limousine Was seine Käufer fürs Geld bekommen, zeigt sich im Test. Geld sollte bei der Kundschaft übrigens nicht zu knapp vorhanden sein. Auf dem Preisschild des Testwagens stehen über 47.000 Euro, und eine Ledergarnitur ist darin noch nicht enthalten. Rund um die Heckklappe fällt Folgendes auf: erstens, dass sie geschlossen überhaupt nicht auffällt. Auf den ersten Blick sorgt der Verlauf der Fugen dafür, dass man den Sportback mit seinen vier Türen für eine A4 Limousine hält. Der Aha-Effekt kommt erst, wenn die riesige Heckklappe nach oben schwingt. Zweitens fällt auf: die deutlich höhere Ladekante als beim Avant und der störend hohe Absatz in der Öffnung. Drittens: dass bis auf Kühlschränke eigentlich alles reinpasst. Und Kühlschränke werden heutzutage ins Haus geliefert. Die Rücksitzlehnen sind ruck zuck umgelegt, die Ladefläche ist dann allerdings nicht ganz eben.

Audi A5 Sportback: Das Platzangebot im Fond ist begrenzt Nicht jeder ist gleich gut im neuen Audi untergebracht. Fahrer und Beifahrer werden keinen Grund zu klagen finden. Die Innenraumbreite ist A5-typisch sehr großzügig bemessen, die Ergonomie für jede Körpergröße auf ähnlich hohem Niveau wie die Verarbeitung. Und die beiden hinteren Passagiere? Die Sitzanlage ist tief eingebaut. Wer schon zwei Bandscheibenvorfälle hatte, wird beim Einsteigen den dritten fürchten. Nervender jedoch ist die eingeschränkte Kopffreiheit. Fließheck ist nun mal nicht Steilheck, und spätestens ab 1,85 Meter Körpergröße drückt der Dachhimmel auf die Kopfhaut und aufs Gemüt der Mitfahrer. Unangenehm. Audi A5 Sportback: Eher ein komfortabler Ableger der Audi-Mittelklassefamilie Umso angenehmer ist das Fahren mit dem Sportback. Trotz der rahmenlosen Scheiben - die sich hinten nicht ganz versenken lassen, was sehr seltsam aussieht - sind die Windgeräusche niedrig. Das kriegt nicht jeder Hersteller so gut hin. Die Übersichtlichkeit nach schräg hinten können andere dafür besser. Interessant auch: Anders als der Name Sportback suggeriert, ist der Neue eher ein komfortabler Ableger der Audi -Mittelklassefamilie. Der Testwagen hat das Serien-Fahrwerk, das bei A4/A5 ohnehin etwas komfortabler abgestimmt ist als die aufpreispflichtige adaptive Fahrwerksregelung selbst in der Stellung "comfort". Das konventionelle Fahrwerk wurde für den Sportback durch eine veränderte Feder- und Dämpferrate in Richtung Komfort getrimmt. Auch das höhere Gewicht und der längere Radstand im Vergleich zum A5 Coupé fördern die guten Umgangsformen. Nur Querfugen regen das Fahrwerk jeweils kurz an. Die Fahrdynamik profitiert vom neuen Technik-Layout des Audi A5 Coupé Die präzise, aber nicht übertrieben direkte Lenkung passt zu diesem Charakter, der sich auch im Handling widerspiegelt: Der Sportback macht stets willig, was man von ihm will, bis in den hohen Grenzbereich hinein - die übrige Zeit lässt er den Fahrer in Ruhe und will nicht dauernd beschäftigt werden. So wünschen sich Eltern ihre Kinder. Die Fahrdynamik profitiert vom neuen Technik-Layout, das Audi schon beim A5 Coupé brachte: Differenzial und Vorderachse wanderten weiter nach vorne. Nach wie vor schiebt ein Frontantriebs-Audi über die Vorderräder und bremst sich dadurch in zu schnell angegangenen Kurven ab. Aber er tut das jetzt später, bleibt länger neutral und serviert Fahrgenuss, ohne es mit der Sportlichkeit zu übertreiben. Audi A5 Sportback: Der Testverbrauch lag bei 7,1 L/100 km Auch dank Start-Stopp-System, Schaltpunktanzeige sowie Rekuperationssystem, das beim Bremsen die Batterie lädt, kommt der Sportback mit dem 170-PS-TDI auf einen Testverbrauch von 7,1 L/100 km. Auf der betont sparsam gefahrenen Normrunde genügten ihm 4,8 Liter. Der Common-Rail-Diesel hat eine Anfahrschwäche, die nicht allzu sehr stört. Ist der Druck des Turboladers aber voll aufgebaut, geht der TDI mit einem Arbeitseifer zu Werk, der bei jedem Gasstoß schon Lust auf den nächsten macht, bei Nässe jedoch den Wunsch nach einer Allrad-Variante mit ihrer besseren Traktion weckt.

Je länger man mit dem Sportback fährt, desto schlechter kann man sich an die vielen Fragen erinnern, die dieser A5 zu Beginn aufwarf. Wer ihn kaufen soll? Da kommt jeder in Frage, der auch die A4 Limousine kaufen würde. Oder den Avant. Oder das A5 Coupé. Also eine ganze Menge Leute.

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Quelle: auto-motor-und-sport, 2009-09-29

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