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Testbericht

26. Februar 2012

Autsch, der Stachel saß wohl ganz schön tief. Ausgerechnet den Perfektions-Freaks von Audi attestierte auto motor und sport in vielen A4-Tests eine nur durchschnittliche Materialanmutung mit schlichtem Kunststoff in der Mittelkonsole sowie fummeligen Details bei der Bedienung. Beispiel Sitzheizung: Bisher musste erst die Funktion über einen Druckschalter aktiviert werden, bevor sich via Drehrädchen deren Intensität justieren ließ. Auch der weit hinten platzierte Multimedia-Controller MMI war von verwirrend vielen Knöpfchen umgeben. Kein Wunder, dass Audi für die zweite Lebenshälfte des Audi A4 seines mit Abstand meistverkauften Modells nicht nur Kühler, Motorhaube und Lichter aufhübscht, sondern auch den Innenraum entschlackt. So lassen sich die Frontsessel jetzt mit einem Knopfdruck temperieren, während das auf vier Haupttasten reduzierte MMI weniger Blicke vom Verkehrsgeschehen abzieht.

Audi A4 bei Innenraum-Qualität und Detailliebe vorn Im Stand dürfen die Blicke dafür umso intensiver im überarbeiteten Interieur des Audi A4 1.8 TFSI schweifen. Schließlich lässt sich kaum noch ein Lüftungsgitter oder Bedienelement finden, das nicht von Chrom- oder Klavierlack-Dekor geschmückt wird. Hinsichtlich Qualität und Detailliebe schiebt sich der Audi damit wieder vor die Mercedes C-Klasse, die nach ihrer Modellpflege vor einem knappen Jahr vorbeigezogen war. Doch auch bei der Technik legt der Audi A4 nach: Die neue elektromechanische Lenkung soll nicht nur präziser arbeiten, sondern verspricht eine Verbrauchsersparnis von bis zu 0,3 Liter/100 km, da sie im Gegensatz zu hydraulischen Systemen beim Geradeausfahren keine Energie benötigt. Noch intensiver ging es dem 1,8-Liter-Vierzylinder an den Kragen. Um die leichte Durchzugsschwäche zu beheben, spendierten ihm die Ingenieure den aufwendigen Ventiltrieb des Zweiliter-Triebwerks samt zweistufigem Hub sowie variablen Steuerzeiten für Ein- und Auslassventile. Eindrucksvoller als die zehn Extra-PS geriet so die Drehmomentsteigerung von 250 auf 320 Nm, die im Audi A4 1.8 TFSI bei turbodieseligen 1.400/min anliegen. Ferner wurde der zum Turbolader gehende Abgaskrümmer komplett in den Zylinderkopf integriert. Von dessen Wasserkühlung soll vor allem der Verbrauch unter Volllast profitieren. Herzstück des EA888 in seiner dritten Generation stellt jedoch eindeutig das doppelte Einspritzsystem dar. Die ausschließlich im mittleren Drehzahlbereich aktive Saugrohreinspritzung unterstützt dabei das 200-bar-Direkteinspritzsystem, wodurch die Partikelemissionen so weit reduziert werden konnten, dass das 131-Kilo-Aggregat bereits heute Euro 6 erfüllt.

Audi A4 1.8 TFSI in 7,9 Sekunden auf Tempo 100 Entsprechend motiviert macht sich der TFSI daher bereits knapp über Leerlaufdrehzahl ans Werk und schlenzt den 1,5-Tonnen schweren Audi A4 1.8 TFSI in 7,9 Sekunden auf Landstraßentempo – ein Wort für das hubraumschwächste Aggregat im Audi A4. Dank Sumoringer-Wucht und langer Übersetzung muss der Vierzylinder nur selten über 3.000/min bemüht werden, was nicht nur die Ohren der Mitfahrer schont, sondern auch für einen Verbrauch von 8,5 Litern sorgt – immerhin 1,8 Liter weniger als der Vorgänger. Trotz seiner 14 PS Mehrleistung muss sich der Mercedes C 200 ganz schön strecken. Doch abschütteln lässt er sich nicht, schließlich bekommt der klassische Turbo im oberen Bereich seinen zweiten Wind. Zudem verkneift sich der ebenfalls 1,8 Liter große Direkteinspritzer spürbare Vibrationen und erfreut mit seinem sympathisch kehligen Sound. Der Verzicht auf den über 10.000 Euro teureren Sechszylinder fällt also auch im Mercedes nicht schwer. Obwohl mittels Blue-Efficiency-Ausstattung samt Start-Stopp-System auf Diät gesetzt, macht sich das höhere Drehzahlniveau allerdings mit einem Aufschlag von knapp einem Liter pro 100 km gegenüber dem Audi A4 1.8 TFSI bemerkbar. Dafür entschädigt der Mercedes C 200 mit seinem geschmeidigen Federungskomfort. Vor allem kurze Stöße absorbieren seine Dämpfer faszinierend ansatzlos und sorgen zusammen mit der steifen Karosserie für das markentypische Schwebegefühl der Kategorie S-Klasse light. Ebenso erfreulich, dass der Komfort nicht zu Lasten der Agilität geht. Zwar will die C-Klasse mit ihrer präzisen und dabei verreißsicheren Lenkung etwas intensiver für Kurven begeistert werden, meistert sie dann jedoch neutral und kaum langsamer.

Mercedes in verwinkelten Parkhäusern entspannter Mit seinem kleineren Wendekreis schlängelt sich der Mercedes zudem entspannter durch verwinkelte Innenstädte und enge Parkhäuser. Da lässt es sich verschmerzen, dass großgewachsene Hinterbänkler nicht ganz so luftig sitzen wie im A4. Mit Serien- statt optionalem Adaptiv-Fahrwerk rollt der Audi A4 1.8 TFSI straffer ab, ohne deshalb jedoch zum ruppigen Schlagloch-Bolzer zu werden. Seine leichtgängige und gefühlvolle Lenkung, die kaum Antriebseinflüsse durchstellt, erlaubt darüber hinaus ein präziseres Umrunden enger Kehren. Da passt es bestens, dass der Audi A4 als "Ambition" mit bequemen und seitenhaltreichen Sportsitzen zum Test erschien. Dank Frontantrieb meistert er zudem verschneite Anstiege, bei denen der heckgetriebene Mercedes schon nach Ketten schreit. Beim Thema Bremsen herrscht jedoch nahezu Gleichstand: Voll beladen stehen beide selbst beim zehnten Stopp aus Tempo 100 nach rund 35 Metern – nicht nur in dieser Klasse Top-Werte. Größere Differenzen ergeben sich beim Blick in die Preisliste: So kostet der Mercedes C 200 als Elegance rund 4.000 Euro mehr als der Audi A4, ohne dafür wesentlich besser ausgestattet zu sein. Damit festigt der sparsame und durchzugskräftige Audi A4 1.8 TFSI seinen knappen Vorsprung aus der Eigenschaftswertung vor dem entspannten und komfortablen Mercedes. Aber allzu lang sollte sich Audi nicht mit Feiern aufhalten. Schließlich lauert mit dem ganz neuen BMW 3er schon der nächste Herausforderer. Und der hat sich im Einzeltest schon seine fünf Sterne abgeholt.

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Quelle: auto-motor-und-sport, 2012-02-26

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