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Testbericht

17. Juni 2012

Erinnern Sie sich noch? Es gab mal Zeiten, da reichten 100 PS und ein paar Rallye-Streifen, um einen Kleinwagen in etwas zu verwandeln, das man "Rakete" nannte, mit der man wunderbar Fahrer "dicker Limousinen" verblüffen konnte. Einspritzanlagen kitzelten die entscheidenden Extra-PS aus simplen Großserientriebwerken und sorgten für prestigeträchtige Typenbezeichnungen, die auf i oder e endeten. Heute halten schon brave Familiendiesel mit ein paar Hundert Newtonmeter Drehmoment dagegen, für diebische Freudenmomente braucht es daher einiges mehr an Rüstzeug. Zum Beispiel den amtierenden Zwergenkönig Mini John Cooper Works, dessen 211 PS auf schmächtige 1.200 Kilogramm prallen. Oder den Audi A1 Quattro. Der auf 333 Exemplare limitierte Vorbote zukünftiger Allrad-Varianten macht mit seinen weiß lackierten Turbinenrädern und dem Riesen-Dachflügel frech auf Pikes-Peak- oder IMSA-Bolide. Vom stramm anliegenden Sportsessel mit integrierter Kopfstütze aus führt der Fahrer einen geriffelten Alu-Knauf durch die Gassen und blickt auf eine grellrote Drehzahlmesser-Skala.

Audi A1 Quattro stürmt aufgekratzt los Auch antriebsseitig geht Audi das Thema Spaß mit großer Ernsthaftigkeit an: Zwei Liter Hubraum, Direkteinspritzung, Turbolader mit Ladeluftkühlung und vier von variablen Nockenwellen dirigierte Ventile sorgen für 256 PS, die per Allradantrieb auf die Straße losgelassen werden. Für den Audi A1 Quattro räumen die Bayern mal eben ihr halbes Technikmagazin leer. Entsprechend aufgekratzt stürmt der Audi A1 Quattro los, zieht in sechs Sekunden auf Tempo 100, um sich erst bei 245 km/h mit den Fahrwiderständen auf ein Unentschieden zu einigen. Als typischer Turbo macht sich der Vierzylinder im unteren Drehzahlbereich verhalten ans Werk, kämpft sich ab 2.500/min ins Spiel und beglückt bis 4.500/min mit den vollen 350 Nm Drehmoment. Und dann erst diese Traktion. Von Hause aus frontlastig ausgelegt, schickt der Audi A1 per elektronisch gesteuerter Lamellenkupplung bei Bedarf die Kraft ansatzlos Richtung Heck. Dank integriertem Druckspeicher zucken die Lamellenpakete an der aus dem TTS stammenden Hinterachse nämlich binnen Millisekunden zusammen. Ob Ampelstart bei Nässe, welliger Asphalt oder Herausbeschleunigen aus Kehren – das Einzige, was Fahrer des Audi A1 Quattro durchdrehen lassen, sind die Gemüter chancenloser Verfolger.

Audi A1 Quattro ist alles andere als grobschlächtiger Muskelprotz Doch dann die Überraschung: Der kleine Audi A1 Quattro ist alles andere als ein grobschlächtiger Muskelprotz. Mit seiner elektromechanischen Lenkung lässt er sich wunderbar präzise und nahezu frei von Antriebseinflüssen dirigieren, münzt Lastwechsel dankbar in problemlos kalkulierbare Heckschwenks um und schiebt im Grenzbereich gelassen über alle viere. Darüber hinaus geht er trotz gewaltiger 18-Zoll-Räder mit Serie-35-Reifen noch vergleichsweise geschmeidig über Unebenheiten hinweg. Mag sein, dass der Audi A1 Quattro von vorn kaum von seinen größeren Brüdern zu unterscheiden ist – im Gegenzug köchelt er jedoch auch deren Reife auf unter vier Meter ein. Mini JCW mit sonor bollerndem Works-Turbo Ruft da jemand langweilig? Okay, dann ab in den Mini John Cooper Works. Schon beim ersten Ausdrehen putzt sein wunderbar sonor bollernder Works-Turbo mit 1,6 Liter Hubraum die Gehörgänge frei. Dank zweiflutig angeblasenem Twinscroll-Lader mit maximal 1,3 bar Ladedruck ist von einem Turboloch zudem kaum etwas zu spüren. Noch mehr verblüfft allerdings, dass der Mini JCW beim Sprint auf Tempo 100 nur um 0,7 Sekunden abreißen lassen muss, um beim Durchzug den 45 PS stärkeren Audi A1 Quattro sogar abzuledern. Als Erklärung genügt ein Blick aufs Fahrzeuggewicht, wo der Mini John Cooper Works über 200 kg weniger auf den Rippen hat. Mit seiner aufwendigen Multilenker-Hinterachse lässt er sich auf ebenem Untergrund zudem herrlich zackig durch Kurven scheuchen, die er mit wenig Seitenneigung durcheilt.

Trotz elektronischer Differenzialsperre hat er jedoch Mühe, seine Kraft auf die Straße zu bringen und zeigt mit kräftigem Lenkradzerren, dass 200 PS so etwas wie die natürliche Grenze für Fronttriebler darstellen. Wer abseits öffentlicher Straßen die ESP-Taste drückt, sollte zudem wissen, was er tut. Ohne den elektronischen Rettungsschirm kann das Heck des Mini JCW nämlich schon mal zickig werden. Kommen noch Bodenwellen hinzu, die von der straffen Federung selbstlos weitergegeben werden, wünscht man sich daher schon bald einen etwas geringeren Erlebnis- und dafür mehr Nutzwert. Denn auch in Sachen Geräuschkomfort, Bedienung, Kofferraum oder Platz für Mitfahrer ist der Audi A1 Quattro das alltagstauglichere Auto. Mini JCW plus Limousine oder A1 Quattro? Wer den Alltag in erster Linie mit Geldverdienen verbringen muss, wird den Audi A1 Quattro eher verschmähen. Schließlich fährt der mit einem Preis von 49.900 Euro in seiner eigenen Liga. Immerhin schnürt Audi ein Komplettpaket, das von Xenonlicht über MMI-Navigation Plus samt WLAN-Hotspot bis hin zu weichem Seidennappa-Leder fast alles enthält, was die Preisliste hergibt. Und das ist für Kleinwagen sehr viel, genau wie beim Mini John Cooper Works. Der schafft mit seinem rund 20.000 Euro günstigeren Basispreis in diesem Vergleich das bisher Undenkbare: Er schiebt sich ausgerechnet über die Kosten noch einmal nahe an seinen Konkurrenten heran und unterbietet ihn auch im Verbrauch. Ein Test-Konsum von 9,4 gegenüber 10,9 L/100 km lässt den Mini JCW jedoch nur relativ sparsam aussehen, absolut gesehen ist das Trinkverhalten beider Turbos politisch inkorrekt. Immerhin hat Mini das Problem erkannt und setzt den JCW ab dem dritten Quartal 2012 mit Start-Stopp-System und Bremsenergie-Rückgewinnung auf Diät. Dass der Audi A1 Quattro Sportlichkeit und Reife besser unter sein Kuppeldach bringt, dürften Mini-Fans daher verkraften. Für die Preisdifferenz, die ihre Rakete günstiger ist, ließe sich schließlich zusätzlich noch eine dicke Limousine für den Alltag anschaffen.

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Testwertung
3.5 von 5

Quelle: auto-motor-und-sport, 2012-06-17

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