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Testbericht

30. November 2016
In der Nacht sind alle Katzen grau, doch die drei Testwagen sind es auch bei Tag. Natürlich ganz individuell in Manhattangrau (Audi), Mineralgrau (BMW) und Selenitgrau (Mercedes), und ob die Farborgie im Interieur Arrasrot, Korallrot oder Cranberryrot heißt, ist keinesfalls egal. Aber mutig, vielleicht sogar stylish, und darum geht es ja bei diesen Autos.Eine grundsolide Mittelklasse-Basis in einen gestreckten, eleganten Zweitürer zu verwandeln – darauf verstehen sich die drei Nobelmarken seit Jahrzehnten. Zur Abgrenzung gibt es meist eine eigene Modellbezeichnung und eine bessere Serienausstattung dazu, aber auch einen höheren Preis. So kostet der Audi 2.300 und der BMW 2.850 Euro mehr als eine vergleichbare Limousine, während Mercedes nur maßvolle 774 Euro Aufschlag verlangt – nicht entscheidend in dieser Klasse. Also rein in die guten Stuben und raus auf die Strecke, mit dem Jüngsten zuerst.

A5 mit viel Technik im Innenraum
Das A5 Coupé tritt ein schweres Erbe an, schon der Vorgänger gilt als klassische Schönheit. Jetzt ist das Auto etwas größer und geräumiger, mit seinen Sicken und Kanten noch prägnanter, jedoch vor allem deutlich leichter als zuvor. Auch das Cockpit wirkt filigran und luftig, entspricht in Layout wie Funktion exakt dem des A4 – mit allen Vor- und Nachteilen: bestechende Qualität und Verarbeitung, klare und flexible Anzeigen im Virtual Display, aber komplexe Bedienung via MMI Touch. Man muss schon genau hinsehen, um die gewünschten Funktionen zu aktivieren. Besser geht es per Spracheingabe.Mit der Dachhöhe sinken auch der Schwerpunkt des Wagens und die Position des Fahrers, der auf bequemen, haltstarken Sportsitzen logiert und von hinten elektrisch den Gurt angereicht bekommt. Den Einstieg nach hinten erleichtert der automatisch nach vorn rutschende Vordersitz, doch wegen des knappen Bein- und Kopfraums sind die beiden Fondsitze nicht wirklich einladend. Immerhin lässt sich der große Kofferraum mit der dreiteilig klappbaren Rücksitzlehne flexibel erweitern und das Fondabteil mit der Dreizonen-Klimaautomatik individuell temperieren.

Überzeugender 2-Liter Diesel im Audi
Überhaupt stecken im Testwagen viele tolle, praktische (und teure) Extras – von den empfehlenswerten Assistenzpaketen „Stadt“ und „Tour“ über Matrix-LED-Scheinwerfer und Head-up-Display bis hin zu Adaptivfahrwerk und Dynamiklenkung. Die arbeitet sehr homogen und präzise, vermittelt guten Fahrbahnkontakt, lässt nur bei forcierter Gangart bisweilen Stöße und Antriebseinflüsse durch. Im Dynamic-Modus packt sie noch energischer zu, während die Dämpfer besonders kurze Wellen sportlich-herb wegstecken. Sanfter federt das Coupé im Comfort-Modus, doch das polternde Abrollen der 18- Zoll-Räder bleibt stets erhalten.Dabei ist der Audi ansonsten erfreulich leise, hat sowohl Wind- wie Motorgeräusche bestens im Griff. Der Zweiliter-TDI mit 190 PS und 400 Nm macht jedenfalls von seiner Verbrennungsart wenig Aufhebens, glänzt mit Laufkultur, Temperament und niedrigem Verbrauch (Testmittel 6,5 l/100 km). Ein Diesel im Coupé? Warum nicht, wenn er so überzeugend zu Werke geht und sich harmonisch in das große Ganze einfügt. Nur das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe lernt bisweilen etwas langsam, schaltet erst träge, hält nach einem kurzen Galopp dann ewig den Gang. Und sonst? Alles bestens – vom hohen Sicherheitsstandard über zupackende Bremsen und leichtfüßiges Handling bis hin zur günstigsten Kostenbilanz liefert der A5 hier eine über- zeugende Vorstellung.

Dynamikheld 4er BMW
Dabei hält sich der drei Jahre ältere BMW 4er tapfer im Windschatten, lässt zwar bei Assistenzausstattung und Bremsen ein paar Punkte, behauptet sich aber als fahraktivstes Auto in dieser Runde. Obwohl – oder gerade weil – der getestete 420d mit Adaptivfahrwerk nicht gar so bissig wie frühere Exemplare anspricht, lässt er sich agil, direkt und punktgenau dirigieren. Die variable Sportlenkung (250 Euro) setzt Kommandos mit perfekter Rückmeldung, aber ohne Störeinflüsse um, und den doppelten Spurwechsel meistert der Hecktriebler in Bestzeit. Nur in engen Kehren hapert es mit der Traktion.Umso mehr überrascht der gute Komfort, denn die Federung schluckt grobe Unebenheiten feiner und leiser als der steifbeinigere Audi. Darüber dürfen sich vor allem die Fondpassagiere freuen, die auf den bequemen Einzelsitzen mit angenehmer Lehnenneigung und ausreichend Platz hier am besten untergebracht sind. Akustische Störfeuer drohen höchstens aus dem Maschinenabteil, wo der Zweiliter-Diesel allzu vernehmlich von seinem Diensteifer kündet. Trotz nominellem Gleichstand mit dem Audi-Triebwerk und fast identischem Gewicht geht er jedoch nicht ganz so vehement zur Sache und verbraucht etwas mehr.Dagegen begeistert die optionale Achtgang-Wandlerautomatik erneut mit ruckfreien, treffsicheren Schaltvorgängen, auch beim Multimedia-Angebot und bei der mustergültigen Bedienung scheinen derzeit kaum Verbesserungen möglich. Nur die teils einfachen Kunststoffe und das knisternde Cockpit passen nicht so recht zu Anspruch und Preisklasse. Aber da wartet ja noch ein Dritter auf seinen großen Auftritt.

Komfortables C-Coupé
Groß ist das C 250 d Coupé allerdings eher außen, Innen- und Kofferraum fallen dagegen deutlich kleiner als bei den Rivalen aus. Vor allem Einstieg, Platzangebot und Raumgefühl hinten sind für Erwachsene sehr beengt, und neben den kleinen Fondscheiben verbauen auch die integrierten Kopfstützen die Sicht zurück. Also blicken wir lieber nach vorn auf das edle, etwas wuchtige Cockpit, in dem höchstens die Bedienung mit ihren verschachtelten Menüs sowie das Nebeneinander von Controller, Touchpad und Lenkradtasten nicht restlos überzeugen.Umso talentierter steckt das Fahrwerk grobe Verwerfungen weg, zumindest wenn die optionale Luftfederung Airmatic (1.416 Euro) an Bord ist. Sie absorbiert lange Wellen souverän und kurze etwas trockener, bewahrt Aufbau und Insassen vor unangenehmen Schwankungen. Trotz des etwas steifen Abrollens ist der Mercedes hier klar der Sanfteste, untermauert seinen defensiven Charakter mit feinfühligen ESP-Eingriffen, die das zart wischende Heck bei flotter Kurvenfahrt im Zaum halten. Denn anspringende Dynamik ist seine Sache nicht, er lässt es lieber etwas ruhiger als die anderen angehen.

Letzter Platz für den Benz
Nur der 2,1-Liter-Dieselmotor der älteren Baureihe OM 651 hält sich nicht daran, klingt allzu präsent und passt mit seiner knurrigen Art nicht recht zum sonst so kultivierten Coupé. Auch von seinem Plus an Leistung und Drehmoment ist wenig zu spüren, wobei die Neungangautomatik mit passenden, geschmeidigen Gangwechseln dem ZF-Getriebe des BMW in jeder Hinsicht Paroli bietet. Doch angesichts der nicht sonderlich vehementen Bremsen kann selbst die äußerst umfangreiche Sicherheitsausstattung nicht verhindern, dass der Mercedes am Schluss hinter den Rivalen landet.Denn speziell beim Audi bekommt man zur Schönheit, die ja bekanntlich im Auge des Betrachters liegt, noch ein paar handfeste Vorzüge obendrauf, die ihn hier an die Spitze bringen. Doch in jedem Fall hätten die drei statt des Einheitsgrau eigentlich leuchtende Farben verdient: Gold, Silber und Bronze.
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Testwertung
4.5 von 5

Quelle: auto-motor-und-sport, 2016-11-30

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