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Testbericht

16. März 2011

Für Mercedes und BMW kann das Jahr doch gar nicht besser beginnen: Während sich die E-Klasse als erfolgreichste Business-Limousine der Welt feiern lässt, schießt der 5er in Deutschland mitten in die von günstigen Klein- und Kompaktwagen dominierte Zulassungs-Top Five. In den Werken knallen Sektkorken mit Blechpressen um die Wette, nur Sonderschichten können die Lieferfristen in erträglichen Grenzen halten. Tja Audi, was wollt ihr da noch bringen?

Audi mit mehr Radstand und weniger Gewicht Na, den neuen Audi A6 zum Beispiel, der als 3.0 TDI Quattro gegen die ebenfalls allradgetriebenen Konkurrenten 530d und E 350 CDI antritt. Nachdem der Vorgänger-Audi A6 die Nummer-eins-Position eingebüßt hat, schärften seine Entwickler den Audi A6 nach: Bei nahezu unveränderten Abmessungen rückte die Vorderachse des Audi A6 gut sieben Zentimeter nach vorn, was nicht nur kürzere Überhänge ergibt, sondern auch die leichte Handling-Kopflastigkeit ausmerzen soll. Gleichzeitig reduziert der Einsatz von viel Aluminium und hochfestem Stahl das Gewicht des Audi A6 je nach Variante um bis zu 80 Kilogramm. Den Innengeräuschen rücken wiederum aufgespritzte Dämmmaterialien statt der üblichen Bitumenmatten zu Leibe, ebenso spezielle Türdichtungen und Akustikscheiben. Vom verlängerten Radstand profitiert zudem der Audi A6-Innenraum, der dank langgezogenem Dach auch Hinterbänklern genügend Kopffreiheit gewährt. Das flache Armaturenbrett mit ausfahrbarem Monitor sorgt in Reihe eins für Luftigkeit, schmale Dachpfosten für beste Sicht nach draußen. Dabei lohnt es sich, die Blicke zunächst im Audi A6-Innenraum schweifen zu lassen: Helle Schichtholz-Elemente und kühles Alu lassen keine biedere Schrankwand-Schwere aufkommen. Ebenso modern ist das Angebot an Unterhaltungs- und Sicherheits-Optionen. Trotz hohem Konkurrenz-Niveau kann der Audi A6 mit touchpadgesteuerter Google-Earth-Navigation, Parklenkassistent und LED-Hauptscheinwerfern noch einen draufsetzen. Letztere sorgen für eine weite und helle Fahrbahnausleuchtung, obwohl sie mit 40 Watt gerade so viel Strom verbrauchen wie eine alte Kellerglühbirne. Der riesige Funktionsumfang im Audi A6 erfordert jedoch Einarbeitung, bis die Bedienung über die vielen MMI-Knöpfe blind gelingt. Auch das große Bordcomputer-Display reizüberflutet anfangs wie der Kurs-Monitor eines Aktien-Brokers.

Nach den frühen i-Drive-Irrungen glänzt das BMW-Bediensystem inzwischen mit Schnelligkeit und logischer Struktur. Überhaupt wirkt das 5er-Interieur einen Tick aufgeräumter, die verwendeten Kunststoffe nochmals hochwertiger. Für Entspannung sorgen traumhaft bequeme Komfortsitze (2.260 Euro), bei denen sich Lehnenober- und -unterteil separat justieren lassen. Was den Platz für Passagiere und Gepäck betrifft, herrscht hingegen nahezu Gleichstand auf hohem Niveau - wer hier in der zweiten Reihe sitzt, reist trotzdem erster Klasse. Das wuchtige Armaturenbrett mit fest stehendem Navi-Monitor geht im 5er jedoch zu Lasten von Raumgefühl und Übersichtlichkeit. Über das Maßband lässt sich die E-Klasse ebenfalls nicht differenzieren, selbst wenn Mitfahrer dank höheren Fond-Türen bequemer einsteigen. Es ist vielmehr der kantig-traditionelle Einrichtungsstil, mit dem sich der Mercedes abgrenzt. Dazu passt, dass mit Schlüssel statt Knopf gestartet wird und der Automatik-Wählhebel wie bei vielen seiner Ur-Ahnen hinter dem großen Steuerrad sitzt. Das schafft in der Mittelkonsole Platz für zusätzliche Ablagen. Nach Schaltern für unterschiedliche Fahrdynamik-Programme tasten die Finger hingegen vergebens. Dafür finden sie perfekte Sitzversteller, die nur eine Frage offen lassen: Warum sie nicht alle nachmachen. Dem Infotainment-System fehlen jedoch einige Funktionen (Online-Zugang, Head-up-Display), auch dessen Bedienung wirkt nicht mehr ganz taufrisch. E-Klasse setzt auf Komfort Dafür trägt die E-Klasse ihre Insassen selbst ohne einstellbare Komfort-Programme am souveränsten über Querfugen und Frostaufbrüche. Zusätzliche Gelassenheit verbreiten ihre indirekte, aber stoßfreie Lenkung sowie die cremig weich schaltende Siebenstufen-Automatik, die nicht gleich bei jedem Gaspedal-Zucken in Aktionismus verfällt. Und obwohl der 265 PS starke Mercedes-Diesel mit Rangierlok-Wucht (620 Nm) antritt, hält sich die E-Klasse mit dem auf Traktion statt Agilität ausgelegten Allradantrieb und merklichem Wanken aus den querdynamischen Rangeleien der beiden Bayern heraus.

Audi fahrdynamisch knapp vor dem BMW Querdynamik? Hier scharrt der 530d, dem BMW in der Allradvariante 13 Extra-PS spendiert, mit den Rädern. Dank mustergültiger Gewichtsverteilung von nahezu 50:50 Prozent und ultradirekter Lenkung macht der BMW seine 1,8 Tonnen schon nach wenigen Kurven vergessen. In Stellung Sport toleriert das 3.000 Euro teure Adaptive Drive sogar leichte Heckschwenks, bevor es vom ESP wieder zur Raison gerufen wird. Um dem 5er die Handlingkrone zu stibitzen, spendierte Audi dem A6 eine neue elektromechanische Lenkung und das Kronenrad-Mittendifferenzial aus dem RS5, das die Motorkraft verzugfrei zwischen den Achsen verteilt. Tatsächlich liegen 530d und Audi A6 fahrdynamisch fast so dicht beieinander wie Ingolstadt und München auf der Weltkarte. Allerdings lenkt der Audi A6 nochmals leichtfüßiger ein und vermittelt mehr Fahrbahnkontakt. Zudem bleibt der Audi A6 im Grenzbereich leichter beherrschbar und verblüfft mit Fabel-Bremswerten. Dem BMW fehlt es im direkten Vergleich an Transparenz und Mühelosigkeit, seine unbestrittene Agilität wirkt härter erarbeitet. Dafür überrascht, dass die Dynamik bei Audi A6 und 5er kaum zu Lasten des Komforts geht. Trotz üppiger 18- und 19-Zoll-Testwagenbereifung federn beide geschmeidig über Unebenheiten hinweg. Dem Audi A6 kommt dabei allerdings das optionale Luftfahrwerk (1.950 Euro) zu Hilfe. Audi-Diesel kräftig und sparsam Beim Antritt profitiert der Audi A6 hingegen von seiner eisernen Abspeck-Diät: Obwohl der Dreiliter-TDI im Audi A6 mit 245 PS nicht ganz das Niveau der Konkurrenten erreicht, fegt er am zackigsten los – unter-stützt vom Doppelkupplungsgetriebe, das die Gänge mit beeindruckender Ansatzlosigkeit serviert. Gleichzeitig ist er am sparsamsten und unterbietet den Mercedes um 1,5 Liter. Bei leichtem Gasfuß beeindrucken jedoch alle mit Verbräuchen von sechs bis sieben Liter auf 100 Kilometer. Der große Diesel empfiehlt sich damit einmal mehr als perfekter Antrieb zum schnellen und bequemen Kilometerfressen. Dass der neue Audi A6 diesen Vergleich überraschend eindeutig gewinnt, liegt auch am Kostenkapitel. Obwohl nur unwesentlich schlechter ausgestattet, kommt er über 5.000 Euro günstiger als seine Konkurrenten. Zudem sammelt der Audi A6 dank viel Feinschliff an Gewicht, Handling, Antrieb und Bremsen fleißig Punkte. Doch zumindest ein Vorteil wird Mercedes und BMW noch für einige Zeit bleiben: Als beliebte Kombiversion Avant erscheint der Audi A6 erst im September. Die Sektkisten müssen also noch nicht so schnell zurück in den Keller.

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Quelle: auto-motor-und-sport, 2011-03-16

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