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Testbericht

30. Juni 2015
Der Verkaufsslogan "We build excitement" - wir bauen Begeisterung - stammt aus den 80ern, als Pontiac die dritte Firebird-Generation präsentierte. Sie war 16 Zentimeter kürzer und fast 200 Kilogramm leichter als der fünf Meter lange Vorgänger. Mit der praktischen Heckklappe, den relativ sparsamen Motoren und dem niedrigsten Luftwiderstandswert, den je ein Automobil von General Motors (GM) erzielte, schien die Zukunft des großen Traditions-Coupés gesichert zu sein.

Nach 35 Jahre ist Schluss mit Firebird
Trotzdem stellte GM 2002 die Pontiac Firebird-Baureihe zusammen mit dem Schwestermodell Chevrolet Camaro ein. Noch schlimmer: Die 1926 eingeführte Marke Pontiac, die sich bei GM als besonders sportlich profilierte, flog 2010 komplett aus dem Programm. Zu ihrer am meisten respektierten Hinterlassenschaft zählt die kompakte Firebird-Baureihe.Dank der regen US-Car-Szene in Stuttgart war es möglich, jeweils einen V8-Vertreter aller vier Pontiac Firebird-Generationen für einen Foto- und Fahrtermin einzuberufen: vom frühen 67er Mustang-Konkurrenten bis zum Porsche-911-Jäger von 2002. Außer dem Namen verbinden sie nur die V8-Motoren mit 188 bis 330PS, eine hintere Starrachse, der knappe Rücksitzraum und das Firebird-Logo mit den ausgebreiteten Schwingen. Die vier Karosserien unterscheiden sich dagegen deutlich und lassen fast keine Familienzugehörigkeit erkennen.

Ford Mustang als Vorbild für das Pony-Car
Die Optik des Pontiac Firebird der ersten Generation von 1967, für dessen Entwicklung übrigens kein Geringerer als John DeLorean verantwortlich war, orientiert sich deutlich am bereits 1964 vorgestellten Konkurrenten Ford Mustang: lange Motorhaube, kurzes Stufenheck. Dazu einen sexy Hüftschwung vor dem Hinterrad und das für Pontiac typische zweigeteilte Kühlergesicht mit vorspringender Chromnase. Auch nahezu alle Fensterrahmen, die breiten Schwellerleisten und die Heckstoßstange glänzen eisig-kühl im verschwenderischen Stil der 60er-Jahre.Chrom gibt es auch im Innenraum satt: am Dreispeichenlenkrad, am Automatikwählhebel und dessen rechteckiger Konsole sowie an den verschiedenen Schaltern. Ist dieser frühe, extrem hübsche Vinyldach-Pontiac Firebird also nur ein selbstverliebtes Show-Car für sanftes Boulevard-Riding?

Ur-Firebird mit 6,6-Liter-V8 und komfortablem Fahrwerk
Ganz sicher nicht. Unter der Haube wartet nämlich ein 6,6 Liter großer V8 mit 325 SAE-PS darauf, das relativ kompakte, 1.570 Kilogamm schwere Pony-Car antraben zu lassen. Bereits ab Standgas reagiert der an eine Dreigangautomatik gekoppelte 400-Cubic-Inches-(Cui)-Motor spontan auf den zartesten Gasbefehl. Mit etwas mehr Nachdruck winseln die Hinterreifen des Pontiac Firebird bereits um Gnade - und es geht zügig voran.Doch Vorsicht! Das komfortabel federnde Fahrwerk und die unpräzise Servolenkung erfordern gut geplante Richtungswechsel. Ordentliche Scheibenbremsen an den Vorderrädern verhindern notfalls Schlimmeres.

Goldstreifen-Trans-Am im John-Player-Special-Design
Jetzt widmen wir uns dem schwarzen Giganten mit den goldenen Streifen im Stil der Formel-1-Lotus aus den 70ern. Pontiac-Designer John Schinella hat 1976 das Farbschema des Zigarettensponsors John Player Special für den Pontiac Firebird Limited Edition Trans Am übernommen. Der Goldstreifen-Trans-Am entstand zum 50-jährigen Pontiac-Markenjubiläum. Richtig populär wurde das auch später noch angebotene Sondermodell durch den Roadmovie "Smokey and the Bandit" (1977, zweiter Teil 1980) mit Burt Reynolds am Lenkrad. Bei uns lief die launige Driftorgie unter dem Titel "Ein ausgekochtes Schlitzohr".Aber wie hat sich unser Hüftschwung-Pony verändert! Bei gleichem Radstand wuchs das Coupé um 20 Zentimeter auf satte fünf Meter in die Länge. Die Motorhaube mitsamt zweiteiligem Pontiac-Kühlergesicht ist so groß wie ein Motel-Doppelbett. Mitverantwortlich sind die seit 1974 vorgeschriebenen Sicherheitsstoßstangen, welche die Karosserie der 1970 eingeführten zweiten Pontiac Firebird-Generation um zehn Zentimeter streckten.

Big-Block-V8 mit bis zu 7,4 Litern Hubraum
Jetzt wirkt die Optik desPontiac Firebird nicht mehr so spritzig wie früher, sondern punktet vielmehr durch die schiere Wucht eines Wrestling-Stars. Dazu passen die Bigblock-V8 mit 6,6 (400 Cui) und sogar 7,4 Litern (455 Cui) Hubraum, die bis 1979 beziehungsweise 1976 im Programm blieben. Das Schwestermodell Chevrolet Camaro musste bereits ab 1973 auf die großen V8 verzichten.Trotz seiner gewaltigen Größe verwöhnt uns der schwarz-goldene Pontiac Firebird Trans Am – so heißen seit 1969 die Topversionen des Firebird – mit superben Details wie den Alufelgen im Bienenwaben-Design. Oder das unvergleichliche Cockpit im authentischen Rennwagenstil, wo schlichte Rundinstrumente in eine Front aus gebürstetem Aluminium eingebettet sind. Dazu ein knuffiges Lederlenkrad, das auch gut in einen Ferrari oder Lamborghini passen würde.

Souveräne 188PS bei 3.600/min
Leider gingen ab 1972 im Zuge der gesetzlich vorgeschriebenen Reduzierung von Schadstoffen und Benzinverbrauch einige Pferdchen verloren. So auch bei unserem Pontiac Firebird-Fotomodell aus dem Jahr 1976: Von den etwa 280 DIN-PS des Vorgängers sind bei gleichem 6,6-Liter-V8 nur noch 188PS übrig. Die marschieren jetzt ganz lässig bei 3.600/min. an die noch immer blattgefederte Hinterachse, die damit ganz gut zurechtkommt: Fahrzeuggröße, Fahrwerksqualität und Motorleistung passen ideal zusammen und lassen sich etwas besser kontrollieren als beim Vorgänger.Außerdem ist 0 auf 100km/h in 9,5 Sekunden für das 1.750-Kilogramm-Schiff noch immer ein guter Wert. Und wenn ein Limited Edition Trans Am auf dem Highway dumpf brabbelnd dahinrollt, können sich die anderen Autofahrer an dessen goldfarbenen Tattoos einfach nicht sattsehen.

Dritter Firebird ist ein sparsames Heckklappen-Sportcoupé
Doch dann war Schluss mit lustig. Pontiac präsentierte 1982 die dritte Generation des Firebird. Dessen Topversion Trans Am GTA beansprucht im Jahr 1987, ein "ultra serious sports coupé" zu sein. Ein überaus ernsthaftes Sportcoupé also - es wurde auch langsam Zeit! Farblich abgesetzte Rundumbespoilerung oder das "schreiende Hühnchen" auf der Motorhaube waren jetzt tabu.Amerika bekam ein sparsames, praktisches Heckklappen-Sportcoupé. Als Basismotorisierung diente beim Pontiac Firebird fortan ein 2,5-Liter-Vierzylinder mit 90PS, der den 1,4-Tonner eher zäh in Bewegung setzte. Der stärkste V8 im Trans Am begnügte sich zunächst mit nur 165PS aus fünf Litern Hubraum.Das änderte sich 1988 mit der Einführung der TPI-(Tuned Ported Injection)-Einspritz- V8 mit fünf (305 Cui) und 5,7 Litern (350 Cui) Hubraum, die 215 beziehungsweise 225PS leisteten. Und weil die V8-Modelle der dritten Firebird-Generation mit Vollausstattung auf nur knapp 1,6 Tonnen kommen, geht es wieder fast so zügig voran wie im Urmodell von 1967.

Pontiac Firebird Trans Am GTA kann es mit Porsche 928 und Toyota Supra aufnehmen
Besonders das von 1987 bis 1992 angebotene Topmodell Pontiac Firebird Trans Am GTA mit 5,7-Liter-V8 kam der japanisch-deutschen Konkurrenz vom Schlage eines Toyota Supra oder Porsche 928 ziemlich nahe. Ihn unterstützen dabei sein straff abgestimmtes Fahrwerk, die breiten 245er-Reifen, das Sperrdifferenzial und die direkte Lenkung. Im Gegensatz zu seinen Vorgängern schaltet er sogar etwas zu ruppig die ersten beiden Gänge seiner Vierstufenautomatik durch. Und bei schneller Autobahnfahrt wird er innen zur Sauna.

Letzter Pontiac Firebird geht wie die Sau
Sein 1993 eingeführter, rundlich gestalteter Nachfolger wirkt deutlich ausgewogener und geht dabei wie die viel zitierte Sau. Wir haben das Vergnügen, in einem der wirklich letzten, als Collector Edition ausgewiesenen Pontiac Firebird von 2002 Platz nehmen zu dürfen. Durch die schräg stehenden Scheiben und das softe Bio-Design wirkt der Innenraum kaum größer als in einem Renault Clio. Völlig wurst, denn für den rechten Fuß ist genug Platz. Während dem GTA bei etwa 4.500/min. langsam die Puste ausgeht, legt der gleich große, aber 100PS stärkere Ram-Air-V8 noch einmal richtig los und dreht gierig bis 6.000/min.Mit Sechsgang-Schaltgetriebe ist der 100-km/h-Sprint in 5,5 Sekunden machbar, Spitze über 260km/h. Das sind Werte, die keiner seiner legendären Vorgänger erzielte, auch nicht mit der großen 7,4-Liter-Maschine. Sogar das Handling des letztenPontiac Firebird kann überzeugen: Trotz einer Länge von fast fünf Metern meistert der knuffige Ami enge Kurven mit fast schon italienischer Grandezza. Was den beiden jüngeren Firebird-Modellen also an Charisma und typischem US-Stil fehlt, machen sie durch ihre erstaunlich guten Fahrmanieren wieder wett. Für alle vier gilt deshalb: Yeah! They really built excitement!
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Testwertung
4.5 von 5

Quelle: auto-motor-und-sport, 2015-06-30

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