Testbericht

3. November 2004
Haar, 3. November 2004 – Chrysler gibt Gas. Nachdem bereits der Crossfire mit seinem Design begeistert hat, tritt nun eine große amerikanische Limousine an, die ebenfalls sehr gut aussieht. Was das Auto taugt, haben wir bei unserem Test erprobt. Angeboten wird der 300C als Limousine und als Kombi, mit einem 2,7-Liter-Sechszylinder, einem 3,5-Liter-V6 und einem 5,7-Liter-V8. Wir haben den 3,5-Liter-Motor in der Limousine für Sie gefahren. Gelungene Front, gelungene Seitenansicht Der über fünf Meter lange 300C hat die Dimensionen einer Oberklasselimousine – also etwa die einer Mercedes S-Klasse, eines BMW 7er oder eines Audi A8. Der große Grill lässt manche an Bentley oder Rolls-Royce denken, andere an Offroader oder den Dodge Ram. Mit diesem Grill und den Doppelscheinwerfern kann man die Front des 300C auf jeden Fall nur als gelungen bezeichnen. Der kantige Umriss der Seitenfenster, die hinten weniger hoch sind als vorne, verleiht dem Profil des 300C etwas Besonderes. Verglichen mit alldem fällt das Heck allerdings eher durchschnittlich aus. Innenraum: Auf Oberklasseniveau Das Innere ist in Schwarz gehalten, wobei Metalldetails Akzente setzen. Was besonders gefällt, ist die sportliche Atmosphäre. Holz gibt es nur gegen Aufpreis, und auch dann nur an strategischen Stellen: am oberen Lenkradteil, an den Türinnengriffen und am Automatikschalthebel. Dort kommt das Naturmaterial allerdings sehr gut zur Geltung, vor allem bei Nacht, wenn die Innenraumbeleuchtung einen Lichtstrahl auf das rotbraun glänzende Holz des Lenkrads fallen lässt.

Gute Lichtregie Überhaupt, die Lichtregie: Sie gehört beim 300C zum dramaturgischen Konzept. Beim Betätigen der Fernbedienung zum Entriegeln treten die Scheinwerfer in Aktion, und so hat man bei Dunkelheit stets die Aufmerksamkeit seiner Umgebung. Genauso beim Abstellen des Autos: Die Scheinwerfer leuchten noch eine Zeit lang. Das erregt nicht nur Aufmerksamkeit, es ist auch praktisch, etwa um den Weg aus der Garage zu finden. Die wunderschönen Instrumente sind klassisch gestaltet. Bei Nacht sind sie mintgrün beleuchtet. Verarbeitung und Materialien im Innenraum überzeugen. Für viel Sorgfalt der Innenraumdesigner sprechen auch die optional verfügbaren, elektrisch verstellbaren Pedale – eine absolute Seltenheit auf dem Automarkt. Alles in allem hält das Interieur, was man sich von einer Oberklasselimousine verspricht. Sportlich, aber dezent Die 1,8 Tonnen Leergewicht des 300C lassen sich mit einem kleinen Motor nicht bewegen. Der 3,5-Liter-V6 der getesteten Version hat damit nicht viel Mühe. Er leistet 249 PS bei 6.400 U/min und stellt 340 Newtonmeter bei 3.800 U/min zur Verfügung. Der Motor verhilft dem Auto zu sportlichen Fahrleistungen: Nur 9,2 Sekunden vergehen beim Spurt aus dem Stand auf Tempo 100. Das fällt auf, wenn man an der Ampel aufs Gaspedal tritt. Dann bleiben die anderen Verkehrsteilnehmer schnell weit zurück. Ansonsten verbirgt der 300C seine sportlichen Leistungen recht gut. Denn man fühlt sich in diesem Schiff immer langsamer, als das Auto in Wirklichkeit fährt. So muss es sein, in einer luxuriösen Limousine, die weniger für das sportliche Fahrvergnügen als für das ungestörte Reisen gemacht ist.

Schöner Motorsound Die Konstrukteure haben die Insassenkabine gut gegen Fahrgeräusche abgeschirmt. Der Sound des Motors bleibt akustisch im Hintergrund, vermittelt aber seine Kraft auch dem Ohr. Solange man sich beim Gasgeben zurückhält, klingt er angenehm weich und turbinenartig. Ansonsten, speziell beim Zwischenspurt auf der Autobahn, knurrt der Motor unschön. Ebenfalls weniger zu begrüßen ist der Verbrauch: Chrysler gibt 11,1 Liter auf 100 Kilometer an. Wir brauchten auf unseren Testfahrten 14,0 Liter pro 100 Kilometer, ohne dass wir besonders forciert fuhren. Mit seinem 68-Liter-Tank kommt der 300C bei unserer Fahrweise nicht einmal 500 Kilometer weit. Häufige Tankstopps sind da vorprogrammiert – nicht sehr praktisch für ein Auto, das vor allem auf langen Autobahnfahrten seine Trümpfe ausspielen sollte. So mancher würde sich da einen Diesel wünschen. Viergang-Automatik Zum nicht geringen Benzindurst trägt wohl die Viergang-Automatik bei, die Chrysler mit dem 3,5-Liter kombiniert. Denn je weniger Gänge, desto höher der Verbrauch. Konzernpartner Mercedes setzt im E 350 eine Siebengang-Automatik ein. Doch ansonsten hält sich die Automatik wacker: Sie passt sich an die Fahrweise des Fahrers an und schaltet unter den meisten Bedingungen unmerklich. Sogar bei Vollgas ist der Ruck beim Hoch- und Herunterschalten nicht störend. Dennoch: Bei schneller Autobahnfahrt vermisst man den fünften Gang, der die Motorgeräusche im Inneren verringern könnte. Durch die unglückliche Spreizung der Gänge klingt das Auto zudem oft angestrengt.

Hart gefedert Der 300C besitzt einen Hinterradantrieb, wie in dieser Klasse üblich. Damit bringt der Chrysler trotz seiner Muskeln die Kraft meist gut auf die Straße. Selten, dass einmal die Hinterachse durchdreht, und wenn, dann dämpft die Elektronik schnell den Übereifer und bremst die durchdrehenden Räder. Ein ESP mit Antischlupfregelung ist Serie – zum ersten Mal bei einem in den USA gebauten Modell von Chrysler. Das Fahrwerk ist in Kurven eher straff. Ansonsten fällt die harte Federung auf. Dass Erschütterungen von Kanten und Löchern im Fahrbahnbelag so direkt an die Insassen weitergeleitet werden, hätte man von einer Reiselimousine nicht erwartet. Umfassende Ausstattung Die Ausstattung umfasst beinahe alles, was man sich wünscht. Allenfalls könnte man Seitenairbags hinten und Vorhangairbags vermissen. Ansonsten finden sich nicht nur eine Klimaautomatik und 18-Zoll-Aluräder, sondern auch eine gute Audioanlage und eine Scheibenwischerautomatik. Selbst für eine elektronische Einparkhilfe und die Metallic-Lackierung muss man nicht extra zahlen. Bei den deutschen Marken Mercedes, BMW und Audi ist das alles ganz anders. 38.600 Euro Für 38.600 Euro gibt es den 300C 3.5 – eine Limousine mit Abmessungen wie in der Oberklasse, klasse Design und einem schönen Innenraum. Und mit einem 249 PS starken Sechszylinder. Was bekommt man für diesen Preis bei Mercedes? Die S-Klasse kostet in vergleichbarer Motorisierung mit Automatik 68.489 Euro, die E-Klasse 48.836 Euro, also kommt gerade nur noch eine C-Klasse mit vergleichbarer Motorisierung in Frage. Und die Ausstattung ist deutlich magerer als bei Chrysler. (sl)
Technische Daten
Antrieb:Hinterrad
Anzahl Gänge:4
Getriebe:Automatik
Motor Bauart:V6-Ottomotor mit sequenzieller Multipointeinspritzung
Hubraum:3.518
Anzahl Ventile:4
Anzahl Zylinder:6
Leistung:183 kW (249 PS) bei UPM
Drehmoment:340 Nm bei 3.800 UPM
Preis
Neupreis: 38.600 € (Stand: November 2004)
Fazit
Der 300C ist eine große Limousine mit einer kleinen Prise Sportlichkeit. Für Sportsgeist stehen die eher kühle Atmosphäre im Innenraum, das harte Fahrwerk mit abschaltbarem ESP und natürlich die ambitionierten Fahrleistungen. Ein Manko ist allerdings die antiquierte Viergang-Automatik. Sonst hat der 300C viele Ingredienzien für einen Markterfolg. Eine gute Ausstattung und ein wahrhaft gelungenes Design zum Beispiel. Doch das Beste ist der Preis: Geradezu unglaubliche 38.600 Euro machen aus dem 300C eine Oberklasselimousine zum Mittelklassepreis. Denn für dieses Geld bekommt man bei deutschen Nobelmarken entweder nur ein müdes Lächeln oder aber ein Auto, das zwei Klassen tiefer rangiert. (sl)

Quelle: auto-news, 2004-11-03

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