Testbericht

Jürgen Wolff, 12. April 2010
Riesiger Kühler, Fenster wie Schießscharten - schon als normale Limousine sieht man dem Chrysler 300C seine Kraft an. Als SRT8 aber wird er zum Bullen. Nur das US-Tempolimit bremst ihn aus.

Andrew, der uns den Wagen am Flughafen von Los Angeles bringt, ist sichtlich beeindruckt: "This is it", sagt er und nickt anerkennend. Und auch die Jungs vom Valet-Parking, die ihn uns morgens aus der Hotelgarage holen, haben erkennbar ihre Freude an den paar Metern: Der Chrysler 300C SRT8 ist eine US-Limousine mit hohem Adrenalinfaktor.

Dabei sieht der rote Renner auf den ersten Blick aus wie eine Familienkutsche im gehobenen US-Design. E-Klasse auf Amerikanisch. Fünf Meter lang, knapp zwei Tonnen schwer - die Dimensionen des Sindelfingers Mittelklässlers sind auch nicht sehr viel bescheidener. Wenn da nicht schon der Name für den Farbton wäre: "Inferno Red Crystal Pearl" - das sollte Böses ahnen lassen. Zu Recht: Als SRT8 ist der 300C so was wie die AMG-Variante der einstigen Daimler-Tochter. Und wie Mercedes bei den Limousinen aus Affalterbach setzt auch Chrysler beim SRT8 ganz auf Understatement.

Man muss schon ziemlich genau hinsehen um zu erkennen, dass man das Auto vor sich hat, das in den USA respektvoll "The bankers hot rod" genannt wird. Der ohnehin beim 300C schon ziemlich gewaltige Kühlergrill ist schwarz lackiert, die Reifen breiter und am Heck gibt ein kleiner Schriftzug die Identität preis: SRT8.

Auch innen kaum ein Hinweis. Gediegene US-Mittelklassen auch hier: bequeme Ledersitze, viel Platz, wenig ausgefallenes Design. Ein üppiger Kofferraum mit 504 Litern, kräftige Klimaanlage, 5-Gang-Automatik. Einzige Extravaganz: die analoge Uhr am Armaturenbrett. Wer genau hinsieht, dem fällt vielleicht auf, dass die Tacho-Skala erst bei 180 mph (ca. 290 km/h) endet. Und dass der Schriftzug SRT selbstbewusst in die Nackenstützen der Frontsitze gestickt ist und den Türschweller ziert.

Doch kaum hat man per Knopfdruck den Motor gestartet, ist jeder Zweifel weg geblasen: Da wurde gerade ein Monster geweckt. Unter der Motorhaube bollert tatendurstig ein V8 mit mehr als 6,1 Litern Hubraum. Der Benziner ist gut für 316 kW/430 PS und ein Drehmoment von 569 Nm. Das ist in etwa, was Audi seinem S6 mit auf den Weg gibt (435 PS), Ferrari dem California einpackt (460 PS) - und es sticht im Autoquartett jeden Porsche 911 Carrera S ganz locker aus (385 PS).

Trotz all der rüden Kraft lässt sich der Bolide im US-Alltag ganz sanft bewegen - kein Wunder in einem Land, dessen Metropolen mindestens zweimal am Tag von Megastaus eingekreist sind und die daraus resultierende Schrittgeschwindigkeit jede Radarkontrolle überflüssig macht. Doch wer raus aufs Land fährt, dorthin, wo die Interstates noch nicht überlastet sind, der kann auch schon mal das Tier raus lassen. Zumindest, bis er die zulässigen 70 mph plus ein bisschen Messtoleranz nach oben erreicht hat. Das geht fix: Nach 5,3 Sekunden knackt der SRT8 die 100 km/h.

Wenn man im Land der sehr begrenzten automobilen Möglichkeiten könnte, wie man wollte, dann wären lässig 265 km/h Spitze drin. Aber dem setzt nicht nur die allzeit präsente Ordnungsmacht einen Riegel vor - schon die durchweg maroden Straßen würden den SRT8 ab 160 km/h wohl abheben lassen. Dabei ist die Federung des Zweitonners überraschend straff und sportlich. Und selbst die 5-Stufen-Automatik erweist sich als gar nicht so veraltet, wie man in Zeiten der Acht-Gang-Getriebe in deutschen Edel-Limousinen vermuten würde.

Und das fast schon zum Sparpreis - zumindest in den USA. Dort ist der Chrysler 300C SRT8 bereits zum Basispreis von $ 44.865 zu haben. Das sind rund 33.000 Euro. Dafür gibt's hierzulande gerade mal eine Mercedes C-Klasse mit Basis-Benziner und Navigations-System. Richtig bezahlen muss der Fahrer eines 300C SRT8 eher an der Tanksäule - unter 14,2 Liter auf 100 km mag sich der V8 gar nicht erst bescheiden. Und zahlen muss er, wenn er sich den SRT8 bei Chrysler in Deutschland ordert: 61.290 Euro sind dann mindestens fällig.
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Quelle: press-inform, 2010-04-12

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