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Testbericht

Stefan Grundhoff, 28. November 2018

Seit Jahren redet Mazda davon - jetzt ist es endlich soweit. Mit dem neuen Mazda 3 bringen die Japaner erstmals einen Benzinmotor mit Kompressionszündung auf den Markt. Das Triebwerk bringt die Vorteile von Benziner und Diesel unter einen Hut.

Kaum ein Hersteller müht sich derzeit nicht nach Leibeskräften, seine Elektromotoren herbeizureden, die bisweilen erst in ein paar Jahren kommen. Mazda ist bei seinen Entwicklungen schon oft einen anderen Weg gegangen und zeigt sich vom immer größer werdenden Elektrotrend betont unbeeindruckt. Die technikverliebten Japaner bringen mit ihrem neuen Kompaktklassemodell Mazda 3 erstmals die technische Symbiose aus Benzin- und Dieselmotor in ein Serienfahrzeug. Doch interessiert das den Kunden wirklich und kann sich der neue Mazda 3 damit überhaupt genug in Szene setzen? Schließlich weht trotz des anhaltenden SUV-Wahns im Segment der Kompaktklassemodelle ein harter Wind. Modelle wie Toyota Corolla, Ford Focus, Renault Megane oder VW Golf geben in dem Bereich den Ton an. Viele Kunden sind in den vergangenen Jahren zu den Premiummodellen wie Audi A3, BMW 1er oder Mercedes A-Klasse aufgestiegen. Schwere Zeiten für den neuen Mazda 3, hier entsprechend in Szene zu setzen.

Einmal mehr zeigt sich das Design des neuen Mazda 3 gefällig, aber wenig auffällig oder gar spektakulär. Das gilt insbesondere für die fünftürige Schrägheckversion, die insbesondere durch eine sich stark nach hinten verjüngende Fensterlinie und eine mächtige C-Säule auffällt. Dabei gehört der Mazda 3 zu den größten Fahrzeugen seiner Klasse. Der Fünftürer ist stattliche 4,46 Meter lang. Die sehr sehenswerte Fastback-Version bringt es sogar auf 4,66 Meter - das ist klares Mittelklasseniveau. Beide tragen speziell an Front und Heck einige Designdetails von den sehenswerten Konzeptstudien RX Vision und Vision Coupé Concept.

Erstmals bieten die Japaner in der Kompaktklasse auch eine Allradversion an. Das Platzangebot liegt auf dem Niveau der Konkurrenz, wobei man Dank des 2,73 Meter langen Radstandes auch im Fond allemal sitzen kann. Der Lichteinfall sowie die Möglichkeiten nach draußen zu schauen sind durch die kleinen Seitenfenster allerdings überschaubar. Das Cockpit ist ebenso schlicht gehalten wie der Rest des Innenraums. Das mittige Zentraldisplay ist für ein Fahrzeug, das 2019 auf den Markt kommt, mit 8,8 Zoll etwas klein und die Instrumente sind nicht vollständig animiert. Neu ist das serienmäßige Head-Up-Display, das die wichtigsten Informationen auf die Frontscheibe projiziert.

Während viele Hersteller ihre Triebwerke in den letzten Jahren nennenswert verkleinert haben und dabei aufgeladene Drei- sowie Vierzylinder mit 1,0 bis 1,5 Litern den Ton angeben, geht Mazda einmal mehr einen ganz anderen Weg. Der neue Mazda 3 ist mit einem von zwei Liter großen Saugmotoren mit 24-Volt-Bordnetz oder einem 1,8 Liter großen Commonrail-Diesel völlig anders unterwegs. Besonders stolz sind die japanischen Entwickler dabei auf den Mazda 3 Skyactiv X 2.0 M Hybrid. Seit Jahren forscht Mazda an einem Serienbenziner mit der sogenannten Kompressionszündung, bei dem sich ein vergleichsweise mageres Gemisch aus Kraftstoff und Luft auch ohne Zutun einer Zündkerze allein durch den Druck im Brennraum selbst entzündet. Hört sich kompliziert an - ist es aber nicht. Kurz gesagt werden die beiden Verbrennungsmotoren Benziner und Diesel (Selbstzünder) effektvoll miteinander gekreuzt. Der zwei Liter großer Benziner, der mit seiner Kompressoraufladung zum Serienanlauf im kommenden Herbst rund 140 kW / 190 PS und ein maximales Drehmoment von 230 Nm leisten soll, arbeitet nach dem SPCCI-Prinzip. SPCCI steht dabei für Spark Controlled Compression Inginition - ein Benzinmotor mit so genannter Kompressionszündung, den Mazda marketingtauglich Skyactiv X nennt. Wahlweise bieten die Motoren eine Sechsgang-Handschaltung oder eine Sechsgang-Automatik.

Die in Aussicht gestellten technischen Daten sind noch nicht final zertifiziert; jedoch in heutigen Zeiten für einen Vierzylinder mit Aufladung alles andere als spektakulär - doch der Verbrauch soll den Unterschied machen. \"Das neue SPCCI-Triebwerk verbraucht im Vergleich zu unseren aktuellen Skyactiv-Motoren rund 20 bis 25 Prozent weniger Kraftstoff\", erklärt Motoren-Entwicklungschef Ichiro Hirose, \"damit liegen wir in der Realität auf dem Niveau unserer Dieseltriebwerke.\" Das überrascht schon deshalb, da die Skyactiv-Triebwerke aus dem Hause Mazda aktuell sowohl als Benziner aus auch als Diesel zu den sparsamsten gehören, wenn es um den Realverbrauch in Kundenhand geht. Eines der technischen Erfolgsrezepte ist die hohe Verdichtung, die für einen Benziner bei ungewöhnlichen hohen 14:1 liegt. Dem gegenüber hat der eng verwandte Turbodiesel eine vergleichsweise geringe Verdichtung - ebenfalls von 14:1. Die neu entwickelten Diesotto-Triebwerke sollen sogar eine Verdichtung von 16:1 haben.

Auch wenn die Verbrennung in jedem einzelnen Zylinder in den allermeisten Fällen allein wie beim Diesel (Selbstzünder) durch den Überdruck ausgelöst wird, gibt es trotzdem eine Zündkerze. Diese wird insbesondere für den Kaltstart und besonders hohe Drehzahlen genutzt; im Teillastbetrieb bleibt diese funken- und somit arbeitslos. Für zusätzliche Effizienz soll eine Teilelektrifizierung mit 24-Volt-Bordnetz sorgen, die hausintern M Hybrid heißt. Marktstart für den neuen Mazda 3, der auch in Europa als vier- und fünftürige Version angeboten wird, ist im kommenden Frühsommer.

Testwertung
4.0 von 5

Quelle: Autoplenum, 2018-11-28

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