Testbericht

Wolfgang Gomoll, 7. Juni 2013
Hyundai will bei der Brennstoffzellenmobilität den anderen Autobauern ein Schnippchen schlagen: Die ersten ix35 Fuel Cell sind bereits ausgeliefert. Eine entscheidende Frage ist: Wie fährt sich südkoreanische Stromer?

Hyundai gefällt sich zunehmend in der Rolle des automobilen Machers. Während andere noch über Brennstoffzellen-Modelle diskutieren, rollen bereits seit ein paar Tagen die ersten 15 ix35 Fuel Cell über die Straßen Kopenhagens. 200 weitere sollen folgen. Auf der Liste stehen Malmö, London und zwei norwegische Städte. Und Deutschland. Da will sich Christian Löer, Chef des Hyundai-Produktmarketings, noch nicht in die Karten schauen lassen: "Verhandlungen laufen, aber noch ist nichts spruchreif."

Das ist erst der Anfang. Insgesamt 1.000 Brennstoffzellen-SUVs will der koreanische Autobauer bis 2015 auf den Markt bringen. Schlägt der ix35 Fuel Cell ein, sollen bis zu 10.000 Modelle gebaut werden. Die Produktion im südkoreanischen Ulsan ist einfacher als man glaubt. Die SUVs laufen auf dem normalen Band mit und werden am Ende für die Installation der Elektro-Komponenten vom Band genommen. Die erfolgt in einer kleinen separaten Halle durch fünf Mitarbeiter.

"Die wichtigsten Zielregionen sind Europa und Kalifornien", sagt Allan Rusforth, Vizepräsident von Hyundai Europa. Rund 900 der modernen Stromer sollen auf dem "alten Kontinent" fahren, während die restlichen 100 an die Westküste der USA gehen. Kaufen kann man den Stromer nicht. Ihn gibt es nur per Leasing, das maximal vier Jahre läuft. Kein Wunder, ein ix35 Fuel Cell kostet rund 100.000 Euro. Die Autos sind für Flottenkunden und öffentliche Einrichtungen bestimmt. Dank der unkomplizierten Produktion können Anfragen relativ schnell erfüllt werden. "Man muss sicher keine drei Monate warten", sagt Christian Löer, der im selben Atemzug das fehlende Engagement der anderen Hersteller anprangert, um die wichtige Infrastruktur von Wasserstoff-Tankstellen herzustellen. "Da wird nicht an einem Strang gezogen."

Der Brennstoffzellenantrieb im ix35 unterscheidet sich nicht maßgeblich von den anderen Vertretern dieser Zunft. Schließlich kann auch Hyundai das Wasserstoff-Rad nicht neu erfinden. An der Unterseite der Fahrzeugs befinden sich zwei Wasserstoff-Tanks, die 5,64 Kilogramm des Treibstoffs fassen. Bei der Brennstoffzelle verlassen sich die Koreaner nur auf sich selbst. Die Stacks werden von Hyundai-Mobis geliefert.

Bei ersten Fahrttests funktioniert das Brennstoffzellen-System reibungslos. Sollte es auch. Schließlich tüftelt Hyundai seit 15 Jahren an dieser Antriebsform herum. Ein 136-PS-Elektromotor sorgt für Vortrieb. Als Zwischenpuffer steht eine 24 kWh-Lithium-Polymer-Batterie, die von LG kommt, zur Verfügung. In ihr wird auch der Strom gespeichert, der bei der Rekuperierung durch das Bremsen anfällt. Doch wer jetzt Wunderdinge von dem Brennstoffzellen-SUV erwartet, wird enttäusch. Dank des Drehmoments von 300 Newtometern, das sofort zur Verfügung steht, tritt der ix35 Fuel Cell mächtig an. Bereits nach 12,5 Sekunden ist die 100 km/h erreicht und die Spitzengeschwindigkeit liegt bei 160 km/h. Der größte Unterschied zu einem herkömmlichen E-Fahrzeug liegt in der Reichweite von 594 Kilometern. Bis zu Temperaturen von minus 20 Grad soll der Brennstoffzellenantrieb seinen Dienst verrichten.

Geht es um Kurven, werden die 200 Kilogramm Mehrgewicht gegenüber dem herkömmlichen Modell und der fehlende Allradantrieb spürbar. In Kurven schiebt der 1.830 Kilogramm schwere ix35 Fuel Cell über die Vorderräder. Die Lenkung fühlt sich ziemlich synthetisch an und gibt kaum Rückmeldung über den Zustand der Straße. Das übernimmt das Fahrwerk, das straffer abgstimmt ist. Vor allem die Hinterachse rapportiert zuverlässig Unebenheiten. Auch das ESP ist aufgrund der höheren Last anders abgestimmt und greift etwas früher als gewohnt ein.

Im Innenraum unterscheidet sich der Brennstoffzellen-Stromer nur marginal von den Serien-Brüdern. Das linke Rundinstrument ist kein Drehzahlmesser, sondern zeigt, den Stromverbrauch und die Rekuperation an. Beim Platz gibt es kaum Unterschiede: Der Kofferraum fasst 465 bis 1.436 Liter und den Platz des Reserverads nimmt ein Teil der Tanks ein. Doch die Zuladung ist mit 375 Kilogramm so gering, dass ein Familienurlaub mit viel Gepäck schwierig werden könnte.
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Quelle: press-inform, 2013-06-07

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