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Testbericht

8. Juni 2016
Mlada Boleslav (Tschechien), 8. Juni 2016 - Wie heißt Golf auf tschechisch? Octavia. Doch in diesem Witz steckt mehr Wahrheit, als man denkt: Mit 432.300 verkauften Fahrzeugen im Jahr 2015 ist der Octavia für Skoda das, was für VW der Golf ist, nämlich das wesentliche Standbein der Marke. Die Kombiversion des Octavia ist in der EU sogar der meistverkaufte Kombi überhaupt. Noch eine Parallele zum Golf liegt in der gemeinsam genutzten Plattform. Während VW schon länger den in Salzgitter gefertigten Einliter-TSI verwendet, darf jetzt auch Skoda zugreifen. Wie sich der kleine Turbo-Dreizylinder mit 115 PS im Octavia fährt, konnten wir bereits testen. Gefällig und geräumig Zuvor widme ich mich aber den äußeren Werten des Octavia: Hier hat Skoda nichts geändert, erst für 2017 ist ein Facelift geplant. Nötig erscheint das nicht, denn der Skoda wirkt auch drei Jahre nach seiner Premiere ansehnlich. Mancher mag das Design langweilig finden, zeitlos-funktional trifft es wohl am besten. Mit einer Länge von 4,66 Meter ist der Octavia sowohl als Limousine und als Combi (so schreibt es Skoda ans Heck) ein stattlicher Wagen. Das macht sich im Innenraum bemerkbar, überall ist der Zuschnitt großzügig ausgefallen. Welche Karosserievariante es sein soll, entscheidet der persönliche Geschmack. Ich würde zur Fließheck-Limousine greifen: Sie bietet mit 590 Liter Normalvolumen fast so viel Stauraum wie der Combi (610 Liter), kostet aber 660 Euro weniger. Clever & Smart Beim Cockpit geht die funktionale Betonung weiter: Alles ist dort, wo es hingehört. Selbst ein Nicht-Octavia-Fahrer wie ich braucht nur kurz, um sich einzugewöhnen. Fein, aber leider aufpreispflichtig sind pfiffige Details wie der Schirm unter dem Beifahrersitz, eine induktive Ladeschale für das Handy und der kleine Mülleimer in der Beifahrertür. Mein Co-Pilot bringt den Bedienungseindruck auf den Punkt: Man muss doch nicht immer das Rad neu erfinden. Wohl wahr. Der Skoda Octavia ist kein Auto mit emotionalen Duft-Licht-Glitzer-Gedöns. Er sorgt nicht für erhöhten Blutdruck. Aber im positiven Sinne.
Einer für alle Kommen wir nun zur eigentlichen Hauptsache. Der bereits erwähnte Turbo-Dreizylinder mit exakt 999 Kubikzentimeter Hubraum ist das neue, hoffnungsvolle Einstiegs-Kälbchen im Volkswagen-Konzern, nachdem die bisherigen Diesel-Cash-Kühe durch Flatulenzen negativ aufgefallen sind. Das 115 PS starke Aggregat arbeitet inzwischen im ganzen Stall, ob im VW Golf, im Audi A3 oder im neuen Seat Ateca. Nur Porsche und Bentley sind (zum Glück) außen vor. Beim Skoda Octavia ersetzt der 1.0 TSI den bisherigen 1.2 TSI mit 105 PS. Im Programm bleibt der 86 PS starke 1.2 TSI als Einstiegsmotor. Doch auch seine Tage sind gezählt. Sobald Skoda den Einliter-Motor im eigenen Haus baut, werden weitere Ableger kommen. Fabia-Freunde, haltet besser euer Sparbuch fest! So geht Dreizylinder Denn der 1.0 TSI ist im Octavia ein echter Sahnemotor. Nach dem Anlassen fragen mein Beifahrer und ich uns, ob das wirklich ein Dreizylinder sein soll. Obwohl das Aggregat ohne Ausgleichswelle auskommt, nerven weder lästige Vibrationen noch fieser Rasenmäher-Klang. Auch während der Fahrt bleiben die 115 PS vorzüglich gedämmt im Hintergrund. Um das klassische Dreizylinder-Geräusch zu bekommen, muss ich schon einen Kavaliersstart hinlegen. Aber danach steht mir gar nicht der Sinn, denn a) macht der 1.0 TSI gelassen und b) ist unser Testwagen mit einem Siebengang-DSG ausgerüstet. Diese Automatik-Option kostet zwar 1.800 Euro, ist aber jeden Cent wert. Das DSG kaschiert nicht nur eine minimale Anfahrschwäche, sondern harmoniert glänzend mit dem 1.0 TSI. Flott zur Autobahn Vielleicht werden Sie an dieser Stelle einwerfen: "Jetzt mal halblang! Leise ist ja schön und gut, aber das bisschen Motor plus DSG ist doch kurz vor Gehhilfe." Eben nicht. Die Octavia 1.0 TSI Limousine sieht zwar üppig aus, wiegt aber nur 1.225 Kilogramm inklusive Fahrer. Deshalb geht es in exakt zehn Sekunden auf Tempo 100, erst bei 202 km/h ist Schluss. Entscheidender ist eine andere Zahl: Zwischen 2.000 und 3.000 Touren stehen fleißige 200 Newtonmeter bereit. Und so kann der Octavia auch auf der Autobahn ordentlich zulegen. Erst oberhalb von 140 km/h (dann liegen erstaunlich leise 3.000 Umdrehungen an) wird es zäh und auch die Windgeräusche legen zu. Kein Motor also für Langstrecken-Bolzer unter Zeitdruck, aber perfekt für Otto Normalfahrer, der mit Tempo 130 zu Tante Gisela nach Lüneburg fährt.
Gute Federungsmischung Was gibt es sonst noch zu vermelden? Ein Kurvenräuber ist der große Octavia nicht, seine Lenkung ist eher auf Komfort ausgelegt. Beim Fahrwerk haben die Skoda-Ingenieure einen guten Kompromiss erreicht, der erst bei rudimentär geflickten tschechischen Straßen im wahrsten Wortsinne an seine Grenzen stößt. Besser nicht die Basis Stößt das Festgeldkonto beim Kauf des Skoda Octavia 1.0 TSI an seine Grenzen? Los geht es im Fall der Limousine bei 19.090 Euro. Doch als Gegenwert bekommt man nur eine magere Basisausstattung ohne Klimaanlage. Allein deshalb sollte es mindestens "Ambition" sein, zumal erst hier das DSG gewählt werden kann. Mit manuellem Getriebe liegen wir bei 21.490 Euro, mit DSG bei 23.290 Euro. Inklusive sind neben der Klimaanlage auch Parksensoren hinten, ein Tempomat, acht Lautsprecher und ein USB-Anschluss. Darf es etwas mehr sein? Mein persönlicher Tipp: Nehmen sie die Topversion "Style" für 2.100 Euro mehr. Der Gegenwert sind eine Zwei-Zonen-Klimaautomatik, ein Soundsystem mit 6,5-Zoll-Farbdisplay, 16-Zoll-Alus, Sitzheizung vorne und ein Multifunktions-Lederlenkrad, um nur einige Dinge zu nennen. Viele Extras braucht es da nicht mehr. Ich empfehle das "Business Amundsen"-Paket mit kleinem Navi für 790 Euro, das Frontradar mit Notbremsfunktion (270 Euro) und praktische Dinge wie die Frontscheibenheizung (180 Euro) und den Heckscheibenwischer für die Limousine (80 Euro). Schade nur, dass sich Skoda sogar Sachen wie eine Lehnenentriegelung im Kofferraum (80 Euro) oder den Mülleimer in der Beifahrertür (70 Euro) zusätzlich entlöhnen lässt. Unter dem Strich kommen 26.860 Euro heraus, der Blick auf Sondermodelle lohnt sich aber auch. Nicht viel Geld für sehr viel Auto.
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Technische Daten
Antrieb:Frontantrieb
Anzahl Gänge:6
Getriebe:Schaltgetriebe
Motor Bauart:Benziner mit Turboaufladung
Hubraum:999
Anzahl Ventile:4
Anzahl Zylinder:3
Leistung:85 kW (115 PS) bei UPM
Drehmoment:200 Nm bei 2.000 - 3.500 UPM
Preis
Neupreis: 23.590 € (Stand: Juni 2016)
Fazit
Der neue Skoda Octavia 1.0 TSI ist eine der besten Dreizylinder-Lösungen auf dem Markt. Seine 115 PS halten sich akustisch vorbildlich zurück, aber nur dort. Die gebotene Leistungsentfaltung reicht für Otto Normalfahrer völlig aus. Sehr zu empfehlen ist die Ausrüstung mit DSG. Egal, wie man sich entscheidet, der geräumige Octavia reißt kein unmäßiges Loch in die Haushaltskasse. Merke: Volkswagen wird auf tschechisch buchstabiert. + sehr laufruhiger Motor, gute Leistungsentfaltung, viel Platz - magere Basisausstattung
Testwertung
4.5 von 5

Quelle: auto-news, 2016-06-08

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