Testbericht

Wolfgang Gomoll, 6. August 2014
Ein Audi RS Q3 ist per se kein Langweiler. Wenn aber das SUV statt mit 310 PS mit 410 PS auf den Straßenverkehr losgelassen wird, dann wird aus einem dynamischen Kraxler eine Hummel im weißen Renndress.

Mit einem Audi Q3 auf die Nordschleife? Das ist im Normalfall marginal dynamischer als die vollbesetzten Busse, die regelmäßig um die legendäre Rennstrecke schippern. In einem ABT RS Q3 schaut die Sache schon anders aus. Das beweist ein Youtube-Video, in dem ein vom Allgäuer Tuner aufgepeppter Audi RS Q3 über den Eifel-Asphalt donnert und einige andere Autos stehenlässt, wie Statisten. Der Grund dafür ist der aufgebrezelte Turbo unter der Motorhaube. Der famose Fünfzylinder prügelt beim Ausgangs-RS-Q3 schon mit 310 PS und einem maximalen Drehmoment von 420 Newtonmetern auf den Quattro-Antrieb ein. Beim TT RS Plus schafft das Aggregat immerhin 360 PS. Dass da ABT noch weitere 50 Pferdestärken drauflegt und das Drehmoment auf 530 Newtonmeter erhöht, zaubert dem Piloten ein wohliges Lächeln ins Gesicht. Unterm Strich bleibt eine Leistungssteigerung von 32 Prozent gegenüber dem Audi RS Q3. Nur zum Vergleich: Damit ist der ABT- Q3 zehn PS stärker als ein aktueller Porsche 911 Carrera S.

Wie es bei Abt mittlerweile fast schon zum guten Ton gehört, ist ein in der Höhe verstellbares Fahrwerk verbaut. Wenn nötig, räubert der Kompakt-Kraxler dann 30 Millimeter tiefer über den Asphalt, als das Serienmodell. Diese Lizenz zum Tieffliegen sieht man dem SUV auch wirklich an. Die Bodenfreiheit ist nicht mehr weit von der eines "normalen" Pkws entfernt. Die mächtigen 21-Zoll-Räder verschwinden fast in den Radhäusern. Neben dem deutlich sportlicheren Erscheinungsbild, hilft ein derart tieferer Schwerpunkt beim Kurvenfahren. Da das Fahrwerk zudem auch noch richtig straff ist, geht es auch recht knackig um die Ecken. Das ist zwar nicht immer bandscheibenfreundlich, aber dafür schnell. Da der reguläre RS Q3 ohnehin schon straff genug ist, ist der Unterschied zur ABT-Version, wenn überhaupt, nur marginal feststellbar. Beim Ausfedern macht sich der Unterschied dann durchaus bemerkbar, da der ABT RS Q3 eine geringere Aufwärtsbewegung mehr Sicherheit vermittelt.

Eines der wenigen Makel ist die Sitzposition. Wenn das 1,7-Tonnen-Geschoss über den Asphalt pirscht, thront der Fahrer immer noch etwas hoch und wirkt dann ein bisschen wie Fremdkörper in Zusammenspiel zwischen Karosserie, Motor und Fahrwerk. Da sind die "Äbte" Leidtragende der Audi-Konzeption. Auch die elektromechanische Lenkung bleibt unverändert. Die ist Größtenteils direkt und präzise, gibt aber bei schnellen Kurven mit viel Lenkeinschlag eine etwas synthetische Rückmeldung und verhärtet zusehends. Auch sonst lassen die PS-Künstler den Innenraum unverändert. Anders schaut das schon mit der äußeren Optik aus. Die veränderte Frontschürze des ABT Audi RS Q3 gibt dem hochgezüchteten SUV einen aggressiven Auftritt. Dafür ist vor allem der neugestaltete Kühlergrill aus schwarz pulverisierten Aluminium verantwortlich. Statt Waben sind Längsstreben verbaut. So erinnert die Frontschürze erinnert an Hannibal Lecters Maske aus dem Film "Das Schweigen der Lämmer". Garniert wird die angriffslustige Front mit einem roten Zierteil, das sich wie ein Ariadne-Faden quer durch die Frontschürze zieht. Mit Hilfe dieses Fadens fand Theseus aus dem Labyrinth des Minotaurus zurück an das Tageslicht.

Dass der ABT Audi RS Q3 auf dem rechten Weg bleibt, dafür sorgt der Allradantrieb. Für einen grandiosen, knurrenden, bisweilen kreischenden Klang sorgt die vierflutige Auspuffanlage. Der Sound aus den Endrohren hat definitiv Suchtpotential. Jeder Tunnel wird zu gnadenlosen Gaststößen genutzt, nur um die Geräuschkulisse genießen zu können. Dass das SUV in 4,7 Sekunden von null auf 100 km/h beschleunigt, verkommt angesichts dieser Klangkulisse fast zur Nebensache. Ein Blick auf das Datenblatt verrät aber, dass der ABT seinen Audi-Bruder um eine halbe Sekunde abhängt. Dass diese Potenz nicht ganz umsonst ist, versteht sich von selbst. Die Vitaminspritze kostet inklusive Montage und TÜV-Abnahme rund 3.600 Euro. Für die aerodynamischen und optischen Verfeinerungen sind mehrere tausend Euro fällig. Da kann sich aber jeder Q3-Besitzer wie in einem Regal bedienen.
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Testwertung
4.0 von 5

Quelle: press-inform, 2014-08-06

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