Testbericht

27. Mai 2015
Haar, 28. Mai 2015 - Ich sehe nicht Rot, sondern "Mangogelb" und dieser Anblick kostet 2.300 Euro. Den Preis ruft Audi nämlich für die Option "Individuallackierung" beim Q3 auf. Happig, aber dafür auch schön und auffällig. Betrachtet man anschließend das gesamte Q3-Mosaik aus Aufpreisbausteinen, so kann man sich in Ingolstadt nicht nur exklusive Farben auf die Karosse pinseln lassen, sondern auch im Allgemeinen eine ziemlich kostenintensive MQB-Plattform zusammenstellen. Mein Audi-Q3-2.0-TDI-Testwagen mit dem 184-PS-Topdiesel kommt dadurch auf stolze 62.790 Euro. Ein nackter Q3 mit 150-PS-Basisbenziner ist schon ab 29.600 Euro gelistet. Ob sich 33.190 Euro Aufpreis lohnen? Testfahrt! Dezentes Lifting zum Dritten Das erste Lifting der noch jungen Q3-Modellgeschichte fand nach gut drei Jahren Ende 2014 statt. Seit Anfang 2015 steht der überarbeitete Wagen jetzt beim Händler. Dabei erhielt der Kompaktwagen mit sportlich vielseitigen Ambitionen zur Geländefähigkeit die typische Optik-Frischekur mit neuen Schürzen und neuem Grill. Die augenscheinlichsten Neuerungen bekomme ich aber bei Nacht und Nebel zu sehen: Es handelt sich um die neuen LED-Scheinwerfer (1.090 Euro) und die LED-Heckleuchten mit dynamischen Blinkern. Vorne lohnt sich das LED-Spektakel, keine Frage, denn man sieht wirklich ausgezeichnet. Die hinteren LEDs sind wie die dynamischen Blinker halt mit dabei. Der Optik wegen. Update der technischen Diesel-DatenIm Maschinenraum war bis zum Lifting ein 177 PS starker Zweiliter-Vierzylinder-Diesel das Maß der Selbstzünder-Dinge. Der Turbo-Rudolph wurde überarbeitet und jetzt stehen 184 PS und 380 Newtonmeter maximales Drehmoment am oberen Ende des Diesel-Datenblatts. Der Basispreis dieser Auto-Motor-Kombination liegt bereits bei 37.900 Euro. Aber der ausgewogene VW-Diesel lohnt sich. Er ist quasi in allen MQB-Fahrzeugen der VW AG zu finden und sorgt dafür, dass dem 1,7-Tonnen-Q3 nicht die Puste ausgeht. Schon ab 1.800 Umdrehungen pro Minute liegen die maximalen 380 Newtonmeter an.
Lohnenswerte Zuschüsse zum Top-Diesel Beim Q3 lohnt dazu noch ein Zuschuss von 1.950 Euro. Dann verbindet Audi den Motor mit dem Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe S-Tronic. Der quattro-Antrieb, Audis Allrad-System, ist serienmäßig mit dem Top-Diesel verknüpft. Diese beiden Dinge sind überaus gute Dinge. Die S-Tronic, weil sie je nach Fahrstil sanft bis flott die Gänge wechseln kann, und so den kraftvollen aber entspannten Diesel ergänzt. Der Allrad-Antrieb, weil dieser bei Bedarf (gerade beim starken Beschleunigen) dem Q3 zwei Räder mehr bietet, um die Power in Richtung Asphalt loszuwerden. Schwer zu dosieren, aber sehr souverän Aber es ist nicht alles Gold, was Mangogelb glänzt: 7,9 Sekunden von null auf 100 km/h und 219 km/h Topspeed sind zwar beeindruckend, aber gerade bei langsamem Tempo hat der Q3 ein Problem: die gewöhnungsbedürftige Kennlinie des Gaspedals. Sie taucht beim Anfahren eher plötzlich als erwartet auf. Dosierte Ampelstarts werden dadurch schwierig und fallen entweder zu flott oder zu träge aus. Dafür punktet der Q3 bei hohen Geschwindigkeiten mit Fahrwerk, Lenkung und Dämmung. Letztere lässt vor allem Wind- und Motorgeräusche draußen. Das Fahrwerk mit Dämpferregelung (980 Euro) macht das kompakte SUV selbst bei über 200 km/h auf deutschen Autobahn-Schlaglochpisten sehr souverän. Kein echter Wellness-Tempel Trotz empfehlenswerter Sonderausstattungen wie Spurhalteassistent (1.100 Euro), Tempomat (300 Euro) oder Sitzheizung (340 Euro) ist der Audi Q3 nicht der erhoffte Kompakt-Wellness-Tempel für die linke Spur. Die edlen und wertigen Materialien lassen sich nicht übersehen. Trotzdem wirkt alles zu technisch, zu hart und irgendwie emotionslos. Mir fehlt einfach die komfortable Harmonie auf den optionalen Sportsitzen für 285 Euro. Darum schalte ich das Radio ein. Das gibt's mit DAB+ (335 Euro), damit Heimatverbundene den Lokalsender aus Bayern auch auf der Fähre in Richtung Dänemark störungsfrei hören können. Auf Wunsch sogar über ein Bose-Surround-System für 750 Euro. Darüber hinaus sollte die 1.950 Euro teure Lederausstattung - genau wie das intuitive Infotainment-System für 2.390 Euro - wegen dem Wiederverkaufswert in Betracht gezogen werden.
Was am Ende bleibt, ist teuer, aber gut Am Ende muss man aber in den sauren Apfel beißen, um nicht einen halb leeren beziehungsweise halb vollen Q3 vor der Tür stehen zu haben. Trotzdem sollte man sich fragen: "Müssen es wirklich 20-Zöller für 2.650 Euro sein? Brauche ich ein 1.590 Euro teures Design-Exterieur-Paket? Oder will ich wirklich einen 1.300-Euro-Assistenten haben, der mir automatisch den Wagen parkt? Vieles auf der Aufpreisliste läuft bei näherer Betrachtung unter dem Motto "alles kann, nichts muss". Man sollte sich in Verzicht üben, um am Schluss nicht Mangogelb zu sehen. Und wenn es sich auf Kleinigkeiten beschränkt, wie den Zigarettenanzünder und den Aschenbecher wegzulassen. Das erspart einem nämlich nicht nur 30 Euro Aufpreis, sondern schont auch noch die Gesundheit.
Technische Daten
Antrieb:Allrad
Anzahl Gänge:7
Getriebe:Automatik
Motor Bauart:Diesel-Reihenmotor
Hubraum:1.968
Anzahl Ventile:4
Anzahl Zylinder:4
Leistung:135 kW (184 PS) bei UPM
Drehmoment:380 Nm bei 1.800 UPM
Preis
Neupreis: 39.850 € (Stand: Mai 2015)
Fazit
Ein Audi Q3 2.0 TDI mit 184 PS, Allrad und Siebengang-DSG ist schon im Grundpreis (39.850 Euro) kein wirkliches Schnäppchen. Kann man sich beim Ankreuzen der Aufpreisoptionen beherrschen, dann lassen sich die Drohanrufe der Bankmitarbeiter aber eindämmen. Das bei Audi typische, sehr souveräne Fahrverhalten ist Serie. Genau wie ein technisierter Innenraum mit wertiger Verarbeitung, aber wenig Wohlfühlfaktor. Beim Verbrauch erreichten wir ein Mittel von 8,2 Liter Diesel alle 100 Kilometer. + starker Motor, vielseitiges Doppelkupplungsgetriebe, hohes Gripniveau, wertiges Interieur, einfache Bedienung - viele Aufpreisoptionen, hoher Grundpreis, erhöhter Verbrauch, sehr technisierter Innenraum, zu straffe Sitze
Testwertung
4.0 von 5

Quelle: auto-news, 2015-05-27

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