Testbericht

3. Dezember 2004
Haar, 3. Dezember 2004 – Ein Auto räumt auf mit gemütlicher Kleinwagenidylle: der Seat Ibiza Cupra. Wer mit so einem PS-Monster nur zum Supermarkt und zum Stadtbummel fährt, ist selbst schuld. Denn kaum ein anderer Kleinwagen ist so stark wie der 1,8-Liter-Turbobenziner mit 180 PS oder die 160 PS starke Dieselvariante. Wir waren neugierig auf das Selbstzünder-Ungetüm und haben es für Sie getestet. Schnellster Diesel-Kleinwagen In 7,6 Sekunden stürmt der Ibiza 1.9 TDI Cupra auf Tempo 100 und macht erst bei 220 km/h Schluss. Damit ist er unter den Kleinwagen der schnellste Diesel überhaupt. 160 PS für ein 1,2 Tonnen schweres Auto: Da rührt sich was. 330 Newtonmeter Drehmoment bei 1.900 U/min sprechen eine ebenso deutliche Sprache. Klar, dass das ein Fronttriebler nicht immer sauber auf die Straße kriegt, und dass der Antrieb an der Lenkung zerrt. Dieser Motor macht trotzdem eine Menge Spaß – oder gerade deshalb? Wir ließen uns vom Spaßcharakter dieses Wagens jedenfalls gern dazu verführen, mal kräftig Gas zu geben. Das hatte einen Testverbrauch von 8,5 Litern Diesel auf 100 Kilometer zur Folge. Doch man kann auch beim Spritverbrauch brav bleiben: Der Hersteller gibt ihn mit 5,4 Litern auf 100 Kilometer an. Anfangs Schwächen Über den 1,9-Liter-Turbodiesel lässt sich aber auch weniger Vorteilhaftes sagen. Er hält nicht die ab 2005 für neue zugelassene Fahrzeugtypen verpflichtende Euro-4-Abgasnorm ein, sondern nur Euro 3. Er klingt rau und hat eine deutliche Anfahrschwäche: Wer mit normalem Gaseinsatz losfährt, schleicht zunächst nur langsam vorwärts. Erst nach einiger Zeit hat man sich daran gewöhnt, die Kupplung später kommen zu lassen als sonst. Ab 1.800 U/min zieht das Aggregat dann wirklich ordentlich, und man fährt mit quietschenden Reifen los.

Straffes Sportfahrwerk Das Fahrwerk passt zu diesem sportlichen Motor: Es ist gegenüber den übrigen Ibiza-Modellen deutlich modifiziert. Unter anderem liegt der Cupra etwas tiefer, und Federn und Dämpfer wurden straffer abgestimmt. Ein verstärkter Querstabilisator verringert die Wankneigung in der Kurve – sie ist im Alltagsbetrieb tatsächlich kaum mehr spürbar. Mit Unebenheiten aber kommt das Auto nicht so gut zurecht: Bei schlechter Fahrbahn wird die Ausfahrt rasch zur Schüttelei. Und bei hohem Tempo auf der Autobahn hüpft der kleine Seat bei kleinen Wellen, als freue er sich über den Auslauf. Vorsicht, starke Bremsen Damit man im Notfall dem Vorwärtsdrang auch Einhalt gebieten kann, wurden beim Cupra die Bremsen verstärkt: Der Sport-Ibiza hat Scheibenbremsen rundum, deren Durchmesser von 312 Millimetern vorn und 232 Millimetern hinten sich sehen lassen kann. Gegen Aufpreis gibt es rot lackierte Vierkolben-Bremszangen. Doch auch schon die Standardbremsen sind sehr gut und stark. Wer nicht an sie gewöhnt ist, riskiert eine unbeabsichtigte Vollbremsung. Bei zurückhaltender Verwendung lassen sich die Scheibenmonster jedoch auch gut dosieren. Rote Lenkradmarkierung Die Lenkung ist direkter abgestimmt als bei den anderen Ibiza. Das Lederlenkrad mit der roten Mittelmarkierung oben wirkt anfangs etwas irritierend, da man ihre Bewegung instinktiv mit den Augen verfolgt.

Schöne Instrumente Die Instrumente dahinter sind schön anzusehen. Auf dem weißen Hintergrund lassen sich die schwarzen Zahlen gut ablesen. Im Dunkeln leuchten die Ziffern rot. Auch sonst gibt es einige wenige rote Elemente im Interieur. Alu findet man – abgesehen von den gelochten Pedalen – nur an wenigen Stellen. Sonst ist fast alles im Innenraum schwarz gehalten; selbst der Dachhimmel ist dunkel. Die Materialien wirken für diese Klasse ansehnlich. Manchmal allerdings knistert oder knackt etwas im Innenraum, wenn der Ibiza über eine wellige Piste rumpelt. Die Sportsitze mit ihren roten Nähten geben ausgezeichneten Seitenhalt. Sportsitze auch im Fond Im Fond findet man klassentypisch nicht allzu viel Platz vor, es reicht aber für mittelgroße Erwachsene. Da es hinten Sportsitze gibt, rutscht man auch auf den billigen Plätzen nicht hin und her. Aufpassen heißt es allerdings mit kleinen Gegenständen: Im Fond finden sich kaum Ablagen, und unter den Vordersitzen gibt es Lüftungsdüsen, in denen Kleinkram leicht auf Nimmerwiedersehen verschwindet. Keinerlei Anlass zu Beanstandung gibt indes das serienmäßige manuelle Sechsgang-Getriebe. Der Hebel rastet gut ein, hakelt und wackelt nicht. Nebenbei bemerkt: Das Benzinermodell 1.8 16V T Cupra hat nur eine Fünfgang-Schaltung.

Auffälliges Racing-Design Nicht nur Innenraum und Fahrwerk, auch die Karosserie hat Seat deutlich gegenüber den sonstigen Ibiza verändert. So ist der Dachspoiler größer, und die Schürzen vorn und hinten sind anders gestaltet. Damit hebt sich der Cupra nicht nur gut von der Verwandtschaft ab, er wird zum regelrechten Hingucker. Das Racing-Design des tief liegenden Autos will auffallen und tut es auch. Die serienmäßigen 17-Zoll-Aluräder lassen die Blicke fast ungehindert auf die großen Bremsscheiben fallen. Vergitterte Lufteinlässe, große Aussparungen in den Stoßfängern und ein dickes, ovales Auspuffrohr tun ein Übriges. 20.960 Euro Wie das Schwestermodell 1.8 20V T kostet unser Dieselmodell 20.960 Euro. Beide Cupra gibt es ausschließlich als Dreitürer. Die Ausstattung ist umfangreich und macht eine lange Extra-Liste überflüssig. Der Preis von fast 21.000 Euro ist zwar hoch für einen Kleinwagen. Aber wer einen Diesel in dieser Klasse fahren will, kommt mit keinem schneller ans Ziel als mit dem 160-PS-Cupra. Außerdem ist man fast genauso rasant unterwegs wie mit dem Turbobenziner 1.8 20V T Cupra, der beim Standardspurt nur 0,3 Sekunden schneller ist. In puncto Spritkosten kommt man aber deutlich günstiger weg. (sl)
Technische Daten
Antrieb:Vorderrad
Anzahl Gänge:6
Getriebe:Schaltgetriebe
Motor Bauart:Reihen-Turbodieselmotor, Common-Rail-Einspritzung
Hubraum:1.896
Anzahl Ventile:2
Anzahl Zylinder:4
Leistung:118 kW (160 PS) bei UPM
Drehmoment:330 Nm bei 1.900 UPM
Preis
Neupreis: 20.960 € (Stand: Dezember 2004)
Fazit
<b>Fazit: Vornehme Zurückhaltung ist seine Sache nicht</b> Mit Wohlanständigkeit hat dieses Auto nichts am Hut, schon gar nicht, wenn es knallgelb lackiert ist wie unser Testwagen. Nicht nur die spektakulären Motorleistungen, auch die diversen Karosseriemodifikationen sorgen dafür, dass man in diesem Fahrzeug wohl kaum unbemerkt bleiben wird. Auf der Autobahn genießt man damit ein gutes Überholprestige. Der gewaltige Vortrieb, das stramme Fahrwerk, das rallyeorientierte Innere – all das passt zusammen. Wirkliche Rallyefahrzeuge haben zwar Allradantrieb, um die Kraft des Motors auch optimal in Vortrieb umzuwandeln. Aber wer dieses Auto kauft, freut sich sicher, wenn er ab und zu die Reifen quietschen lassen kann. (sl)

Quelle: auto-news, 2004-12-03

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