Testbericht

16. Dezember 2015
Haar, 16. Dezember 2015 - Alle Welt redet derzeit über die neuen Volvo-Modelle wie den S90 oder den XC90. Fraglos feine Autos, aber über die Begeisterung wird glatt übersehen, dass die Schweden noch mehr im Programm haben. Etwa den BMW-X3-Gegner XC60, der jetzt mit einem neuen Vierzylinder-Diesel an den Start rollt. Wir haben die Kombination aus 190 PS und Automatik getestet. Vom alten Schlag? Kinder, wie die Zeit vergeht: Dieser Gedanke geht einem beim Betrachten des Volvo XC60 durch den Kopf. Seit 2008 ist das SUV auf dem Markt, im Jahr 2013 wurde die Baureihe geliftet. Gut acht Jahre also, was in der Autobranche eine halbe Ewigkeit darstellt. Man merkt sofort, dass der XC60 eine Generation vor XC90 und S90 entstanden ist. Altmodisch wirkt er zwar nicht, aber ihm geht die elegante Coolness der ganz neuen Volvo-Modelle ab. Kein mächtiger Fenstergitter-Kühlergrill, kein "Thors Hammer"-Tagfahrlicht. Stattdessen feine Bescheidenheit. Oder anders formuliert: Der XC60 haut nicht auf den Putz. Knopf oder Bildschirm? Dieser Anspruch setzt sich im Innenraum fort. Alles ist schlicht-geschmackvoll eingerichtet. Nicht ganz optimal ist die Sitzposition des Fahrers, als störend empfanden wir die Kopfstütze, die sich sehr früh an den Schädel drückt. Ein weiteres Indiz dafür, dass dieser Volvo nicht mehr der Jüngste ist, zeigt sich auf der Mittelkonsole. Eine wahre Flut an Tasten möchte gedrückt werden. Hier setzt Volvo inzwischen auf einen großen Touchscreen, dessen Bedienung aber auch nicht das Optimum darstellt. Vielleicht wäre eine Mischung aus Tasten und Berührungsbildschirm besser gewesen.
Ein feiner Kniff Ohne Fehl und Tadel sind die langstreckentauglichen Sitze und der große Kofferraum. Er punktet durch eine niedrige Ladekante und eine ebene Fläche. Eine besonders clevere Idee ist der im Laderaum-Paket für 650 Euro enthaltene Raumteiler. Er klappt horizontal nach oben, per dort befestigtem Gummizug können Einkaufstüten gesichert werden. Das Auto denkt mit Überhaupt das Thema "clever mitgedacht": Wird der XC60 mit dem 2.150 Euro teuren Fahrerassistenzpaket ausgerüstet, mutiert er zum Oberaufpasser. Gegenverkehr beim Ausparken? Die rote Lampe im Totwinkelwarner blinkt wie wild, auch wenn hier die Sensoren am Heck die Guckarbeit übernehmen. Oder nehmen wir das aktive Abstandsregelsystem mit Bremsassistenz. Sobald ich dem Vordermann mit zu wenig Abstand folge, glimmt ein rotes Licht in der Frontscheibe. Im Notfall blinkt und piept es im Cockpit wie verrückt. Das mag im Ernstfall hilfreich sein, manchmal reagiert das System aber zu sensibel. Ist der Kapitän auf der Brücke hellwach, kann er alle diese Helferlein natürlich auch abschalten. Anders formuliert muss sich der Fahrer die Frage stellen: Wann brauche ich den Volvo-Bodyguard wirklich? Stämmiger Schwede Eine Sache verbindet den XC60 und die neuen 90er-Modelle aber doch: Es ist der Vierzylinder-Diesel mit Biturboaufladung und 1.969 Kubikzentimeter Hubraum. Ihn erhält der XC60 D4 aber nur mit Frontantrieb. Wer Allrad möchte, bekommt einen Fünfzylinder-Diesel mit 2,4 Liter Hubraum. Für wahre Volvo-Puristen führt daran vielleicht kein Weg vorbei, doch der Zweiliter-Motor macht seine Sache bestens. Laufruhig treibt er den XC60 an, wenngleich die offiziellen 8,1 Sekunden auf Tempo 100 nicht spürbar werden. Hauptgrund dafür ist die Moppeligkeit des Wagens: Über 1,8 Tonnen Leergewicht sind einfach zu viel, zumal kein Allradantrieb an Bord ist.
Relax-Zone Und so vermittelt der XC60 D4 insbesondere mit der gelegentlich recht spät schaltenden Achtgang-Automatik ein amerikanisch angehauchtes Fahrgefühl. Dieser Volvo ist nichts für Raser, sondern für gelassene Zeitgenossen, denen auch bei 130 km/h kein Zacken aus der Krone bricht. Ein Negativpunkt ist das straffe Abrollverhalten der Hinterachse. Besonders im Fond wird es spürbar wahrgenommen, obwohl unser XC60 das sogenannte "Touringfahrwerk" mit höherer Komfortausrichtung aufwies. Allerdings waren bei unserem Testwagen 19-Zoll-Felgen aufgezogen, ein kleineres Format kann die Komfortsituation möglicherweise verbessern. Her mit den Spendierhosen! Bei 38.900 Euro starten die Preise für den Volvo XC60 D4, die von uns gefahrene Summum-Ausstattung schlägt mit 44.350 Euro zu Buche. Hier ist vieles enthalten, was das Herz begehrt, seien es Lederpolster mit Sitzheizung vorne, eine praktische Frontscheibenheizung oder ein Audiosystem mit acht Lautsprechern. Trotzdem lassen sich mühelos noch zusätzliche 20.000 Euro für Extras verpulvern. Allein die Kombination von Automatikgetriebe, Navigation mit Online-Anbindung und umfangreichem Assistenzpaket belastet das Konto um 6.200 Euro.
Technische Daten
Antrieb:Frontantrieb
Anzahl Gänge:8
Getriebe:Automatik
Motor Bauart:Diesel mit Biturboaufladung
Hubraum:1.969
Anzahl Ventile:4
Anzahl Zylinder:4
Leistung:140 kW (190 PS) bei UPM
Drehmoment:400 Nm bei 1.750 - 2.500 UPM
Preis
Neupreis: 44.530 € (Stand: Dezember 2015)
Fazit
Mit dem Vierzylinder-Diesel gewinnt der Volvo XC60 dazu. Seine Stärken liegen in der umfangreichen Sicherheit und dem geschmackvollen Ambiente. Die Schwächen betreffen das hohe Gewicht und das zu steif abrollende Fahrwerk. Ein schlechtes Auto ist der XC60 deshalb noch lange nicht. Aber es gibt für den Nachfolger noch Verbesserungspotenzial. + laufruhiger Diesel, viele Assistenzsysteme - träges Fahrverhalten, zu straffes Abrollverhalten
Testwertung
4.0 von 5

Quelle: auto-news, 2015-12-16

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