Testbericht

Jürgen Wolff, 20. November 2011
Jedem sein Up!-Date: Nach VW präsentierte nun die spanische Konzerntochter Seat ihre Interpretation des neuen Kleinstwagens. Unter der Hülle steckt viel Up!, drum herum viel spanisches Design.

Angeblich klingt der Name nur durch Zufall so ähnlich wie Nintendos hippe Spiele-Konsole Wii: Doch Seats Kleinwagen Mii zielt auf eine ähnliche Klientel - jung, erfolgreich und urban. Die spanische Volkswagentochter will sich mit dem gerade mal 3,56 Meter kurzen Stadtflitzerchen eine neue Kundschaft erschließen und historisch an ihren einstigen Kleinwagen Arosa anknüpfen. Die 3,56 Meter Länge kommen dabei nicht von ungefähr: Der kleine Spanier basiert in weiten Teilen auf dem Up!, den der Wolfsburger Mutterkonzern gerade vorgestellt hat und der nur zwei Zentimeter kürzer ist. Die Konzerntöchter sind gerade dabei, ihre eigenen Derivate des Winzlings zu promoten. Seat macht mit dem Mii den Anfang, als nächstes folgt Škoda mit dem bereits angekündigten Citigo. In unterschiedlichen Blechkleidern stecken dabei jeweils die selbe technische Basis und dieselben Motoren. Das heißt: Unter der Fronthaube werkelt ein Drei-Zylinder Benziner mit immer 999 ccm Hubraum und wahlweise 44 kW/60 PS oder 55 kW/75 PS - mit 69 Kilogramm ein ausgesprochenes Leichtgewicht. Das maximale Drehmoment liegt in beiden Varianten ab 3000 U/min an und schafft 95 Nm. Das bringt, fleißig hochgedreht, den dank Leichtbauweise nur 854 Kilogramm schweren Kleinen in der 60-PS-Variante binnen 14,4 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h und auf eine Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h. Der 75-PS-Mii schafft den Spurt auf 100 km/h in 13,2 Sekunden und eine Spitze von 171 km/h. Im "Subkompakt-Segment", dem Seat den Mii zuordnet, sind das durchaus beachtliche Werte. Konkurrenten wie der Hyundai i10 oder der Chevrolet Spark sind - vergleichbar motorisiert - deutlich behäbiger unterwegs.

Vor allem in der Stadt lässt sich mit dem Mii erstaunlich agil durch den Verkehr wuseln - der Wendekreis ist mit 9,8 Metern erfreulich knapp. An der Ampel hält der Mii tapfer mit dem Verkehr mit. Seine gute Übersichtlichkeit sorgt zusammen mit den großen Rückspiegeln dafür, dass man in der Hektik keinen Motorroller übersieht und unterbügelt. Was den Verbrauch angeht, nennt Seat für die 75-PS-Version einen Durchschnitt von 4,7 Liter, in der Ecomotive-Version von 4,3. Schon das wäre nicht gerade wenig. Real liegt der Verbrauch jedoch deutlich höher: Nach längerer Fahrt vor allem in der Stadt aber auch einigen moderaten Autobahn-Etappen verkündete der Bordcomputer einen Schnitt von 6,0 Liter. Schon der Up! fiel nicht gerade durch übermäßige Sparsamkeit auf.

Ansonsten gibt es wenig zu meckern über den kleinen Spanier. Platz ist zumindest auf den vorderen Plätzen zwar nicht üppig, aber doch für einen solchen Winzling ausreichend - nur beim Schalten kommt man sich gelegentlich näher. Selbst mit mehr als 1,85 Meter Körpergröße muss man sich als Fahrer nicht verschränken und sitzt auch auf längeren Strecken bequem. Leider lässt sich das Lenkrad nur in der Neigung, nicht aber auch in der Tiefe verstellen. Was außerdem fehlt: Ein Griff zum Festhalten über der Beifahrertür und auf der Fahrerseite ein Knopf, um das Fenster auf der Beifahrerseite zu bedienen. Auch hinten geht es noch durchaus erträglich zu. Da die Sitzhöhe dort um rund sieben Zentimeter höher liegt als bei den Frontsitzen, haben vor allem Kinder einen guten Blick über die Schultern von Fahrer und Beifahrer. Mit seinem Kofferraumvolumen von 251 Litern steht der Mii deutlich besser da als seine Konkurrenten. Winzlinge wie der Citroën C1 etwa begnügen sich mit 139 Liter, der Chevrolet Spark hat gerade mal 170 Liter Stauraum. Als Option bietet Seat die Möglichkeit, die Rücksitzlehnen umzuklappen: 951 Liter Ladekapazität sind dann der Lohn - mehr liefert auch der VW Polo nicht.

Die ohnehin nicht übermäßig vielen Instrumente liegen alle gut sicht- und erreichbar, das mobile Navi von Navigon - von den Spaniern wenig phantasievoll "Seat Portable System" getauft und auch für die Telefon-Freisprechanlage mit Sprachbedienung und den Bordcomputer zuständig - lässt sich bei Bedarf mit einem Handgriff abnehmen und zur Orientierung mit seinem 5-Zoll-Bildschirm auch als Fußgänger oder Radfahrer nutzen. Das griffige Lenkrad hält den Mii präzise in der Spur, die manuelle 5-Gang-Schaltung flitzt ebenso präzise und ohne Hakeln durch die Kulisse. Die Abstimmung der Gänge ist gut an den Stadtverkehr angepasst - man ist ohne übermäßige Schaltarbeit bequem unterwegs und hat auch bergauf kein Problem. Der fünfte Gang wurde besonders lang ausgelegt und soll bei höherem Tempo helfen, Benzin zu sparen.

Material und Verarbeitung im Innenraum sind so, wie man es von Seat mittlerweile gewohnt ist: Gut. Dass in dieser Fahrzeugklasse vor allem an der Innenseite der Türen das in Wagenfarbe lackierte Blech zum Design gehört, ist üblich - immerhin hat das Armaturenbrett eine eigene zweifarbige Verkleidung aus Kunststoff, der sich überraschend gut und wertig anfühlt.

Wie schon sei Bruder VW Up! bietet auch der Seat Mii gegen Aufpreis besondere Sicherheitsfeatures an. City Safety Assist zum Beispiel. Ein Lasersensor im Sockel des Innenspiegels misst dabei im Stadtverkehr Geschwindigkeit und Abstand anderer Fahrzeuge in Fahrtrichtung. Droht zwischen einem Tempo zwischen 5 und 30 km/h ein Unfall, warnt das System zunächst den Fahrer akustisch und bereitet den Mii schon mal aufs Bremsen vor. Zeigt der Fahrer keine Reaktion, bremst der Mii auch selbstständig ab - um so einen Aufprall zu verhindern oder zumindest abzuschwächen. Beim ersten Ausprobieren arbeitet das System erstaunlich präzise und verlässlich.

Der Mii kommt - zunächst als Zweitürer - gegen Jahresende erst einmal in Spanien selbst auf den Markt, im Frühjahr folgt der Rest Europas. Eine Version mit fünf Türen ist für den Herbst geplant. Außerdem gibt es jede Motorisierung auch als sparsamere Ecomotive-Version inklusive Start-Stopp-System. Wie viel der kleine Seat in Deutschland kosten wird, darüber schweigen sich die Spanier noch aus. Auf der iberischen Halbinsel selbst jedenfalls wird er in der kargen Basisversion wohl mit knapp 8.700 Euro ausgepreist. In Deutschland dürften es ein paar Euro mehr sein.
Weiterlesen
Testwertung
4.0 von 5

Quelle: press-inform, 2011-11-20

Getestete Modelle
×
×
Unser Server konnte Ihre Aktion nicht ausführen. Bitte versuchen Sie es erneut.
Bitte vervollständige Deine E-Mail-Adresse.
×

Wir haben Dir eine E-Mail an gesendet.
Darin befindet sich Link, um Dein Passwort zurückzusetzen.

Keine E-Mail erhalten?

×
Anmelden
×

Wir haben Dir eine E-mail an gesendet.
Darin findest Du einen Link, um Deine E-Mail-Adresse zu bestätigen.

Keine E-Mail erhalten?

Bitte aktualisiere nochmals Deinen Posteingang und prüfe auch den Spam-Ordner.