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Testbericht

25. Juli 2009

Manche Revolutionen kün­digen sich ausgespro­chen leise an: Kaum wahr­nehmbar surrt der äußerlich unscheinbare Kangoo im Pari­ser Vorort Mareile um die Ecke und erschreckt Fußgänger, die ihn nicht bemerkt haben. Selbst einer Katze scheint das lautlose Riesentier nicht so ganz geheuer, weshalb sie lie­ber Reißaus nimmt.

Renault plant für 2011 die Einführung von drei ver­schiedenen E-Autos Trotz seiner akustischen Zu­rückhaltung kommt mit dem knuffigen Minivan nichts weni­ger als ein Vorbote der Mobilität von morgen angerollt. Schließlich sollen Elektro-An­triebe bei knapper werdenden Öl-Vorkommen nach und nach Verbrennungsmotoren erset­zen. So plant Renault für 2011 die Einführung von drei ver­schiedenen E-Autos - vom Stadtwägelchen bis zum Transporter - und testet deren Technik im Renault Kangoo . Für Vortrieb sorgt ein Dreipha­sen-Drehstrommotor, der bei 12.000 U/min 44 kW leistet. Sein maximales Drehmoment von 190 Nm steht, wie bei E-Motoren üblich, bereits beim Start zur Verfügung. Durch die riesige Drehzahlspanne kann auf ein herkömmliches Getrie­be verzichtet werden. Da aber Lade- und Steuer-Elektronik hinzukommen, bringt der An­trieb stattliche 160 Kilogramm auf die Waage. Der Renault Kangoo be bop Z.E. fährt erfreulich un­spektakulär Dennoch lässt schon ein leich­ter Druck auf das Gaspedal den Renault Kangoo be bop erstaunlich kraft­voll loseilen - elektrisches Fah­ren und Spaß müssen offen­sichtlich kein Widerspruch sein. Bis hinauf zu Ortstempo dringen zudem nur dezente Reifen-Abrollgeräusche in den Innenraum. Der eigentliche An­trieb gibt sich auch nach innen angenehm zurückhaltend, auf der Landstraße kommen ledig­lich ein paar Windgeräusche hinzu. Die Beschleunigung er­folgt ab 80 km/h allerdings nur noch in homöopathischen Do­sen. Dennoch: Der Kangoo be bop Z.E. fährt erfreulich un­spektakulär und macht schon nach wenigen Minuten verges­sen, in einem sündhaft teuren Technologieträger zu sitzen.

Die Reichweite des Renault Kangoo be bop Z.E: beträgt rund 100 km Das Herzstück des Kangoo stellt eine rund 10.000 Euro teure Lithium-Ionen-Batterie dar, die mit einer Kapazität von 15 kWh für rund 100 Kilometer Reichweite sorgen soll. Bis zum Serienstart erhoffen sich die Entwickler eine Steigerung auf 160 Kilometer. Der 250 Ki­logramm schwere Akku sitzt aus Si­cherheitsgründen in einem Metallpanzer zwischen Vorder- und Rücksitzen, weswegen der Fahrzeugboden hier rund fünf Zentimeter höher liegt. Um möglichst weit zu kom­men, arbeitet der E-Motor beim Bremsen und im Schie­bebetrieb als Generator und führt überschüssige Bewe­gungsenergie in den Akku zu­rück. Der Fahrer merkt dies durch eine starke Verzögerung, sobald er vom Gas geht. Die Betätigung der Bremse wird so häufig überflüssig. Aufgeladen wird der Saftspen­der über eine Ladebuchse an der Frontseite, was über eine herkömmliche Steckdose rund acht Stunden dauert und bei heutigen Strompreisen nur rund drei Euro kostet. Schnellladestationen drücken die War­tezeit sogar auf rund 30 Minu­ten. Allerdings leidet die Haltbarkeit der Batterien unter dem schnellen Laden. Selbst Renault traut ihr nur eine Haltbar­keit von sechs Jahren zu. Schwer vorstellbar, dass Fahr­zeugbesitzer bereit sind, alle paar Jahre mehrere tausend Euro in die Erneuerung ihrer Batterien zu stecken.

Renault will Akkus vermieten Daher planen die Franzosen, die Akkus nicht zu verkaufen, sondern zu vermieten, um den Autofahrern das Risiko und damit die Vorbehalte gegen E-Autos zu nehmen. Schließlich sollen nicht nur ein paar Elek­tromodelle für reiche Öko-Fans hergestellt werden, sondern in einer eigenen Fabrik in Mas­senfertigung entstehen. So problemlos und ausgereift Autofahren mit Strom bereits wirken mag: Ob und wie lange die mobile Revolution noch auf sich warten lässt, hängt einzig von Preis und Haltbarkeit der Batterien ab.

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Testwertung
3.5 von 5

Quelle: auto-motor-und-sport, 2009-07-25

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